
SC St. Tönis – VfB 03 Hilden. In der Oberliga steht der finale Spieltag der Saison 2025/26 an – und damit die Entscheidung, ob die Fußballer des VfB 03 ihre Spitzenposition behaupten können oder sie im Endspurt wieder an Verfolger Ratingen 04/19 abgeben müssen. Die Ausgangslage ist einfach zu beschreiben: Gewinnen die Hildener die Partie in St. Tönis, dann steigen sie in die Regionalliga auf. Ein Unentschieden hilft im Titelkampf nur weiter, wenn auch die Ratinger in der Begegnung beim 1. FC Monheim nicht über ein Remis hinauskommen. Sollten die Hildener gar verlieren, muss auch der Lokalrivale 04/19 eine Niederlage kassieren, damit sich der Traum des VfB 03 vom Sprung in die 4. Liga verwirklicht.
Auf dem Papier ist die Rechnung also klar, letztlich aber wird sie kompliziert, weil auch der jeweilige Gegner eine nicht unwichtige Rolle spielt. Fangen wir bei den Ratingern an. Die bekommen es zum Abschluss mit einer absolut undankbaren Aufgabe zu tun, denn Gastgeber 1. FC Monheim rannte am vergangenen Sonntag vergeblich beim VfB 03 an, um mit einem Sieg die letzten Zweifel am Klassenerhalt zu zerstreuen. Weil das Unterfangen nicht gelang, steht die Mannschaft von Dennis Ruess weiter unter Druck. Sie hat den Verbleib in der Oberliga in eigener Hand – wenn sie alle drei Punkte gegen den Titelkandidaten 04/19 einfährt.
Für die Hildener scheint die Aufgabe beim SC St. Tönis etwas leichter, denn die Gastgeber stehen im Niemandsland der Tabelle und hatten ihren Saisonhöhepunkt zweifellos mit dem Niederrheinpokalfinale beim Drittligisten MSV Duisburg. Das ging zwar nicht unerwartet verloren, aber an diesem Samstag fiebert die Mannschaft von St. Tönis der Auslosung der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal entgegen: Welchen Gegner aus dem Profi-Bereich wird Schiedsrichter Deniz Aytekin als Losfee dem SC zulosen? Da wirkt der letzte Oberliga-Spieltag für den Tabellenfünften eher wie eine Randerscheinung. Doch wer das glaubt, begibt sich auf gefährliches Eis.
Mit Blick auf die beiden bisherigen Partien gegen St. Tönis sind die Hildener gewarnt. Im Viertelfinale des Niederrheinpokals zogen sie mit 3:4 den Kürzeren, drei Wochen später unterlagen sie in der Meisterschaft auf eigenem Platz mit 0:1. „Beide Male sind bei uns wichtige Stammkräfte ausgefallen“, relativiert Tim Schneider. Der Chefcoach des VfB 03 hat die Ergebnisse längst abgehakt und gibt sich vor dem dritten Vergleich kämpferisch: „Wir wollen den Aufstieg jetzt klar machen.“ Zumal das Selbstvertrauen seiner Mannschaft mit dem Last-Minute-Erfolg über den 1. FC Monheim noch einmal enorm gewachsen ist. „Das sind Fußball-Krimis, die man nicht besser schreiben kann. Das hat viele Emotionen freigesetzt, die auch am Dienstag noch spürbar waren. Diese Welle hat uns durch die ganze Woche getragen. Der Sieg in der Nachspielzeit hat gut getan – das Gefühl wollen wir jetzt in den Sonntag reintragen“, erklärt Schneider.
Für den 44-Jährigen ist es wohl die letzte Begegnung als Chefcoach des VfB 03 – falls es nicht noch zu möglichen Relegationsspielen kommt. Ungeachtet der Bedeutung im Titelkampf geht Schneider gelassen in die Partie. „Ich bin da relativ entspannt, weil ich diese Situation schon öfter erlebt habe. Ich weiß, was passieren wird“, sagt er. Wie 2003, als er in der ersten Mannschaft des VfB 03 spielte. „Da brauchten wir gegen den TuS Neviges einen Sieg. Ich habe das 1:0 geschossen und das 2:2 vorbereitet“, erinnert er sich. Das Remis reichte den Hildenern nicht zum Aufstieg in die Landesliga – den machten die Nevigeser klar. Auch die 1:2-Niederlage mit der VfB 03-Zweiten im Relegationsspiel bei BW Dingden vor rund 1000 Zuschauern um den Aufstieg in die Landesliga blieb ebenfalls haften. Und natürlich der Aufstieg 2019 als Trainer, als die Hildener Reserve als Tabellenzweiter den Sprung in die Landesliga schaffte.
Im persönlichen Rückblick vergisst Tim Schneider aber auch nicht jene schwere Verletzung, als er viele Wochen wegen eines Mittelfußbruchs ausfiel, deshalb nur wenig zum Aufstieg 2004 in die Landesliga beitragen konnte. Seine aktive Karriere beendete er 2006 – ein Jahr zuvor gelang mit der ersten Mannschaft noch der Aufstieg in die Verbandsliga.
Bilder, die Tim Schneider in diesen Wochen noch einmal Revue passieren lässt. Mit sieben Jahren startete er in der F-Jugend des VfB 03, trug 17 Jahre das Hildener Trikot. Später folgten neun Jahre als Trainer – drei als Reservecoach und die letzten Jahre als Cheftrainer des Oberliga-Teams. Zwei Vizemeisterschaften stehen bereits auf seinem Konto. Wenn am Sonntag alles gut läuft, kommt noch der Regionalliga-Aufstieg dazu. In jedem Fall gilt Tim Schneider als eingefleischter VfBer, der nun die Früchte seiner engagierten und akribischen Arbeit als Trainer ernten möchte. Gerade der 44-Jährige weiß, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Absturz ist, doch er baut auf den Teamgeist der Hildener Truppe, die in den vergangenen Wochen schon viele Berge versetzt hat. Selbst der Ausfall des gelbgesperrten Len Heinson treibt deshalb keine Schweißperlen auf die Stirn des B-Lizenz-Inhabers. „Simon Metz hat vorbildlich trainiert. Das ist einer, der sich immer reinhaut und das am Sonntag rocken wird“, betont er.