
Das Gehalt der Spieler wurde beim SV Straelen stets in Bar gezahlt. Einmal pro Monat bekamen sie Umschläge mit Geldscheinen. Doch das Geld, das in diesem Umschlag steckte, wurde nicht vorschriftsmäßig und in vollem Umfang an die Behörden gemeldet. Der Berufsgenossenschaft und den Sozialversicherungen entging so ein sechsstelliger Geldbetrag. Vor dem Landgericht Kleve muss sich dazu der Ex-Präsident des SV Straelen, Hermann Tecklenburg, verantworten. Auch angeklagt ist ein Mitarbeiter der Tecklenburg GmbH – ihm wird die Beihilfe zur Veruntreuung von Arbeitsentgelt vorgeworfen.
Am Dienstag fand vor dem Landgericht der zweite Verhandlungstag statt. Er lieferte einen Blick in die Verträge der Spieler, zeigte zudem, wie genau Tecklenburg den tatsächlichen gezahlten Lohn vor den Einzugsbehörden verbarg. Zudem äußerte sich der 77-Jährige erstmals konkreter zu dem Fall.
Seine Einlassung las Tecklenburg vom Manuskript ab. Er habe viel Zeit und viel Geld in den SV Straelen investiert, so der ehemalige Bauunternehmer. „Ich bin mehr oder weniger das Gesicht des SV Straelen geworden, mein Name war damit verknüpft. Das hat mich mit großem Stolz erfüllt“, so Tecklenburg. Mit dem wachsenden Erfolg des Vereins seien auch die Ausgaben höher geworden, so Tecklenburg. „Gute Spieler kosten mehr Geld. Vierstellige Gehälter waren für diese Spieler normal“, sagte Tecklenburg vor Gericht.
Um möglichst trotzdem Geld zu sparen, habe er ein Modell geschaffen, mit dem die Sozialversicherungsbeiträge möglichst gering gehalten werden sollten: Der tatsächliche Lohn der Spieler wurde aufgesplittet. So bekamen sie neben ihrem Spielergehalt eine Tankkarte, Fahrtgeld, Übungsleiterpauschalen. Es wurden Punktprämien und Auflaufprämien verhandelt, die Spieler bekamen Wohnungen gestellt. Zudem bekamen sie ein Gehalt von der Firma Tecklenburg. Viel von diesem zusätzlichen Geld wurde nicht gemeldet, zudem waren viele Spieler nicht als Übungsleiter aktiv, arbeiteten auch nicht wirklich bei der Firma Tecklenburg. Geld dafür bekamen sie trotzdem. „Ich habe es zugelassen, dass die Beiträge nicht den Sozialversicherungen und Unfallversicherungen gemeldet wurden“, so Tecklenburg. Ihm sei es nie um seinen eigenen monetären Vorteil, sondern lediglich um den SV Straelen, um die Region gegangen. „Rückblickend würde ich vieles anders machen. Das Kapitel SV Straelen ist für mich abgeschlossen“, sagte Tecklenburg.
Als Zeuge vor Gericht war ein Beamter der Deutschen Rentenversicherung geladen. Er hat die Berechnung der Schadenssumme für alle Sozialversicherungen durchgeführt. „Das war ein sehr umfangreiches Verfahren, wir hatten 15 Gigabyte Daten“, sagte der Zeuge. Zu dem Material gehörten auch die Verträge, die die Spieler mit dem SV Straelen unterschrieben. Oft gab es einen offiziellen Vertrag mit dem gemeldeten Gehalt. Je nach Spieler waren das mal 1000 Euro, mal 600 Euro. Und dann noch einen zweiten Vertrag, nicht selten handschriftlich verfasst. Dort wurden dann noch 500 Euro aufgeführt, die der Spieler von der Firma Tecklenburg bekam, zudem eine Punktprämie von 50 Euro pro Punkt, ein einmaliges Handgeld von 5000 Euro für die Vertragsunterschrift. Auch kam es vor, dass Spieler offiziell 400 Euro bekamen, tatsächlich aber in einem Monat 6350 kassierten.
„Jeder Verein muss Kosten sparen. Das kann ich verstehen. Natürlich muss man da kreativ sein. Es gibt aber auch genug legale Möglichkeiten, um Kosten zu sparen“, sagte der Beamte der Deutschen Rentenversicherung.
Wie viel Geld den Sozialkassen tatsächlich durch die Lappen ging, ist Gegenstand der Verhandlung. In der Anklage war noch eine Schadenssumme von 862.000 Euro angegeben, in einem Verständnisvorschlag des Gerichts ist inzwischen von einer Schadenssumme zwischen 400.000 und 450.000 Euro die Rede. In den nächsten Verhandlungstagen soll geklärt werden, ob das angemessen ist. Die nächste Verhandlung findet am 16. September statt.