2026-06-03T09:07:03.210Z

Allgemeines

Tag für die Ewigkeit: FC Mittenwald schafft Sensation

Aufstieg

von Andreas Mayr · Heute, 17:38 Uhr · 0 Leser
Der entscheidende Moment: Fabian Rotter bejubelt seinen Elfmetertreffer zum 3:0.
Der entscheidende Moment: Fabian Rotter bejubelt seinen Elfmetertreffer zum 3:0. – Foto: Andreas Mayr
Zuschauer stürmen den Platz, bengalische Feuer leuchten: Der FC Mittenwald gewinnt dank einer irren Schlussphase die Relegation und steigt in die Kreisklasse auf.

Aus den Lautsprechern drang ein Satz, den jeder schon einmal gehört hat. „Ich werd’ narrisch“, hallte es die Karwendel-Wände hinauf, als das Wunder seine Vollendung erfuhr. Fabian Rotter hatte den Elfmeter zum 3:0 für den FC Mittenwald vollstreckt. Was danach folgte, kann eigentlich niemand in Worte fassen. Zuschauer stürmten das Feld, bengalische Feuer leuchteten, Trainer Maximilian Tauwald bekam eine Bierdusche nach der anderen verpasst – und Bürgermeister Enrico Corongiu – eigentlich ein Roter von der SPD – zog sich kurzfristig ein grünes Mittenwald-Shirt über. Der Tag, an dem der FCM in die Kreisklasse zurückkehrte, war einer für die Ewigkeit.

Dieser Sieg war kein Gemälde und kein Fußballfest, sondern eine einmalige Reaktion von nicht zu brechendem Glauben und einer Karwendel-hohen Ladung Dusel. „Was wir heute hatten, war Glück – und unseren Willen“, hielt Trainer Maximilian Tauwald fest. Zumindest zu gleichem Anteil durfte man an diesem Nachmittag nicht den Gegner vernachlässigen. Denn der große Triumph der Mittenwalder ist auch eine Geschichte vom Versagen der SG Hungerbach. Seit nun annähernd zwei Jahren stürzt alles, was sie anfassen oder probieren, ins Unglück. Mit dem zweiten Abstieg in Folge geht es für sie direkt von der Kreisliga in die A-Klasse. „Unverdient, so unverdient. Die Mittenwalder wissen selbst nicht, wie sie gewonnen haben“, klagte hinterher ein frustrierter Trainer Gerhard Bertl.

Das stimmte so natürlich nur zum Teil. Josef Gerstmeir wusste sehr wohl, wie sie das Wunder vollbracht hatten: mal wieder als Team. Das fing bei Torwart Tobias Nowak an. Der habe beim Aufwärmen gezittert, berichtet Gerstmeir. In der Anfangsphase rettete zweimal die Latte vor dem Rückstand. Am Ende, in der letzten Viertelstunde, „hat er alles gehalten“, schwärmt der Kapitän. Ein Denkmal dürfen sie auch Florian Rönitz hinstellen. Der Innenverteidiger, wahrscheinlich bald als letzter Wächter von Mittenwald bekannt, klärte gleich zweimal als letzter Mann auf der Linie. „Ohne ihn hätten wir das nicht geschafft“, sagt Florian Rieger.

Riegers Name wird für immer und ewig als Fußnote neben dem Aufstieg in die Kreisklasse verzeichnet sein. Zwei Tore schoss der JJ, wie sie ihn sogar über die Lautsprecher ausriefen, und das in einer Saison, in der für ihn bisher kaum etwas zusammengelaufen war. Aber das ist die Magie dieser Mannschaft. In der Halbzeit kamen diverse Kollegen auf den Joker zu und bestärkten ihn: „Jeder hat zu mir gesagt: Heute ist dein Spiel. Dass es dann so passiert, ist Wahnsinn“, jubilierte der Schütze der ersten beiden Mittenwalder Tore. Spätestens nach dem 2:0 „wusste ich, dass wir das noch herumreißen.“

Bis dahin hatten die Gastgeber allerlei zu überstehen. Hungerbach traf schon in Hälfte eins zweimal die Latte, vergab nach dem Wechsel zwei klarste Chancen, und als die Spielgemeinschaft traf, stand Schütze Tobias Schüller im Abseits. Gegen die Wucht und die Abgeklärtheit der Gäste halfen nur Härte und Leidenschaft. Mittenwald sammelte Karte um Karte. Das war alles egal, weil die Null hielt. „Die ganze Mannschaft hat beinhart verteidigt“, schwärmt Gerstmeir. Über 70 Minuten deutete nichts auf den Irrsinn hin, über den man lange sprechen wird.

Der Führungstreffer haute bei Hungerbach alle Sicherungen raus – und gab Mittenwald den entscheidenden Impuls. Plötzlich marschierten die Isartaler, hieben ein auf den taumelnden Gegner, der den K.o.-Schlag dann auch noch vom Schiedsrichter serviert bekam. Ein Elfmeter, herausgeholt von Joshua Glöckner, entschied das Spiel. „War im Leben keiner“, klagte Bertl. Aber den Mittenwaldern war das egal. Rotter vollstreckte, schoss seine Mannen ins Land der Träume und sorgte für ein kleines Mittenwalder Sommermärchen, das noch viele Stunden weiterging – oder wie es Kapitän Gerstmeir ausdrückte: „Schluss ist erst, wenn das Bier leer ist.“