2026-04-10T07:15:08.667Z

Allgemeines

Teamrückzüge und ein Erpressungsskandal: Der VfR Krefeld vor Zerbruch

Die beiden Seniorenteams des VfR Krefeld melden sich vor Saisonendspurt vom Spielbetrieb ab. Das soll jeweils noch in dieser Woche offiziell werden. Die Gründe dafür sind jedoch nicht von sportlicher Natur, vielmehr möchten sich die Teams von einem ehemaligen Trainer distanzieren, dessen vermeintliche Erpressung einer Spielerin in einem Youtube-Video kleinteilig ausgeführt wurde.

von Markus Becker · 16.04.2025, 21:58 Uhr · 0 Leser
Ein Erpressungsskandal erschüttert den VfR Krefeld.
Ein Erpressungsskandal erschüttert den VfR Krefeld. – Foto: Marcel Eichholz

Die Existenz des VfR Krefeld hängt in den Seilen – soviel ist nach den Rückzügen der beiden Seniorenteams klar. Beide Mannschaften möchten sich dabei von einem Erpressungsskandal distanzieren, der in den vergangenen Tagen durch ein Youtube-Video zusätzliche Aufmerksamkeit generierte. Der dort geführte Täter: ein ehemaliger Trainer des VfR. Die Chronologie der Vorfälle soll dabei vor vier Jahren begonnen haben.

Youtube-Video als Katalysator

In einem auf dem Kanal der "Einhorncrew" veröffentlichten Video, soll ein damals noch aktiver Trainer von Rasensport eine Spielerin anonym erpresst und zu intimen Bildern aufgefordert haben. Dabei ist ebenfalls erkennbar, wie die Protagonisten des Videos den vermeintlichen Täter auf der Vereinsanlage des VfR zur Rede stellen.

Der Verein bestätigte diese Vorwürfe in einem auf Facebook veröffentlichten Statement: "Dieser Vorfall ist leider wahr – und wir verurteilen dieses Verhalten aufs Schärfste. Nachdem der Vorstand des Vereins von dem Vorfall erfuhr, wurde der Trainer unverzüglich und dauerhaft aus dem Verein ausgeschlossen. Seitdem ist er kein Mitglied mehr. Der VfR Krefeld tritt jeder Form von Gewalt entgegen, unabhängig davon, ob sie körperlicher, seelischer oder sexueller Art ist."

In Anbetracht der damit losgelösten Sintflut an Reaktionen in Richtung des Klubs sah sich Joannis Vassilakos, bis zuletzt Cheftrainer der ersten Mannschaft, zu einem Statement seinerseits gezwungen. Ebenso wie beinahe der gesamte Kader, stieß Vassilakos erst in der Saison 2023/24 zum VfR, knapp zwei Jahre nach den Vorfällen und damit komplett unbeteiligt.

Nur wenige Tage nach Veröffentlichung des Videos entschied er sich mit seinem Team, den Verein nicht länger vertreten zu wollen: "Wir möchten bekanntgeben, dass wir geschlossen den Spielbetrieb für den Verein einstellen werden. Ich stehe dem Verein nicht mehr als Trainer zur Verfügung, meine Spieler stehen dem Verein nicht mehr als Fußballer zur Verfügung", betonte Vassilakos in dem Statement. "Das sind Sachen, von denen wir uns distanzieren. Wir distanzieren uns von solchen Menschen. Deshalb können wir ab sofort auch nicht mehr den Verein repräsentieren."

Im Gespräch mit FuPa Niederrhein führte der 41-Jährige dies noch aus und verriet, dass er bei Amtsübernahme noch nicht über den damals schon als Gerücht kursierenden Erpressungsskandal in Kenntnis gesetzt wurde. "Da kamen bröckchenweise – peu à peu – immer wieder Infos. Als ich dann hörte, dass es ein laufendes Verfahren gibt, da habe ich mich zeitgleich erkundigt.", schilderte Vassilakos. "Eine Staatsanwaltschaft eröffnet kein Verfahren, wenn es keine gewissen Beweise gibt. Dann habe ich im Prinzip dem Vorstand die Pistole auf die Brust gesetzt und habe gesagt: 'Entweder er oder ich'. Da die Mannschaft hinter mir stand, war klar, dass der Vorstand – wenn er sich falsch entscheidet – eine ganze Mannschaft verlieren würde und hat den Trainer darauf auch direkt rausgeschmissen."

Vorstand: "Als das Urteil gefällt wurde, haben wir sofort gehandelt"

Als erste Ansprechperson diente damals der kommissarische Vorstandsvorsitzende des Vereins, Karl-Heinz Routhier. Nach seiner Schilderung fand die vereinsseitige Reaktion nicht erst auf Geheiß von Vassilakos statt: "Das war schon vorher klar. Der 'Janni' meldete sich und sagte, dass der Trainer nicht mehr im Verein sein soll, sonst geht er – das ist richtig. Aber wir haben schon vorher gehandelt. Das war alles in die Wege geleitet. Als das Gerücht aufkam, habe ich es zunächst nicht geglaubt. Viele von uns haben es nicht geglaubt. Wir haben damals gesagt, dass wir das Verfahren abwarten und schauen, wie es endet. Als das Urteil gefällt wurde, haben wir sofort gehandelt."

Seitdem brodelte das Thema im Vereinshintergrund und fand mit Bekanntwerden des Youtube-Videos dann seinen Siedepunkt. Drei Tage später verkündeten Trainer und Mannschaft ihren Rückzug. Natürlich auch, um eventuelle Verwechslungen mit dem damals tätigen Trainer und Spielern zu vermeiden. "Da gab es keine zwei Meinungen zwischen den Jungs und mir: Wir müssen uns vom Verein trennen – und das umgehend. Im Video wurde leider Gottes sehr oft 'der Trainer‘ oder 'die Mannschaft‘ gesagt. Dabei gab es dann leider auch viele, die nur halbherzig zugehört haben", sagte Vassolakis.

Zukunft des Vereins ist unklar, Jugendteams werden sich wohl zeitnah entscheiden

Vom Verein bleibt damit nur noch recht wenig übrig. Die Damenmannschaft löste sich schon im November 2024 auf. Für die verbleibenden Verantwortlichen wird das Aufrechterhalten weiterer Teams zur Mammutaufgabe. "Ich habe als Jugendleiter erst im August 2023 angefangen. Ich habe schon zweimal gesagt, dass ich raus bin. Aber irgendwie wird dann gesagt: 'Wenn du jetzt gehst, ist der Verein hinüber, kaputt'", sieht sich Thomas Turowski als Jugendsprecher mit der Situation konfrontiert. "Ich bin kein Mensch, der das von sich abprallen lassen kann. Ich habe da viel Arbeit reingesteckt, damit wir wieder einen guten Ruf bekommen."

Die Jugendteams sind nach aktuellem Stand (16. April) noch nicht von weiteren Rückzügen betroffen: "Letze Woche haben wir uns direkt mit den Eltern zusammengesetzt und ihnen vom Video erzählt", schilderte Turowski. "Alle Anwesenden haben klar gesagt, dass sie mit den Trainern zufrieden sind und dass ihre Kinder im Verein bleiben – schließlich haben wir ja nichts mit dem Vorfall zu tun. "

Trainer und Verantwortliche wollen sich noch in dieser Woche kurzschließen, um die zukünftigen Pläne zu besprechen. Ob Turowski, ebenfalls Trainer einer E-Jugendmannschaft des Vereins, noch bis zum Saisonende bleibt, wird sich dabei voraussichtlich klären. Um den Verein noch am Leben zu halten, erwartet er besonders Bewegung auf Vorstandsebene: "Da muss sich was ändern" verdeutlichte er. "Erstens muss der Vorstand aus seinem Versteck und mal Klartext reden. Gegebenenfalls muss ein neuer Vorstand gewählt werden."

Gegenüber FuPa stellte mit Routhier der aktuelle Vorstandsvorsitzende bereits klar, dass es seine letzte Saison in dieser Funktion sein soll. Ein neu gewählter, jüngerer Vorstand soll dann die Zukunft des VfR Krefeld retten.