
Seit Sommer 2024 steht beim SV Eltern ein Trainerduo an der Seitenlinie: Julian Forsting und Michael Peiffer führen die Mannschaft als gleichberechtigtes Cheftrainer-Team. Gemeinsam formten sie aus einer motivierten Truppe ein echtes Erfolgsteam, mit einem historischen Höhepunkt am Ende der Saison 2024/25, als dem SV Eltern erstmals der Aufstieg in die Emslandliga gelang. Im FuPa Interview sprechen die beiden über ihre gemeinsame Arbeit, die laufende Saison und das mit Spannung erwartete Derby gegen den Haselünner SV.
Zur bisherigen Saison:
FuPa: Julian/Michael, ihr steht nach 11 Spielen mit 14 Punkten auf Platz 10 der Emslandliga, wie fällt euer Zwischenfazit aus?
Julian/Michael: Nach einer verkorksten Vorbereitung und dem Aus in der ersten Pokalrunde in Lünne – bei kleinem Kader – wussten wir zunächst nicht, wo wir stehen. Die Saison begann zudem mit einer bitteren Niederlage in Haren. In dieser Partie zeigten wir jedoch über weite Strecken eine starke Leistung; Einsatzbereitschaft und Wille waren eindeutig vorhanden. Leider konnten wir daraus nichts Zählbares mitnehmen. Darauf folgten zwei überragende Siege gegen Listrup und Leschede. Die Mannschaft zeigte, was in ihr steckt, und dass sich die Emslandliga über einen starken Aufsteiger freuen darf. Der weitere Verlauf war ambivalent: schwächere Auftritte wie in Twist und Surwold wechselten sich ab mit deutlich besseren, disziplinierteren Leistungen – etwa dem Heimsieg gegen den Spitzenreiter Bokeloh oder dem Auswärtssieg bei einer spielstarken Zweitvertretung aus Papenburg. Zusammenfassend können wir sagen, dass wir mit dem Ligastart nach elf Spielen zufrieden sind. Wir wissen, woher wir kommen, und können das real einschätzen. Natürlich wären hier und da mehr Punkte möglich gewesen, doch auch glückliche Punktgewinne gehörten dazu.

FuPa: Nach dem historischen Aufstieg in die Emslandliga war klar, dass es eine Herausforderung wird. Was läuft bislang gut und wo seht ihr noch Luft nach oben?
Julian/Michael: Absolut! Der gesamten Mannschaft war klar, dass die Emslandliga eine große Herausforderung darstellt – zugleich aber auch eine einzigartige Chance, in dieser Liga zu spielen. Ehrlich gesagt haben wir uns erst ziemlich spät in der vergangenen Saison mit diesem Thema beschäftigt. In der Woche vor dem Wesuwe-Spiel haben wir uns mit der gesamten Mannschaft und dem Sportvorstand zusammengesetzt, um über einen möglichen Aufstieg und die damit verbundenen Risiken zu sprechen. Die Mannschaft sprach sich einstimmig für einen möglichen Aufstieg aus und wollte sich der Herausforderung stellen. Wir waren in diesem Gespräch sehr kritisch und ehrlich zueinander und haben ein Worst-Case-Szenario durchgesprochen. Wie bereits erwähnt, wissen wir genau, woher wir kommen und wer wir sind. Daher haben wir offen besprochen, dass im Verlauf der Saison eine Negativserie auftreten kann und wir in solchen Situationen eng und geschlossen zusammenstellen müssen. Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet und begegnen der aktuellen Lage wirklich gut. Es ist daher schwer zu beurteilen, was gut beziehungsweise weniger gut läuft. Wir sind als Mannschaft gereift und haben uns entwickelt. Vor der Saison haben wir uns vorgenommen, uns in den „talentfreien“ Bereichen wie Laufbereitschaft, Einsatzbereitschaft, Geschlossenheit, Widerstandsfähigkeit, Disziplin usw. zu verbessern und diese Tugenden in den Wettkampf zu tragen. Das klappt bereits gut, ist aber definitiv noch ausbaufähig. Darüber hinaus haben wir unsere Schwerpunkte auf das Umschaltspiel und das Gegenpressing gelegt. Diese beiden Bereiche konnten wir bisher gut entwickeln und vorantreiben. Wir müssen den Spielern Woche für Woche vermitteln, dass das „nächste Spiel“ eine große Herausforderung ist und wir das Maximum herausholen müssen, um etwas Zählbares mitzunehmen.
FuPa: Wie hat die Mannschaft das 0:12 gegen den SV Surwold verdaut? War das ein Weckruf oder eher ein einmaliger Ausrutscher?
Julian/Michael: Puh, der 02.10.2025 wird vermutlich vielen Fußballern, Zuschauern und besonders den Jungs vom SV Eltern und dem SV Surwold noch lange in Erinnerung bleiben. Für uns als Trainerteam war es eine große Überraschung und definitiv nicht vorhersehbar. Wir hatten uns wie gewohnt intensiv auf den Gegner vorbereitet und kannten dessen Stärken und Schwächen. Zudem verbindet Michael mit Marco der gemeinsame Trainerlehrgang, der im Vorfeld sicherlich für zusätzliche Motivation gesorgt hat. Um ehrlich zu sein kamen wir gar nicht so schlecht ins Spiel und hatten sowohl vor dem 0:1 als auch nach dem Rückstand mehrfach gute Gelegenheiten zum Torerfolg. Diese konnten wir jedoch nicht nutzen. In der Halbzeit haben wir die Köpfe nochmals zusammengesteckt und die klare Zielsetzung formuliert, das Spiel sauber zu Ende zu bringen. Leider wurden wir dann überrollt und erlebten eine historische Niederlage. In diesem Spiel haben wir alles vermissen lassen und hatten einen rabenschwarzen Tag. Direkt im Anschluss haben wir die Mannschaft zusammengerufen; nach einigen deutlichen, ehrlichen Worten richteten wir den Blick wieder nach vorne. Allen war klar, dass diese Niederlage „peinlich“ war und wir sie im nächsten Spiel wieder gutmachen wollen. Wichtig ist, dass wir nach dieser Niederlage geschlossen als Team zusammenstanden und den Fokus nach vorne gerichtet haben. Die Kritik von den Zuschauern aus Surwold oder Eltern- /Fankreisen) „SV Eltern ist der Liga nicht gewachsen“, oder „Wie konnte Eltern bisher überhaupt einen Punkt holen?“ ignorieren wir als Trainerteam bewusst. In dieser Saison haben wir bereits überzeugende Spiele gezeigt und Topfavoriten wie Bokeloh und Listrup geärgert. Wir dürfen als SV Eltern in der Emslandliga spielen und sehen das als großes Privileg. Abschließend lässt sich festhalten: Nach dem Surwold-Spiel zeigte die Mannschaft eine starke Reaktion. Aktuell ist der Kader dünn, einige Leistungsträger fehlen, und auch im Spiel gegen Bawinkel (Spiel eins nach Surwold) mussten wir auf wichtige Spieler verzichten. Während des Spiels gab es zudem zwei weitere Verletzungen. Dennoch haben wir Moral gezeigt und am Ende einen verdienten Punkt mitgenommen. Der Blick geht klar nach vorne.
FuPa: Drei Spiele ohne Sieg, wie groß ist aktuell der Druck auf das Team?
Julian/Michael: Wir spüren absolut keinen Druck. Warum auch? Wir sind neu in der Liga und zeigen bisher gute Leistungen. Wir sind zufrieden. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist weiterhin überragend. Kürzlich fand am vergangenen Samstag ein Mannschaftsabend imGriechischen Restaurant (Hellas) in Fürstenau statt, an dem nahezu die gesamte Mannschaft teilgenommen hat.

Zum kommenden Derby gegen den Haselünner SV:
FuPa: Am Sonntag steht das Derby gegen den Haselünner SV an, was bedeutet dieses Spiel für euch und die Mannschaft?
Julian/Michael: Direkt nach dem letzten Spiel richtete sich der Blick auf den kommenden Sonntag und das Derby gegen den HSV. Die Vorfreude in der Mannschaft ist riesig. Es ist das erste Aufeinandertreffen der beiden Vereine in einem Ligaspiel. 2017 gab es ein Duell im Kreispokal, das der HSV mit 3:1 für sich entscheiden konnte. Wenn man bedenkt, dass der SV Eltern 2021 noch in der 2. Kreisklasse spielte und der HSV in der Emslandliga aktiv war, ist der Weg unserer Mannschaft einfach überragend. Die Jungs haben sich dieses Spiel absolut verdient, und alle brennen seit Saisonbeginn darauf. Viele Spieler der Mannschaft haben direkte Verbindungen zum Haselünner SV. Einige haben bereits ihre Schuhe für den Haselünner SV geschnürt. Auch für uns als Trainerteam ist das Spiel natürlich eine besondere Herausforderung und ein Highlight. Der Haselünner SV ist Julians Heimatverein – zudem hat er über mehrere Jahre mit einigen Jungs vom HSV zusammengespielt. Auch Michael wohnt mittlerweile in Haselünne und hat dadurch einen Bezug. Leider kann Michael aufgrund eines Familienurlaubs nicht am Spieltag vor Ort sein; er wird uns sowohl auf als auch neben dem Platz fehlen.
FuPa: Der Gegner hat sich zuletzt vom Trainer getrennt. Rechnet ihr mit einer besonderen Reaktion oder einem „Trainer-Effekt“ beim Haselünner SV?
Julian/Michael: So läuft leider das Tagesgeschäft im Fußball. Wahrscheinlich hat sich der Haselünner SV auf eine ruhige Saison eingestellt, mit dem klaren Ziel, oben anzugreifen und um den Aufstieg mitzuspielen. Wir rechnen natürlich mit einer Reaktion des Gegners, wobei festzuhalten ist, dass der HSV bereits in der vergangenen Woche unter der Leitung eines neuen Trainers gegen Rütenbrock gespielt hat. Sicherlich werden hier und da auch nochmal an der Aufstellung Veränderungen vorgenommen, sodass nicht eindeutig gesagt werden kann, in welchem System und mit welchem Profil sie starten werden. Letztendlich lässt sich aber festhalten, dass ein Derby seine eigenen Gesetze hat und dass im Derby weniger Statistiken oder aktuelle Formkurven maßgeblich sind. Am Sonntag entscheidet einzig die Tagesform, die Einstellung und Bereitschaft. Wir brennen darauf und werden alles reinwerfen. Letztendlich wollen wir jederzeit selbst darüber entscheiden, ob wir ein Spiel erfolgreich bestreiten.
FuPa: Was muss euer Team besser machen, damit es diesmal mit einem Sieg klappt?
Julian/Michael: In dieser Trainingswoche sind wir äußerst fokussiert unterwegs. Bereits am Dienstag haben wir hoch konzentriert und zielgerichtet gearbeitet und das ein oder andere Wettkampfspiele eingebaut. Die Spiele sollen den Siegeswillen und die Mentalität weiter stärken. Wir haben eine hochkonzentrierte Mannschaft gesehen. Am Freitag steht das Abschlusstraining an, bei dem wir sicherlich nochmals den letzten Feinschliff setzen können. Das Abschlusstraining ist klar strukturiert und folgt festen Ritualen, die wir beibehalten werden. Von unserer Mannschaft und unserer Qualität sind wir absolut überzeugt, und auch in den letzten Wochen haben wir immer wieder tolle Leistungen gezeigt. Wir lassen uns von den jüngsten Ergebnissen nicht aus der Ruhe bringen.
FuPa: Auf was können sich die Fans am Sonntag freuen, was für ein Spiel dürfen sie erwarten?
Julian/Michael: Am Sonntag können sich Fans und Zuschauer auf ein hochemotionales Derby freuen, das von intensiven Zweikämpfen, hohem Tempo und offenem Visier geprägt sein wird. Wir setzen darauf, das Spiel aktiv zu gestalten, unsere Grundordnung stabil zu halten und mit einer klaren Spielidee ins Derby zu gehen, um die drei Punkte in Eltern zu behalten. Zudem wird ein ehemaliger bekannter Elternspieler bzw. Anhänger vor Ort sein und das Spiel als Stadionsprecher moderieren und unterstützen. Er ist sonst als Stadionsprecher von Sparta Werlte in der Bezirksliga aktiv. Wir freuen uns auf das Wiedersehen und diese tolle Aktion.
FuPa: Welche Rolle spielt die Unterstützung der Eltern-Fans in so einem Derby?
Julian/Michael: Wir heißen jeden Besucher, Fußballfan oder Neugierigen beider Fanlager herzlich willkommen und setzen auf eine atmosphärische, faire Stimmung sowie hoffentlich viele Zuschauer. Dieses Derby bietet uns eine einmalige Chance: 2017 trafen der SV Eltern und der Haselünner SV erstmals im Pokal aufeinander; nun findet das Match erstmals im Liga-Betrieb statt. Wir wünschen uns einen respektvollen Umgang untereinander, auch in emotionalen Momenten auf dem Platz. Mit der Unterstützung unserer Fans streben wir den ersten Derbysieg an und hoffen, das Spiel positiv für uns zu entscheiden.
FuPa: Wenn ihr einen Wunsch für den Rest der Hinrunde frei hättet, wie würde der aussehen?
Julian/Michael: Dass unsere Spieler gesund und verletzungsfrei bleiben, ist unser großer Wunsch. Aktuell plagen uns jedoch große personelle Sorgen, und wir starten jede Woche mit einem veränderten Kader in die Trainingswoche. Auch an den Spieltagen müssen wir Woche für Woche notgedrungen Veränderungen in der Aufstellung vornehmen. In der jüngsten Woche kam es darüber hinaus zu einer tragischen Verletzung von Michael Schäfer (40 Jahre), der sich im Spiel gegen den SV Teglingen voraussichtlich einen Kreuzbandriss zugezogen hat. An dieser Stelle wünschen wir Michael von der gesamten Mannschaft eine gute Genesung und nur das Beste. Michael hat uns in den letzten Jahren immer wieder unterstützt und hat am vergangenen Freitag sein erstes Spiel in der Emslandliga bestritten. Leider in diesem tragischen Kontext. Vielen Dank, lieber Michael, für deinen unermüdlichen Einsatz für den SV Eltern.
Vielen Dank, Michael und Julian, für eure Zeit und die offenen Worte. Wir wünsche euch und dem SV Eltern viel Erfolg für die Saison und ein interessante Derby am Sonntag.
