
Hertha BSC – SG Blau-Weiß Hohenschönhausen 2:4
11.Spieltag 7er Altliga Ü40 Kreisliga A Staffel 3 Saison 2025/2026
Sonntag, 29.03.2026 11:00 Uhr
Sportplatz Nordufer
6 Zuschauer
Der Keeper ist zu weit draußen, weil es ein Missverständnis mit dem Abwehrspieler gegeben hat. Der Ball rollt genau vor meine Füße – alles ist schwarz – die Pille flitscht von meinem Fuß über den Torwart und den Abwehrspieler, der auf die Linie geeilt war, um zu retten, genau unter die Latte – Tor.
Etwas später kommt der Ball von der Mitte zu mir auf der rechten Außenbahn – alles ist schwarz – wie ein Strahl schießt das Spielgerät in einem leichten Bogen ins lange Eck. „Das ist ja besser als Sex“, brüllt einer meiner Mitspieler über den Platz.
Leider muss man sagen, waren das alles „nur“ Tore in einem Trainingskick.
Aber so ist das, seit ich wieder mit dem Fußballspielen angefangen habe.
Ich weiß nicht, wie man einen Ball schießt.
Keine Ahnung.
Wusste ich noch nie.
Immer, wenn ich den Ball auf die Reise schicken will, wird es kurz dunkel, und wenn ich wieder alles sehen kann, fliegt die Kugel schon.
Manchmal sehe ich, wie ich den Ball schieße. Aber dann verziehe ich das Ding komplett, und anschließend muss ich das Leder im Dickicht neben dem Platz suchen.
Ich nenne das: meinen Torschuss-Blackout.
Szenenwechsel: Schlafzimmer, der Kuttenkönig auf halb acht in der Koje, und der Wecker bimmelt. Völlig verstrahlt kneife ich die Augen zusammen, um auf dem Display den Grund für die Störung zu erkennen.
Als Weckton habe ich anscheinend „Ha Ho He“ angegeben, denn das steht nun auf dem vibrierenden Display.
Dann fällt es mir wieder ein: Wir haben Heimspiel.
Beschwingt wie ein junger Gott (ist Buddha ein Gott?) schwinge ich mich aus den Federn, donner mir zwei Brötchen rein, spüle sie mit Kaffee runter, schnappe mir meine Sport- und meine Hobby-Joby-Tasche und flitze zum Auto.
Auf dem Weg zum Nordufer quält mich eine Mischung aus Fahrern, die offenbar mit Restblut im Alkohol nach Hause kommen wollen, und Dinkel-Dörtes, die auf dem Weg zu Berlins Flohmärkten sind, um ihre selbst gehäkelten Aschenbecheruntersetzer zu verkaufen.
Angekommen, schnell ins Trikot gepresst, und dann ging es zum Warmlaufen und Technikaufbau auf den Platz.
Dabei registrierte ich, dass sich die Hertha-Spieler in drei bis vier verschiedenen Outfits warm machten, eine Jacke sogar noch mit DB-Logo.
Unsere Gäste waren dagegen einheitlich gekleidet. Allerdings hatte ich vor Kurzem noch ein vielversprechendes Gespräch mit dem Vorstand und bleibe vorsichtig optimistisch, dass bald alle Hertha-Mannschaften gut ausgerüstet sind.
Das Spiel heute gegen die SG Blau-Weiß Hohenschönhausen war eines dieser klassischen Sechs-Punkte-Spiele. Die Hohenschönhausener lauerten einen Punkt hinter Hertha, doch die alte Dame startete gut und ging schon nach fünf Minuten in Führung.
Anschließend wurden einige gute Möglichkeiten liegen gelassen, um das Ergebnis weiter auszubauen.
Was dann geschah, ist rational eigentlich nicht zu erklären: ein unglückliches Eigentor und ein Doppelschlag eines Stürmers der SG – und plötzlich lagen wir 1:3 hinten.
Eine Minute nach dem 1:3 und zwei Minuten vor der Pause setzte dann mein Torschuss-Blackout ein … gut, dass die Kameras liefen. Daher konnte ich rekonstruieren, was passiert war, und kann es hier wiedergeben:
Nach einem verunglückten Befreiungsschlag landete der Ball genau auf meinem rechten Töppen. Frei vor dem Tor wollte ich den Ball schön in die obere lange Ecke schlenzen. Mit komplett sicherem Auftreten bei absoluter Unfähigkeit – wie zuletzt Michi Preetz im Hertha-Dress – traf ich die Pille komplett falsch, und sie trudelte ins untere kurze Eck. Und eigentlich auch nur, weil der Keeper mit dem Schlenzer nach oben gerechnet hatte und bereits auf dem Weg dorthin war.
Tja, Freunde, was soll ich sagen? Ich habe ein Tor für Hertha BSC geschossen.
Was für ein irres Gefühl, und voller Stolz bekam die Fahne auf dem Trikot einen Kuss. Aber es war „nur“ der Anschlusstreffer.
Dann war auch erst mal Pause, und voller Tatendrang gingen wir in die zweite Halbzeit. Trotz aller Bemühungen gelang der Ausgleich aber nicht mehr. Stattdessen luden uns die Hohenschönhausener noch einen ein, und am Ende stand eine bittere 2:4-Niederlage.
Auf der Leistung können wir aber aufbauen, und mein nächster Treffer ist dann vielleicht mal ein viel umjubelter Siegtreffer.
Bis dahin ein fettes:
Ha Ho He Hertha BSC … 7er Ü40
der Kuttenkönig