
Die SpVgg Kammerberg stürzte von Platz eins auf Rang neun ab. Teammanager Klaus Kollmair nennt die Gründe für die Krise des Bezirksligisten.
Der Saisonverlauf der SpVgg Kammerberg gleicht bislang einer Achterbahnfahrt. Nach dem furiosen Start in die Bezirksliga-Saison, der die Spielvereinigung nach zehn Spieltagen sogar an die Tabellenspitze führte, folgte eine längere Phase mit ausbleibenden Ergebnissen. Aus der anfänglichen Euphorie wurde Ernüchterung, aus Leichtigkeit Verunsicherung.
Zur Winterpause steht Kammerberg auf Rang neun – mit nur noch drei Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone und beachtlichem Rückstand auf die ersten vier Plätze. Teammanager Klaus Kollmair spricht im Zwischenfazit über verpasste Chancen, den Preis der Jugend, fehlende Erfahrung – und warum der Blick trotz aller Rückschläge weiterhin nach oben geht.
Herr Kollmair, Hand aufs Herz: Was haben Sie nach dem zehnten Spieltag gedacht?
Wenn du nach einem Drittel der Saison Tabellenführer bist, dann denkst du natürlich schon, dass es am Ende etwas mit einer Top-3-Platzierung werden könnte. Gerade nach den Leistungen in den ersten Wochen hatten wir das Gefühl, dass viel möglich ist. Die Mannschaft hat stabil gespielt, war mutig und selbstbewusst. Dass es dann so bergab geht, hat uns überrascht. Es war auf jeden Fall mehr drin als Rang neun zur Winterpause, da brauchen wir nicht drumherum reden.
Wie lautet Ihr Fazit nach knapp zwei Dritteln der Saison?
Mit etwas Abstand kann man sagen, dass wir trotzdem zufrieden sind. Man darf nicht vergessen, dass wir im Sommer einen sehr großen Umbruch hatten. Wir haben ausnahmslos junge Spieler bekommen, viele davon ohne oder mit nur sehr wenig Bezirksligaerfahrung. Diese Unbekümmertheit, dieser Mut und diese Spielfreude haben uns in den ersten Wochen der Saison getragen und stark gemacht. Dass junge Mannschaften im Verlauf einer Saison auch Rückschläge erleben, gehört zu diesem Entwicklungsprozess dazu.
Der Bruch kam ausgerechnet, als Kammerberg auf Platz eins stand. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Wir haben genau diese Unbekümmertheit verloren. Nach der Niederlage gegen Walpertskirchen sind wir in eine richtige Abwärtsspirale geraten. In dieser Phase hätten wir Erfahrung gebraucht, um Ruhe reinzubringen und schwierige Situationen zu lösen – doch davon haben wir nicht allzu viel. Robert Villand gehört zu unseren absoluten Führungsspielern, seine Präsenz auf und neben dem Platz ist extrem wichtig für uns. Er hat wegen eines Urlaubs und später auch wegen einer Krankheit mehrere Spiele verpasst. Auch Thomas Eichenseer hat phasenweise gefehlt. In dieser Zeit konnte keiner das Ruder herumreißen.
Viele Niederlagen waren eng. Spielte auch Pech eine Rolle?
Ich denke schon, dass auch Pech dabei war. Wir sind einige Male unglücklich in Rückstand geraten und haben dann nicht mehr die Kaltschnäuzigkeit gezeigt, die uns zu Beginn der Saison ausgezeichnet hat. Unsere Chancenverwertung war nicht mehr so gut. Auch Domenik Kaiser, der als Torjäger für uns sehr wichtig ist, hatte in dieser Phase Ladehemmung. Wenn dann Selbstvertrauen fehlt, werden solche Situationen noch schwieriger.
Was waren Ihrer Meinung nach die Hauptgründe dafür, dass es in der Tabelle bergab ging?
Uns hat die Konstanz gefehlt – und zwar vor allem beim Personal. Besonders in der Defensive mussten wir immer wieder umstellen. Wir konnten eigentlich nie zwei Spiele in Folge mit der gleichen Abwehrkette beginnen. Gerade für eine junge Mannschaft ist das schwierig, weil Automatismen fehlen und Abläufe nicht greifen können.
Einer der Senkrechtstarter war Dario Stanic, der vor allem zu Beginn der Saison viele Tore geschossen hat. Auch bei ihm kam später eine Flaute.
Dario ist offensiv früh herausgestochen. Bis zum zehnten Spieltag hat er sieben Tore erzielt und war für uns enorm wichtig. Dass er diese Quote nicht über die komplette Saison halten kann, ist aber keine Überraschung. Man darf nicht vergessen, dass er erst 18 Jahre alt ist und eigentlich noch in der A-Jugend spielen dürfte. Für sein Alter hat er eine sehr starke Entwicklung genommen.
Für Trainer Victor Medeleanu ist es die zweite Saison in Kammerberg. Wie zufrieden sind Sie mit ihm?
Wir sind sehr zufrieden. Es gibt von beiden Seiten klar die Bereitschaft, weiterzumachen. Victor fordert die jungen Spieler, entwickelt sie weiter und bringt sie sportlich voran. Gerade in schwierigen Phasen ist es wichtig, an einem gemeinsamen Weg festzuhalten.
Sind Sie auch mit dem Kader zufrieden? Gibt es im Winter Neuzugänge?
Nein, es wird keine Veränderungen geben. Wir haben einen großen Kader und aktuell keine Abgänge. Deshalb sehen wir keinen Handlungsbedarf und setzen weiterhin auf die Mannschaft, die wir haben.
Drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone – geht der Blick eher nach oben oder nach unten?
Natürlich sind wir noch nicht gesichert, das wissen wir. Unser Ziel ist es, gut aus der Winterpause zu kommen und so schnell wie möglich nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben. Grundsätzlich geht unser Blick aber nach oben. Wir haben im Saisonverlauf den ASV Dachau, den VfR Garching und Nord Lerchenau geschlagen. Wir sind überzeugt, dass wir die Qualität für eine Top-5-Platzierung haben. Dafür müssen wir wieder zu unserer Form aus den ersten Wochen zurückfinden – und das geht nur über Konstanz.