
Beim VfB Oberweimar kommt es zu einer überraschenden Veränderung im Männerbereich. Das Trainerteam der ersten Männermannschaft hat die aktuell spielfreie Zeit genutzt und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern zurück. Wie der Verein mitteilt, sei diese Entscheidung das Ergebnis intensiver Gespräche und einer ausführlichen Analyse der sportlichen Situation, insbesondere der zuletzt zu vielen Gegentore.
Das Trainerteam um Tobias Dübler, Philippe Durand und Michael Wenk äußerte sich dabei ungewöhnlich offen und selbstkritisch. Man habe die Saison sehr intensiv aufgearbeitet und dabei versucht, „wirklich jeden Stein umzudrehen“. Im Rahmen der Analyse seien nicht nur Trainingsinhalte, Spielsysteme und Gegentore ausgewertet worden, sondern auch das gesamte Umfeld der Mannschaft. Unter anderem habe man die Trainingsbeteiligung in Abhängigkeit vom Musikgeschmack in der Kabine untersucht (90er, Ballermann, Deutschrap), den Zusammenhang zwischen Gegentoren und vergessenen Kabinenschlüsseln analysiert, den Punkteschnitt abhängig von der Farbe des Aufwärmshirts ausgewertet sowie die Laufleistung in Abhängigkeit vom Vorhandensein von Haribos in der Kabine verglichen. Eine eindeutige statistische Auffälligkeit habe jedoch nicht festgestellt werden können.
Rückblickend stellte das Trainerteam fest, dass sich einige Dinge bereits früh in der Saison angedeutet hätten. In den Vorbereitungsspielen sei man „aufgetreten, als ob es um nichts geht – was im Nachhinein betrachtet vielleicht schon ein kleiner Hinweis war“. Zudem habe man feststellen müssen, dass „einige Spieler im Laufe der Saison einfach immer älter geworden sind, auch das ließ sich trotz intensiver Analyse nicht mehr korrigieren“. Besonders in Erinnerung geblieben sei zudem das Spiel in Niederoßla, bei dem die Mannschaft „aufgetreten ist wie eine Auswärtsmannschaft. Und das, obwohl wir auswärts waren. Das darf so natürlich nicht passieren“.
Man habe im Saisonverlauf vieles ausprobiert, Systeme angepasst, Trainingsinhalte verändert, Abläufe umgestellt und viele Gespräche geführt. „Wir haben wirklich alles probiert. Wir haben sogar versucht, weniger Gegentore zu bekommen. Das hat nur nicht immer funktioniert.“ Am Ende sei man gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass die Mannschaft möglicherweise „einfach mal eine neue Ansprache, eine neue Stimme und einen neuen Impuls“ brauche.
Bis zum Saisonende wird Malte Hüser die Mannschaft übergangsweise betreuen. Der Verein zeigte sich dankbar, dass er sich kurzfristig bereit erklärt hat, die Verantwortung zu übernehmen.
Parallel dazu beginnt der Verein mit der Suche nach einem neuen Trainer zur kommenden Saison. Gesucht wird ein Trainer, idealerweise mit VfB-Oberweimar-Vergangenheit, der den Verein und die Strukturen kennt, möglichst auch im Nachwuchsbereich tätig war und eventuell einige der heutigen Spieler noch aus der Jugend kennt. Zudem sollte der neue Trainer höherklassig Erfahrungen gesammelt haben, mindestens drei Jahre im Männerbereich tätig gewesen sein und bereits vier bis fünf Mannschaften betreut haben. „Es wäre natürlich eine schöne Geschichte, wenn es jemand ist, der den VfB kennt und vielleicht schon lange mit dem Verein verbunden war“, heißt es aus dem Umfeld.
Ganz verabschieden wird sich das bisherige Trainerteam jedoch nicht vom Verein. Man bleibe dem VfB Oberweimar erhalten, „nur eben künftig auf der anderen Seite der Seitenlinie“. Dort habe man ohnehin schon länger einmal stehen wollen. „Wir wollten die Spiele schon immer mal pöbelnd und biertrinkend begleiten. Jetzt haben wir endlich eine offizielle Begründung. Außerdem wollten wir schon immer mal nach dem Spiel sagen können: Von außen sieht man das alles viel besser.“