2025-12-03T05:51:34.672Z

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Jessica Wissmann ist beim Frauenfußball-Bundesligisten SGS Essen zur Cheftrainerin aufgestiegen.	Foto: IMAGO/Beautiful Sports
Jessica Wissmann ist beim Frauenfußball-Bundesligisten SGS Essen zur Cheftrainerin aufgestiegen. Foto: IMAGO/Beautiful Sports

Trainerdebüt in der Bundesliga

Jessica Wissmann löst bei der SGS Essen den Chefcoach ab – zumindest vorläufig

Alzey/Essen. Wenn es eines Beweises bedürfte, dass das Leben die tollsten Geschichten schreibt, dann den: Jessica Wissmann, vor knapp zwei Monaten als Cotrainerin in den Profifußball gewechselt, steht inzwischen in verantwortlicher Position an der Linie: „Wenn Du mir das damals prognostiziert hättest, ich hätte Dich für verrückt erklärt“, sagt die 34 Jahre alte Fußball-Enthusiastin aus Alzey.

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Doch zwischenzeitlich überschlugen sich die Ereignisse. Die SGS Essen, die Jessica Wissmann Ende August als Cotrainerin von Coach Robert Augustin holte, erwischte in der Bundesliga einen eklatanten Fehlstart. Ein Punkt aus fünf Partien – der Vorstand sah sich veranlasst, sich vom Trainer zu trennen – und vom Sportdirektor Thomas Gerstner gleich mit.

Der Mannschaft verpflichtet

Die Entscheidung fiel offensichtlich so ad hoc, dass die Nachfolge ungeklärt war. Stattdessen konsultierte der Vorstand noch in der Nacht dieser Sitzung Jessica Wissmann mit der Frage, ob sie interimsmäßig einspringen könne. „Dass man dieses Anliegen an mich heranträgt, überraschte mich“, sagt Beamtin. Für die Antwort brauchte sie trotzdem keine Bedenkzeit mehr.

Sie empfand neben der Freude über die Offerte eine innere Verbundenheit: „Ich hätte diese Mannschaft nie im Stich lassen können“. Obwohl sich Wissmann, das übrige Trainerteam und die Spielerinnen erst wenige Wochen kannten, bildeten sie schon eine verschworene Gemeinschaft.

Freitag vergangener Woche debütierte Jessica Wissmann als verantwortliche Bundesliga-Trainerin an der Linie. Gegner war RB Leipzig. Zwar verlor sie, doch die Kritiker erkannten einen Quantensprung zum Besseren. Jessica Wissmann indes lobte, wie hart das Team im Vorfeld unter ihrer Leitung und den Assistenten gearbeitet hatte. „Schade nur, dass es dafür nicht belohnt wurde.“ Doch was noch nicht ist, kann noch werden.

Professionell wirkt sie bei diesen Worten. So wie jeder andere gestandene Trainer und Trainerin. Die bodenständige Alzeyerin räumt auf Nachfrage aber ein, dass dieser Karrieresprung nicht spurlos an einem vorübergeht: „Man ist als Trainerin ganz anders angespannt, als als Cotrainerin. Du bist es, die die Entscheidungen trifft, die über den Ausgang des Spiels entscheiden.“

Nur eine Zwischenlösung

Und die im Fokus überregionaler Medien steht. Damit muss man umgehen können. Für Jessica Wissmann dürfte das bis auf Weiteres eine temporäre Erfahrung bleiben. Ihr fehlt die erforderliche Lizenz, Fußball-Lehrer, um die Cheftrainerinnen-Position dauerhaft zu besetzen. Die SGS Essen muss daher nach einer Alternative suchen. Gegen die TSG Hoffenheim am Freitag steht die frühere Spielertrainerin des ersten deutschen Frauenfußball-Meisters, TuS Wörrstadt, aber mit Sicherheit noch in der Verantwortung.

Die Trainerkarriere von Jessica Wissmann startete bei TuS Wörrstadt. Später wechselte sie in die Jugendabteilung des 1. FC Kaiserslautern und betreute als Cotrainerin die Bundesliga-A-Junioren des Zweitligisten mit. Im August nahm sie das Co-Trainer-Angebot der Frauenbundesligisten SGS Essen an, wo sie sich auf Anhieb wohlfühlte. „Hier ist es genauso familiär wie beim 1. FC Kaiserslautern“, kommentierte sie. In ihrer aktiven Zeit spielte sie in der Südwestauswahl.

Aufrufe: 014.10.2025, 17:00 Uhr
Claus RosenbergAutor