
Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt: Beim 16:0-Heimsieg des SV Viktoria Potsdam in der Landesliga Nord gegen den Angermünder FC erzielte Tom Nattermann unglaubliche neun Treffer. Der 32-Jährige führte sein Team damit nicht nur zum höchsten Saisonsieg, sondern wurde folgerichtig zum FuPa-Spieler der Woche in Brandenburg gekürt.
„Nein, das kam unerwartet. Nichtsdestotrotz freue ich mich über die Auszeichnung, es ist schon etwas Besonderes“, sagt Tom Nattermann. Nach einigen Stationen im Profi- und Amateurfußball genießt er solche Momente mit spürbarer Dankbarkeit – und mit einer Bodenständigkeit, die ihn auszeichnet.
Der Kantersieg gegen Angermünde war eine Demonstration. „Unsere erste Torchance war direkt drin und damit haben wir viel Sicherheit gewonnen“, erklärt Nattermann. „Unsere Qualität als Mannschaft ist unbestritten, was mich aber besonders beeindruckt, ist, dass wir nicht nachgelassen haben, auf jedes einzelne Tor hungrig waren und unbedingt ohne Gegentor bleiben wollten.“ Worte, die zeigen: Hier ging es nicht um Schadenfreude, sondern um Spielfreude und Teamgeist.
Auf die Frage, wie er seine Tore am liebsten erzielt, bleibt Tom Nattermann pragmatisch: „Ich bin Stürmer – Tor ist Tor, mir ist es egal, wie er hinter die Linie gekommen ist.“ Neunmal fand der Ball im Landesliga-Heimspiel gegen den Angermünder FC seinen Weg ins Netz – und jedes einzelne Tor war für ihn Ausdruck des kollektiven Willens der Mannschaft.
Für Tom Nattermann ist der SV Viktoria Potsdam längst mehr als nur eine Station. „Man merkt, dass wir alle pure Lust darauf haben, Fußball zu spielen, und die Konstellation aus Freundschaft, Qualität und dem gewissen Ehrgeiz zeichnet uns und den Verein aus“, sagt er. „Hier brennen alle darauf, dass wir als Verein vorankommen. Die Schönheit der Landeshauptstadt tut ihr Übriges dazu.“ In Potsdam hat er sportlich wie menschlich eine neue Heimat gefunden.
Wenn Tom Nattermann über Vorbilder spricht, kommt der Name fast ehrfürchtig: „Ich wähle mein Vorbild aus Jugendtagen – Ruud van Nistelrooy. Die Laufwege, der erste Kontakt, der Instinkt in der Box – einfach phänomenal.“ Ein Stürmer, der das Toreschießen zur Kunstform erhob – und ein Vorbild, das seine eigene Spielweise prägte.
So sehr er das Tore-Schießen liebt, sieht Tom Nattermann seine Position auch mit einem Augenzwinkern: „An Tagen wie gegen Angermünde ist man natürlich gern Stürmer, aber manchmal verfluche ich es. Man hat teilweise so selten dieses runde Leder, das, wofür man eigentlich mal angefangen hat, Fußball zu spielen. Ich wäre lieber 6er oder Außenverteidiger und hätte mehr Ballaktionen. Aber das kommt dann im zweiten Leben.“ Eine ehrliche Reflexion eines Spielers, der den Fußball in all seinen Facetten versteht.
Mit dem SV Viktoria Potsdam steht Nattermann derzeit auf Platz eins der Landesliga Nord. Das Ziel ist klar formuliert: „Unser Ziel ist der Aufstieg. Es wird immer wieder Rückschläge geben in einem Fußballjahr, aber wir sind gut genug für Platz eins.“ Der Ton ist entschlossen, aber nie überheblich – typisch für einen Spieler, der weiß, was es heißt, um Erfolge zu kämpfen.
Nach Jahren im Profifußball – unter anderem beim FC Erzgebirge Aue, FC Energie Cottbus, FC Carl Zeiss Jena, 1. FC Lok Leipzig, RB Leipzig und SV Babelsberg 03 – hat Tom Nattermann vieles gesehen. Heute nutzt er diese Erfahrung: „Mit 32 denke ich eher kurzfristig. Solange ich mich gut fühle, will ich am Ball bleiben und zocken. Wenn ich aus meiner Laufbahn, die mit vielen schönen Momenten, aber auch vielen Rückschlägen einhergeht, etwas mitnehmen kann, dann, dass Tore, Siege und Aufstiege nicht selbstverständlich sind. Ich bin noch lange nicht satt.“
Abseits des Rasens widmet sich Tom Nattermann seinen zwei Hunden – und einer weiteren Leidenschaft: American Football. „Meine zwei Hunde und natürlich Football. Mit zwei Kumpels geht’s bald zu unseren Steelers nach Pittsburgh“, erzählt er. Außerdem hat er mit einigen Teamkollegen eine neue sportliche Herausforderung gefunden: „Ein paar Teamkollegen und ich haben Padel-Tennis für uns entdeckt.“
Neben dem Fußball verfolgt Tom Nattermann eine zweite Leidenschaft: die Arbeit mit Kindern. „Ich bin im dritten Ausbildungsjahr zur pädagogischen Fachkraft. Neben meiner schulischen Ausbildung bei der ASG in Potsdam arbeite ich in einem Hort des Landessportbundes in Potsdam.“ Ein Lebensweg, der zeigt, dass er nicht nur auf dem Platz Verantwortung übernimmt.
Tom Nattermann steht für Leidenschaft, Erfahrung und einen ungebrochenen Willen. Neun Tore in einem Spiel sind außergewöhnlich – doch es sind seine Worte, die zeigen, warum er zum FuPa-Spieler der Woche gewählt wurde: Demut, Freude und Liebe zum Fußball. In Potsdam hat er seinen Platz gefunden – auf dem Spielfeld, in der Mannschaft und im Herzen des Vereins.