Chantal Hoppe
Chantal Hoppe – Foto: Privat

„Wie es bei vielen Personen so ist: Von TeBe kommt man nicht los“

Chantal Hoppe erklärt ihre erneute Rückkehr zu Tennis Borussia und die Schwierigkeiten erneut eine Frauenabteilung aufzubauen. Auch von Ihrer persönlichen Erfahrung auf dem Spielfeld spricht Sie.

Ein Interview von Marcel Peters - https://www.facebook.com/AmateurberichterstattungMarcelPeters/ - regelmäßig Berichte über Berliner und Brandenburger Amateurfußballer oder Vereine. Gesprächspartnerin: Chantal Hoppe

Chantal, zwischen Lockdown und Aufbau / Festigung einer Mädchen- bzw. Frauenabteilung. Wie sehr nervt die Situation und welche Aufgaben fallen trotzdem an?

Die Situation nervt schon enorm, jedoch findet man wahrscheinlich momentan keine Person, die dies anders sieht. Die Pandemie ist für alle belastend und dafür finde ich läuft es zumindest bei uns gerade nicht schlecht. Wir hatten ein paar Wochen vor dem Lockdown mit dem ersten Schnuppertraining für die Mädchen angefangen und hatten schnellen Zulauf. Dann kam der Lockdown und das Trainingsverbot. Wir haben währenddessen versucht, über Trainingseinheiten im Home Offce die Mädchen bei Laune zu halten und ihnen ein bisschen Sport zu bieten aber natürlich kann dies das Training auf dem Platz nicht ersetzen. In dieser Zeit fielen trotzdem vielen Aufgaben an, von der Konzeptionierung für einen möglichen Trainingsbetrieb während der Coronazeit über Werbung bis hin zur Trainersuche. All das musste ja trotzdem stattfinden. Mittlerweile können wir unter strengen Auflagen zumindest die unter 12 Jährigen (worunter die Mädchen zum Glück fallen) wieder trainieren. Die Auflagen machen uns das Leben momentan sehr schwer, aber wir können diese völlig verstehen und tragen diese auch im vollen Umfang mit.

Wenn man die letzten Wochen begutachtet sammelt ihr fleißig Spenden, sucht Sponsoren, habt Trainingspullover und T-Shirts organisiert. Muss man seine Spielerinnen und Anhänger:innen auch irgendwie bei Laune halten, um nicht gleich wieder alles zu verlieren?

Ja total, ich vergleiche das immer gerne mit einer zarten Pflanze. Die Abteilung braucht noch extrem viel Zuneigung und Aufmerksamkeit. Es gibt keine Aufgabe, die schon von alleine läuft, das muss sich alles noch einspielen und „groß“ werden. Mir war es schon immer wichtig die Fans/Anhänger:innen so nah wie möglich bei den Eichkampgirls zu haben. Das heißt viele Einblicke geben und ihnen die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen. Nur so kann Nähe und ein Zugehörigkeitsgefühl entstehen. Crowdfunding und Social Media sind die perfekten Hilfsmittel um seine Anhänger:innen bei Laune zu halten. Bei den Spielerinnen ist es, wie oben schon beschrieben durch die Pandemie nochmal schwerer geworden die Mädchen an den Verein zu binden. Es kann nur in kleinen Gruppen trainiert werden und so fehlt natürlich ein bisschen das Vereinsleben, was TeBe so ausmacht. Aber ich glaube wir machen das Beste aus der Situation.

Hilft der „Background“ Tennis Borussia beim Wiederaufbau?

Auf der einen Seite ist es ein Segen, auf der anderen durchaus ein Fluch. Der Background hilft durch die vielen Fans, die wir einfach haben. Unsere Fans sind eine enorme Kraft und helfen sehr! Auf der anderen Seite wurde in den letzten Jahren im Frauen- und Mädchenbereich (durch das Einstampfen der Abteilung) sehr viel zerstört und so haben wir einen schlechten Ruf im Frauen- und Mädchenbereich. Diesen gilt es wieder abzulegen, das hatte ich 2012 schon einmal als ich damals anfing und hoffe, dass dies auch diesmal möglich ist. Noch haben wir durch diesen schlechten Ruf Probleme an Trainer:innen und Spielerinnen zu kommen. Aber natürlich ist der Name Tennis Borussia im Frauenbereich ein großer Name, dem wir gerne wieder gerecht werden wollen.

Für dich ist der Aufbau auch nichts Neues. Bei Tennis Borussia hast du 2012 schon mal das Zepter in die Hand genommen gehabt. Kannst du dich auf Daten, Kontakte oder dort gesammelte „Referenzen„ berufen?

Na klar, hat man so seinen Datenstamm auf den ich mich berufen kann, jedoch sind viele meiner ehemaligen Trainer:innen nun bei anderen Vereinen und dort glücklich. Das respektiere ich und versuche einfach das Beste.

Damals war die Resonanz hervorragend. Wie sieht es heute aus - ist es einfach Mädchen, Frauen und vor allem Ehrenamtliche Mitarbeiter:innen zu finden?

Ganz ehrlich. Nein überhaupt nicht. Ich finde es ist eher schwieriger geworden. Es gibt wenige ehrenamtliche Personen, die voll und ganz eine Mannschaft übernehmen wollen. Viele wollen nur noch ein bis zweimal die Woche eine feste Verpflichtung haben. Mehr Verpflichtungen wie zum Beispiel am Wochenende seine Zeit zu opfern ist momentan eher unbeliebt. Bei den Mädchen muss ich sagen, dass wir selbst in der Pandemie einen guten Zulauf haben und es immer mehr Mädchen gibt, die Fußball spielen wollen.

Was hat dich im Sommer 2019 ein drittes Mal zu den Lila-Weißen gezogen?

Ich habe Ende 2018/Anfang 2019 meine Masterarbeit im Sportmanagement geschrieben, habe eine B-Juniorinnen Bundesligamannschaft trainiert und dann kamen große private Probleme dazu. Ich hatte mich entschieden, dem Fußball den Rücken zu kehren um privat unterstützen zu können. Im Sommer wurde es dann bei mir etwas ruhiger und ich konnte wieder durchatmen. Da kam dann das Angebot von TeBe den Verein auch administrativ als Mitarbeiterin zu unterstützen. Und wie es bei vielen Personen so ist: Von TeBe kommt man nicht los. Auch wenn ich immer noch nicht als Trainerin wieder auf dem Platz, bin ich so dem Fußball verbunden.

Gab es deinerseits nie „Böses Blut“ oder große Enttäuschung gegenüber den Verein?

Doch sehr, jedoch nie den Fans und den Leuten gegenüber die noch im Verein sind. Die Personen, die nicht nur in der Presse schlecht über mich geredet haben, sind nun ja nicht mehr da. Sonst wäre ich auch niemals zu TeBe zurück. Dem jetzigen Vorstand vertraue ich, dass sie es besser machen.

Was kann man deine oder eure kurz- und mittelfristigen Ziele nennen?

Kurzfristige Ziele sind für uns, die Pandemie als Verein gut zu überstehen und bei den Eichkampgirls zur neuen Saison eine Mannschaft zum Spielbetrieb melden zu können. Mittelfristig wollen wir natürlich mehr als eine Mädchenmannschaft melden und wieder einen kompletten Zug bis zu den Frauen haben.

Kannst du dir auch nochmal vorstellen, die Fußballschuhe zu schnüren?

Vielleicht irgendwann mal in einer Freizeitmannschaft, nur zum Spaß einmal die Woche. Momentan wüsste ich aber ehrlich gesagt gar nicht, wo ich die Zeit dafür hernehmen sollte.

Tennis Borussia in der 1. oder 2.Bundesliga- heute vorstellbar?

Ich glaube tatsächlich, dass die heutigen Strukturen dafür besser wären als damals. Also, vorstellbar.

Welche Erinnerungen hast du an deine Zeit im Trikot der Lila-weißen, an deine Bundesliga-Zeiten?

Viele! Viele Gute, aber leider auch viele Schlechte. Es war für mich damals eher wie ein Traum. Mit 16 Jahren oben in der 2.Bundesliga zu spielen war unbegreiflich für mich. Der Aufstieg in die erste Liga war eines meiner Highlights. Nicht so schöne Erinnerungen habe ich leider an mein Ende. Ich musste wegen schweren Depressionen meine Karriere beenden und das waren sehr unschöne Erinnerungen. Zumal ich damals leider auch Trainer hatte, die menschlich leider einen Teil dazu beigetragen haben. Ich denke aber immer gerne an die positiven Zeiten zurück. Diese zaubern mir noch heute ein Lächeln ins Gesicht.

Welche Entwicklung hat der Frauenfußball auf und abseits des Platzes in den letzten Jahren genommen? Wo ist man besonders stark und wo fehlt es noch?

Die Entwicklung geht in die richtige Richtung, dennoch muss noch einiges getan werden. Neben und auf dem Platz ist einiges passiert. Der Frauenfußball ist professioneller geworden, das Team Drumherum wird größer und professioneller. Schaut man sich die großen Clubs und deren Marketing an, hat sich einiges getan. Dennoch fehlt es noch sehr an der breiten gesellschaftlichen Akzeptanz und natürlich muss auch beim Finanziellen noch einiges passieren. Dies ist jedoch ein Kreislauf, der nur langsam in Schwung kommt.

Diese Schlagzeile zu Tennis Borussia und deiner Person würdest du gerne in der Presse lesen?

In 10 Jahren würde ich gerne lesen: „Tennis Borussia Berlins Frauen steigt wieder in die 1.Bundesliga auf“.

Kurzfristig würde ich gerne lesen: „Eichkampgirls haben wieder spielfähige Mannschaften und starten durch“.

Aufrufe: 22.4.2021, 11:10 Uhr
Marcel PetersAutor

Verlinkte Inhalte