
Bei Teutonia Weiden herrscht Klarheit auf der Kommandobrücke. Während der Abstieg aus der Mittelrheinliga fünf Spieltage vor dem Ende praktisch besiegelt ist, stellt der Verein die Weichen für die kommende Saison in der Landesliga. Mit Giuseppe Avellino übernimmt ein Mann das Ruder, der vor allem für eines steht: die Entwicklung junger Talente. Unterstützt wird der 56-jährige B-Lizenz-Inhaber von Ritchy Taty und Yasin Caliskan. Ungewöhnlich dabei: Das neue Gespann übernimmt ab sofort, um den Umbruch aktiv einzuleiten.
Die mangelnde Kontinuität auf der Trainerposition hat in Weiden zuletzt Spuren hinterlassen. Nachdem man sich Ende März von Ercüment Dönmez getrennt hatte, sprang der sportliche Leiter Cemil Temür interimsmäßig in die Bresche. Dass die Doppelbelastung für ihn keine Dauerlösung sein konnte, daraus machte Temür nie einen Hehl. Mit Avellino wurde nun die Wunschlösung präsentiert, die nicht nur den sportlichen Erfolg zurückbringen, sondern auch den ramponierten Ruf des Vereins geradebiegen soll. Weiden galt lange als Klub, der sportliche Erfolge auch mit finanziellen Anreizen erzwang – dieses Bild soll nun der Vergangenheit angehören.
Giuseppe Avellino ist in der Szene kein Unbekannter. Als Gründer der Fußballschule „pfa.sports“ und ehemaliger Coach im Juniorenbereich (u.a. beim SC Borussia Lindenthal-Hohenlind oder SV Bergisch Gladbach 09) hat er sich einen Namen als Talentförderer gemacht. Das passt zur Neuausrichtung der Teutonia, deren Kader einen Altersdurchschnitt von gerade einmal 21,5 Jahren aufweist. Ihm zur Seite steht mit dem 39-jährigen Ritchy Taty (zuletzt U19-Trainer beim SV Lövenich/Widdersdorf) und Yasin Caliskan ein Team zwei Co-Trainer.
„Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, gestaltet das neue Trainerteam bereits seit zwei Wochen gemeinsam mit mir das Training. Ab der nächsten Partie werden sie offiziell übernehmen, während ich nur noch unterstützend zur Seite stehe. Die Chemie hat von Anfang an gestimmt; wir teilen die gleichen Ansichten und Ziele. Wir waren zwar auch mit anderen Kandidaten im Austausch, sind von der jetzigen Lösung aber absolut überzeugt“, erklärt Temür den frühen Zeitpunkt des Wechsels.
Temür macht deutlich, dass Avellino genau der richtige Mann für das skizzierte Projekt ist. Es geht um Identifikation und sportliche Substanz statt um teure Schnellschüsse. „Ritchy und Giuseppe besitzen beide die B-Lizenz. Giuseppe bringt eine enorme Erfahrung mit – besonders durch seine Arbeit in Hohenlind und seiner Fußballschule, aus der bereits einige Mittelrheinliga-Spieler hervorgegangen sind. Ich habe ihn bewusst gewählt, weil er diesen Weg der sportlichen Weiterentwicklung voll mitgeht. Er glaubt an das Projekt, das ich seit Wochen skizziere: Wir wollen ein neues Kapitel aufschlagen und unseren Ruf komplett wiederherstellen“, so der 49-Jährige.
Dass Avellino bisher primär im Jugendbereich tätig war, sieht Temür eher als Vorteil denn als Hindernis: „Dass Giuseppe primär als Talententwickler gilt, passt perfekt zu uns, da unser Kader einen Altersdurchschnitt von gerade einmal 21,5 Jahren hat. Ob er schon unzählige Herrenteams trainiert hat, ist zweitrangig – wichtig ist die Fähigkeit, junge Spieler zu formen und gleichzeitig mit erfahrenen Fußballern umgehen zu können. Wir werden attraktiven Offensivfußball bieten.“
Für die kommende Saison in der Landesliga, die durch zahlreiche Derbys eine hohe Qualität verspricht, peilt Weiden einen Platz unter den ersten sechs Mannschaften an. Dabei soll ein festes Gerüst aufgebaut werden, anstatt Jahr für Jahr einen kompletten Umbruch mit 15 Neuzugängen zu erzwingen. Dennoch ist ein personeller Schnitt aufgrund der Qualitätsunterschiede laut Temür aktuell unumgänglich.
„Mir ist es wichtig, unser Gerüst zu halten – aber nicht um jeden Preis. Wir werden jede Position doppelt besetzen und mindestens zwei neue Torhüter verpflichten. Dabei wollen wir die finanzielle Vernunft bewahren. Es ist traurig zu sehen, wie manche Investoren das Vereinsleben und die Identifikation im Amateurfußball kaputtgemacht haben, indem sie Spieler nur noch mit hohen Summen in untere Ligen locken. Wir suchen stattdessen Spieler mit Charakter und Mentalität, die nicht nur aufs Geld schauen, sondern sportlich etwas reißen wollen“, will Temür in puncto Kaderplanung auf charakterstarke Akteure und finanzielle Vernunft setzen.