
Er war nie der Mann für die große Bühne – aber einer, der Generationen von Fußballern geprägt hat: Hans Oertwig ist im Alter von 73 Jahren verstorben. Die Nachricht trifft den Berliner und Brandenburger Amateurfußball tief. Im April vergangenen Jahres hatten Weggefährten für ihn zwei große Abschiedsspiele vorbereitet. Nun trauert eine ganze Fußballregion um einen stillen Riesen
Der Berliner und Brandenburger Fußball trauert um eine seiner prägendsten Persönlichkeiten: Hans Oertwig ist am Donnerstagvormittag im Alter von 73 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung verstorben. Das bestätigte sein langjähriger Weggefährte und Co-Trainer Enis Djerlek gegenüber FuPa Berlin.

Oertwig war über Jahrzehnte hinweg mehr als nur ein erfolgreicher Trainer – er war Mentor, Förderer und menschlicher Fixpunkt für unzählige Spieler. Geboren 1953 in Berlin-Spandau, musste er seine eigene aktive Laufbahn früh verletzungsbedingt beenden. Doch statt zu verzweifeln, begann er eine beispiellose Trainerkarriere, die ihn zu einer der einflussreichsten Figuren des Berliner und Brandenburger Amateurfußballs machte.
Bereits in den 1970er-Jahren schrieb er Geschichte, als er mit nur 22 Jahren der erste hauptamtliche Nachwuchstrainer Deutschlands beim Spandauer SV wurde. Später führte er die Reinickendorfer Füchse zu einer legendären Serie von 17 Siegen in Folge in der Oberliga Berlin, feierte acht Berliner Meisterschaften und formte bei zahlreichen Stationen Mannschaften, die nicht nur erfolgreich, sondern auch charakterstark waren.
Spieler wie Nico Schulz oder Peter Wynhoff machten unter ihm ihre ersten großen Schritte, zahllose andere verdanken ihm ihre sportliche und menschliche Entwicklung. Seine Handschrift war überall gleich: Leistungsorientiert, aber immer mit Herz, Haltung und Respekt.

Noch im April vergangenen Jahres hatten ehemalige Spieler und Weggefährten für Oertwig zwei Abschiedsspiele in Oranienburg und Berlin-Spandau organisiert – als Dank für sein Lebenswerk. Oertwig zeigte sich damals tief bewegt von dieser Geste. Nun bekommen diese Spiele eine andere, traurigere Bedeutung: Sie werden zum stillen Abschied von einem Mann, der den Fußball lebte wie kaum ein anderer.
„Er hat mich nicht nur sportlich geformt, sondern mir als Mensch den Weg gezeigt“, sagte Enis Djerlek zuletzt über seinen Mentor. „Ohne ihn wäre ich heute nicht der, der ich bin.“
Hans Oertwig geht – aber er hinterlässt ein Vermächtnis, das auf unzähligen Sportplätzen weiterlebt. In den Kabinen, in den Erinnerungen seiner Spieler und in einer Fußballregion, die ihm mehr verdankt, als Worte je ausdrücken können.