
Trainer Argirios Giannikis bekommt trotz des historisch schlechtem Saisonstart das Vertrauen der Bosse beim TSV 1860 München. Auch aus finanziellen Gründen?
Es war kurz nach 11 Uhr am Montagvormittag, als 1860-Trainer Argirios Giannikis auf den Trainingsplatz an der Grünwalder Straße 114 lief. Damit war die wohl dringendste Frage nach der desolaten 1:3-Heimpleite gegen Viktoria Köln tags zuvor geklärt: Der Deutsch-Grieche bleibt – zumindest vorerst – Coach der Löwen und sitzt bei der kniffligen Aufgabe in Ingolstadt (Samstag, 14 Uhr) auf der Bank des Tabellenletzten der 3. Liga.
Eine Nachricht, die die wenigsten Fans der Sechzger begeistern wird. Schon vor dem Spiel gegen Köln, als Stadionsprecher Sebastian Schäch die Aufstellung der Löwen verlas, gab es die ersten Pfiffe gegen Giannikis. Als der Gast aus dem Rheinland seinen zweiten Treffer erzielte, waren die „Trainer raus“-Rufe auf der Tribüne nicht mehr zu überhören. Und wagt man sich auf die offiziellen Kanäle der Löwen in den Sozialen Netzwerken, findet sich der Wunsch nach einem Neuanfang auf der Trainerposition immer häufiger wieder.
Und was machen die Verantwortlichen der Sechzger? Die befeuern einen möglichen Trainerwechsel weder, noch stärken sie Giannikis öffentlich den Rücken. „Besonnen reagiert“ sagen die einen, „weggeduckt“ die kritischeren. Löwen-Präsident Robert Reisinger hatte im tz-Interview im April noch gesagt: „Allein schon von der Kraft des Namens und der Potenz des Vereins muss 1860 in der 3. Liga immer vorne mitspielen.“ Nun, momentan sind die Sechzger davon ein riesiges Stück entfernt. Auf tz-Anfrage wollte sich Reisinger nicht zur heiklen Situation bei 1860 äußern.

Rein sportlich gehen den Bossen die Argumente für eine Weiterbeschäftigung des sympathischen Löwen-Trainers so langsam aus. Null Punkte nach drei Spielen – diese Horror-Bilanz hatte 1860 in der langen Vereinshistorie erst dreimal vorzuweisen. Bei einer erneuten Niederlage in Ingolstadt hätte man den Titel „schlechtester Ligastart in der Sechzig-Vereinsgeschichte“ sogar exklusiv.
Angesichts des Negativtrends zum Ende der Vorsaison und der schwachen Vorbereitungs-Auftritte ist es durchaus überraschend, dass Sport-Geschäftsführer Dr. Christian Werner augenscheinlich weiterhin fest hinter seinem Trainer steht. Andererseits müsste sich Werner mit einer Entlassung von Giannikis auch selbst eingestehen, im Januar dieses Jahres mit der Coach-Auswahl möglicherweise die falsche Entscheidung getroffen zu haben.
Bleibt die Frage: Will der Sport-Boss momentan nicht reagieren oder kann er es schlichtweg nicht? Nach tz-Informationen ist das Budget der chronisch klammen Giesinger ausgeschöpft. Das gilt nicht nur für Spieler – sondern auch für Trainerkosten. Bedeutet: Giannikis zu entlassen und einen neuen Coach einzustellen, erscheint derzeit überhaupt nicht möglich. Auch der Ruf nach einer internen Lösung hat so seine Haken. Im Club verfügt nur Manfred Paula, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, über die nötige Lizenz. Felix Hirschnagl, der einen erfolgreichen Saisonstart mit der U21 der Löwen hingelegt hat, besitzt nicht die notwendige Pro-Lizenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
„Es geht jetzt nicht um Druck beim Trainer.“
Argirios Giannikis
Ein Modell wie in Unterhaching mit Marc Unterberger, in dem 1860 jedes Mal mit Hirschnagl an der Seitenlinie Strafe an den DFB zahlt, weil der Coach nicht über die nötige Lizenz verfügt? Ebenfalls nicht möglich in München-Giesing, Stichwort ausgeschöpftes Budget. Und so bleibt – unabhängig von der tatsächlichen Überzeugung der Verantwortlichen – den Löwen momentan gar nicht viel anderes übrig, als auf die baldige Trendwende unter dem Deutsch-Griechen zu hoffen.
Giannikis selbst kündigte nach der Heimpleite gegen Köln an, die Mannschaft samt Trainerteam werde „hart mit sich ins Gericht gehen“. Zur immer heftigeren Trainerdiskussion erklärte der Fußballehrer: „Es geht jetzt nicht um Druck beim Trainer, sondern darum, dass wir geduldig weiterarbeiten und unsere Phasen, in denen wir gut sind, zu verlängern.“ Am Mittwoch starten die Sechzger die Vorbereitung auf das oberbayerische Duell in Ingolstadt. Am Dienstag hat die Mannschaft frei, Wunden lecken ist angesagt.