
Es war das Highlight dieser Pokalrunde – und es hielt, was es versprach. Vor 7.012 Zuschauern im Südstadion bezwang Fortuna Köln den Drittligisten Alemannia Aachen im Viertelfinale des Mittelrheinpokals mit 1:0 und zog ins Halbfinale ein.
Der Spielverlauf sprach zunächst nicht für die Gastgeber. Aachen begann druckvoll, presste hoch und zwang die Fortuna immer wieder zu Fehlern. „Wir hätten in der ersten Halbzeit zurückliegen können. Aachen hatte ein sehr gutes Pressing. Es ist uns nicht gelungen, Rhythmus aufzubauen“, analysierte Fortuna-Trainer Matthias Mink auf der Vereinshomepage.
Tatsächlich hatten die Gäste die klareren Möglichkeiten. Niklas Castelle setzte den Ball vier Minuten vor der Pause an die Latte, Omar Sillah scheiterte mehrfach am stark reagierenden Lennart Winkler. Besonders in der 44. Minute bewahrte der Fortuna-Keeper sein Team vor dem Rückstand, als er einen Flachschuss von Sillah blitzschnell parierte.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb Aachen gefährlich. In der 54. Minute hatte Sasa Strujic nach einer Kombination freie Bahn im Strafraum – erneut war Winkler zur Stelle. Mink wusste, was sein Team aushalten musste: „Wir wollten weiterkommen, das war das Ziel. Wir können gut verteidigen, und wir sind effektiv. Wir können besser Fußball spielen, aber das ist egal, das interessiert nicht. Letztlich sind wir im Halbfinale.“
Dann kam die Szene des Abends. Ein langer Ball von Maximilian Fischer, eigentlich unspektakulär. Doch Nico Thier war plötzlich frei durch, blieb eiskalt und traf in der 57. Minute zur Führung in die kurze Ecke. Es war die erste echte Chance der Fortuna – und sie saß. Das Südstadion explodierte.
Aachen warf in der Folge alles nach vorne. Bentley Baxter Bahn prüfte Winkler mit einem strammen Distanzschuss, in der Nachspielzeit verlängerte Lamar Yarbrough eine Hereingabe an den Pfosten. Doch das Glück war an diesem Abend auf Seiten der Gastgeber.
„Normalerweise dürfen wir dieses Spiel nicht verlieren. Es kommt ein langer Ball und der erste Torschuss ist drin. Ich kann der Mannschaft nichts vorwerfen. Wir waren zielstrebig und engagiert, wir hatten aber kein Glück. Das ist sehr bitter für uns“, sagte Alemannia-Trainer Mersad Selimbegovic gegenüber Vereinsmedien unmittelbar nach dem Abpfiff und ergänzte: „Es gibt Spiele, die man nur schwer erklären kann – dies ist eines davon. Normalerweise dürfen wir dieses Spiel nicht verlieren. Bereits zur Halbzeit müssen wir klar führen. Nach einem langen Ball verschätzen wir uns dann, Köln kommt zu seinem ersten Torschuss und der war direkt drinnen.“

Selimbegovic verwies auf weitere Aluminiumtreffer und verpasste Chancen: „Wir haben danach nochmal das Lattenkreuz und den Pfosten getroffen. Wir hatten viele Situationen, in denen wir das Tor hätten machen können. Das haben wir aber nicht geschafft. Ich kann der Mannschaft aber nichts vorwerfen. Wir waren von der ersten Sekunde an da und sehr zielstrebig. Auch unsere Restverteidigung war sehr gut, was gar nicht so einfach ist, wenn der Gegner so tief steht, wir haben aber fast alle Konter verhindert. Es ist sehr bitter für uns, aber morgen geht es schon weiter. Am Sonntag holen wir uns das Glück dann hoffentlich wieder zurück.“
Fortuna hingegen feierte den leidenschaftlichen Arbeitssieg. Torschütze Thier zeigte sich gegenüber Vereinsmedien erleichtert: „Das war ein hartes Stück Arbeit. Ich bin erleichtert und glücklich. Aachen hatte ein paar sehr gute Chancen. Der Gegner war ein guter, formstarker Drittligist. Uns war bewusst, dass wir leiden müssen. Unser Torwart hat zwei, drei Dinger überragend gehalten. Vorne müssen wir effektiv sein, das war heute der Fall. Wir wollen ins Finale, wir nehmen in der nächsten Runde, was kommt.“
Die Fortuna war an diesem Abend nicht die spielerisch bessere Mannschaft – aber die effizientere. Mit Leidenschaft, Disziplin und einem starken Schlussmann zwang sie den Drittligisten in die Knie.