Neuer Bericht

Wörth/Isar
2:5
Oberlindhart

Sonntag, 8. August 2021
SV Wörth - SV Oberlindhart 2-5 (1-0)

Für das zweite Spiel der laufenden Serie, gleichzeitig das zweite Auswärtsspiel 2021/2022, das den ersten Saisonsieg sah, hätte man auch eine andere Überschrift verwenden können, zum Beispiel „Grandioser Sieg“ oder „Großartige Vorstellung“ oder „Erst abgekocht, dann abgezockt“ oder „Welch ein geiles Match“ oder „Freudenfest beim SVO“ oder „Triumph des Willens“ oder „Wer war Matchwinner? Alle 13 Mann!“ oder „Sieg der mannschaftlichen Geschlossenheit“ oder „Kunst kommt von Können“ oder „SVO kämpft den Favoriten nieder“ oder „Sensationeller Auftritt an der Isar“ oder „Kombinationsmaschine SVO überrollt Wörth“ oder, oder, oder. Aber „Dat war Fußball“ trifft es wohl am besten. Die kölsche Trainerlegende Hennes Weisweiler, von dem dieser Ausspruch stammt, war sehr sparsam mit diesen drei Worten, die ein herausragendes Spiel adelten.

Für das, was dem Oberlindharter Anhang bei diesem Kracher von den Ihrigen angeboten wurde, dürfen wir (keine Bange, wir wissen es schon richtig einzuordnen) uns beim Meistermacher der „anderen“ Borussia bedienen, denn vor allem im zweiten Abschnitt zeigte unsere Truppe die beste Leistung seit mehr als einem Jahr! Da passte wirklich alles zusammen! Dat war Fußball!


Auch der Zuschauerzuspruch, zumindest der von Oberlindharter Seite, war Klasse, denn rund 30 Tifosi traten die Reise in den Landkreis Landshut an, trotz des launischen Wettergottes, der uns ein Wechselbad zumutete, das sich im wahrsten Sinne des Wortes gewaschen hatte, zum Teil schüttete es wirklich wie aus Kübeln.


Unser neuer Trainer Richard Koch ließ die Mannschaft in ähnlicher taktischer Formation wie beim Auftaktmatch in Bayerbach auflaufen, eine wesentliche Veränderung betraf die Defensivposition, auf der Wolfgang „Kobra“ Rohrmeier mit einer ganz starken Leistung aufwartete. Stefan Bauer stand Kobra in seinem ersten – in Bayerbach wurde der jüngere der Bauer-Brüder schmerzlich vermisst, allerdings konnte Stefan vor zwei Wochen am Derby nicht teilnehmen, da er in unaufschiebbarer Mission in der österreichischen Hauptstadt seinen Mann stehen mußte. Weitere Auskünfte können nicht erteilt werden, weil der Auftrag in Wien mit dem Stempel „Verschlußsache. Streng vertraulich!“ versehen wurde und höchster Geheimhaltung unterliegt. Auf dieses Siegel der Verschwiegenheit legt auch Paul Zott, der ebenfalls in Niederösterreich an diesem brisanten Fall arbeitete, größten Wert - Saison-Match in puncto Leistung nicht nach, er spielte eine ausgezeichnete Partie.

Jedenfalls hatte unser Coach seine Truppe exzellent auf- und eingestellt. Unsere Männer gaben von Beginn an Vollgas, waren von Anpfiff weg nah am Gegner dran, standen denen (eine Ausnahme gabs, in der 14. Spielminute) ständig auf den Zehen und machten von der ersten Minute derart Dampf, daß den Wörthern Hören und Sehen verging.
Ein Wort zum Referee: Lukas Krautner vom TSV Gerzen war mit der Spielleitung betraut, ein junger Mann, der seine Aufgabe erfüllte, wie es sich gehört: freundlich, aber bestimmt im Auftreten und in der Ansprache an die Spieler, mit hervorragender Regelkenntnis und dem notwendigen Fingerspitzengefühl ausgestattet hatte er die Partie sicher im Griff, eine souveräne Vorstellung. Sehr guter Mann! Und weil wir gerade dabei sind, die Partie war eine von der fairen Sorte, Lob auch an den Gegner, die Wörther waren echte Sportsleute. Nach soviel warmen Worten sei auch eine kleine, eine klitzekleine Kritik gestattet: die Musik nach einem Torerfolg sollte für beide Mannschaften gespielt werden. Oder für keine, das gebietet, nun ja, der Sportsgeist, oder wie unsere Freunde von der Insel sagen: „sportsmanship“!


Zum Spiel:
4 Stefan Bauer verlagert mit einem weiten Paß auf Amiel Mambuini Ndongala das Spiel auf die rechte Flanke und reißt damit die Defensive der Gastgeber bis zur Arschkrampe auf, Amiel
schießt sofort, aber der Torwart (der war echt gut!) der Gastgeber hält
6 Klasse Balleroberung von Johannes Bauer, Traumpaß in die ulicka, in die Gasse, auf Hans
Danzer, der feuert sofort, die Kugel verfehlt das Gehäuse nur um Millimeter.
8 Wir machen weiter Dampf
9 Stefan Bauer tankt sich auf der linken Seite in Klasse Manier unwiderstehlich durch und
bedient den im Sechzehner lauernden Martin Šmíd, und der lenkt die Kugel ins Tor, ähhmm,
nun ja, nicht ganz, denn dort stand leider der ausgezeichnete Hausherrenzerberus, und zwar
auf seinem Posten.
11 Thomas Vielsmeier wird gefoult (nach der zweiten Partie kann man zu diesem Phänomen
schon mal die erste Saisonprognose abgeben: unser Kapitän ist einer der heißesten Anwärter
auf den Titel „Meistgefoulter Spieler der Saison 2021/2022“, der Autor dieser dürren Zeilen
ist gar jetzt schon der Ansicht, daß Vielsi diese „Trophäe“ auch in dieser Spielzeit nicht zu
nehmen sein wird). Stefan Beck – Beckos war wieder der Fels in der Brandung, er hat seine
Defensive im Griff – serviert den Freistoß, Hans Danzer bedient Stefan Bauer, aber Steff
scheitert am Goalie.
13 Andy Hohenester (er war wieder Chef im Maschinenraum) passt zu Johannes Bauer, Hannes gibt nach innen zu Tomáš Marek, dessen Schuß wird aber abgefälscht.

Zwischenfazit: der Favorit ist bislang absolut chancenlos, total eingezwängt in der eigenen Hälfte, unser Druck ist extrem hoch, die Gelegenheiten häufen sich, ein Tor liegt förmlich in der Luft.

14 Tja, und von dort muß es runtergekullert sein, das Tor, das jetzt aus heiterem Himmel fiel.

Und damit kennt der kundige Leser auch den Spielstand nach 14 Minuten: 1-0 für Wörth! Die haben keine Chance, fahren einen Konter – der war aber ausgezeichnet, der Wahrheit halber muß man das unumwunden zugeben – und wir schauen richtig dumm aus der Wäsche. Aber der Reihe nach: wir wähnten uns also dem Führungstreffer nahe, nachdem wir nach Tomáš
Mareks Aktion den nächsten Angriff starteten und Martin Šmíd eine Ecke erkämpfte, die aber

abgeblockt wurde und in einen folgenschweren Konter mündete.

Und nun zum lehrbuchmäßigen Konter: die benötigen zwei Stationen, nämlich ihren
Spielertrainer Leierseder, der vorzüglich seinen Linksaußen ins Szene setzt, und jener fackelt
nicht lange, im Gegenteil, er erspäht die schmale Lücke, in welche die Schweinsblase gerade
noch reinpasst, und genau dort setzt der Wörther Stürmer die Kugel mit einem knallharten
Linksschuß, nur cm neben dem ersten Pfosten, ins Netz, übrigens dessen vierter
Saisontreffer! Und wir sind absolut bedient. 15 Jetzt droht Gefahr, den Schock haben die Unseren noch nicht verdaut, und das spüren die Gastgeber um den alten (Disclaimer vor dem Hintergrund „AGG Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz“: der Autor ist selbstverständlich ein extremer Verfechter der „Political Correctness“ - der war aber jetzt schon gut, was? – und möchte ausdrücklich betonen, daß „alt“ hier als Synonym für „erfahren“ zu verstehen ist!) Fuchs Leierseder, die setzen sofort nach und wollen uns einen Doppelschlag verpassen. Aber mit Glück und Geschick (ok, ok, drei Euro ins Phrasenschwein) können wir uns aus dieser ziemlich brenzligen Phase rausretten.

18 Uff, wir können uns befreien und gehen unsererseits wieder in die Offensive: Stefan Bauer
mit einer Klasse Flanke auf Amiel Mambuini Ndongala und Amiel zieht sofort per
Direktabnahme ab. Knapp vorbei.

20 Wir machen weiter Druck, Hans Danzer gibt nach links zu Steff, aber etwas zu „steil“.
21 Hervorragende Kombination auf Rechtsaußen zwischen Hannes und Amiel, dieser flankt auf Martin Šmíd, aber dessen Kopfball streicht über das Gebälk.
22 In der 22. Minute kam entgegen der Prophezeiung („…so, ich habe mir jetzt extra eine Jacke und den Regenschirm geholt, jetzt können wir sicher sein, daß es nicht regnen wird“) von Edelfan Toni Zisch die aparte Dalida zum Zug: Petrus öffnete die Schleusen, es fing an zu
schütten.

Das scheint wohl dieser komische Klimawandel zu sein, immer diese Hitze im Sommer!
Jedenfalls hatte das nasse Element konkrete Auswirkungen, nämlich auf die Frequenz der
Spielberichterstattung. Sofern also die Beschreibung „dünner“ wird, hat das auch damit zu
tun
23 Wir haben nochmals eine gefährliche Situation zu überstehen, die Gastgeber kommen
überfallartig vor unsere Hütte, aber Stephan Hossinger wirf sich dem alleine vor ihm
auftauchenden Angreifer mutig entgegen und rettet in letzter Not. Auf Hosse war absolut
Verlass!
29 Beckos tritt wieder einen seiner gefährlichen Freistöße, allerdings verpassen Freund und
Feind. Gefährlich war der Ball aber trotzdem, er verfehlte den Kasten nur knapp. Sehr knapp!
31 Weiter geht’s, Stefan Bauer versucht es, aber sein Schuß ist dieses Mal zu schwach.
32 Nun probiert es Tomáš Marek, doch der Keeper hält.
34 Wir sehen eine Super-Kombi auf unserer linken Angriffsseite über Wolfgang Rohrmeier-Hans Danzer-Stefan Bauer, aber Steff scheitert am Torwächter.
35 Unser Angriffs-Stakkato geht weiter. Stefan Bauer bringt die Ecke, sein Bruder Hannes scheitert am Goalie.
36 Wörth, die Heimmannschaft notabene, kontert. Das war nicht ohne, da fehlte jetzt bei uns
die Abstimmung, der Stürmer ist alleine vor Hosse, köpft aber gottlob vorbei.
40 Vielsi erkämpft eine Ecke, Stefan Bauer tritt das Leder mustergültig in die neuralgische Zone, aber, es ist nicht zu fassen, wir kommen nicht ran. Lob an Steff, besser kann man einen
Eckball nicht „bringen“.
41 Amiel erkämpft die nächste Ecke, die wie üblich von Steff serviert, von den Gastgebern
jedoch abgewehrt wird, der Fernschuß von Andy Hohenester wird eine Beute des
Schlußmanns.


Fazit zur Pause: nicht, noch nicht „dat war Fußball“, sondern „so grausam kann Fußball sein“, denn wir sahen bislang eine mitreißende Partie, die total vom SV Oberlindhart dominiert wurde, das Halbzeitergebnis aber den Spielverlauf leider nur invers spiegelt. Doch der Auftritt
unserer Burschen gibt berechtigten Anlaß zur Hoffnung, es sind ja noch 45 Minuten zu gehen.


50 Nach Wiederanpfiff sehen wir einen verhaltenen Beginn, unser Spielfluss, der im ersten
Abschnitt so sehr begeisterte, ist wie weggeblasen.
51 Aber jetzt sind wir im Match! Wir rollen auf das Hausherrentor zu wie ein Tank in
Höchstgeschwindigkeit, feuern volles Rohr, erster Versuch, gescheitert, Hannes Bauer
erzwingt mit dem zweiten Versuch förmlich den Ausgleich, es ist ein Tor des schieren
Willens! 1-1.

52 Wir setzen nach, spielen das Leder auf Martin Šmíd, der Keeper wehrt im Herauslaufen ab,
Hans Danzer scheitert im Nachschuß.
54 Wir rackern weiter, ackern weiter, Wörth wehrt sich, aber auf Kosten eines Freistoßes, der
Ball prallt ab, Amiel packt einen aus, ein Gewaltschuß der Marke Vorschlaghammer, aber die
Kugel geht drüber.
55 Weiter geht’s, Angriff auf Angriff rollt, Tomáš Marek erobert das Spielgerät und gibt zu Amiel, der schießt, ahhhhhh, vorbei. Aaaaaamiiiiiiel, lupfen! Sagt der Berichterstatter, tja, als
Zuschauer und Schlauberger hat man‘s leicht,…., also mit dem schlau daherreden.

59 Nach einem kurzen Durchschnauferer erneut ein Freistoß für uns, Beckos liefert, aber unser Kopfball geht über den Balken.
60 Ecke, Stefan Bauer bringt das Leder rein, Hans Danzer steigt hoch (Lehrbuch!!!) und köpft ein. 1-2. Wir flippen fast aus, leck mich fett. Spiel gedreht!
62 Wir marschieren, wie einst die bayerische Armee. Von hinten rauscht erneut Hans Danzer
heran, Schuß, aber der Keeper ist auf dem Posten.
63 Die Hausherren kontern, wir stehen plötzlich unter Hochdruck, aber der treffliche Wolfgang Rohrmeier klärt, uff, gutgegangen.
65 Vielsi öffnet mit einem Paß auf Tomáš Marek das Spiel, Tomáš flankt wunderbar auf Amiel
und bringt diesen in eine hervorragende Position, aber Amiel vergibt überhastet die Chance,
da hätte er köpfen müssen (oh, schon wieder diese Oberschlaubergerstimme aus dem Off).
66 Nun ist ausnahmsweise mal wieder der SVW mit einer Ecke an der Reihe, aber unsere
Männer klären v.u., viribus unitis, mit vereinten Kräften, bekanntlich der Wahlspruch des
österreichischen Kaisers Franz Joseph I. wie auch der Name des erstes Schlachtschiffes der
Tegetthoff-Klasse der k.u.k Kriegsmarine, bekanntermaßen auch das Motto der Oberlindharter-Weiße-Gemeinschaft, und ganz offensichtlich auch das Erfolgsgeheimnis unseres SVO in diesem Spiel!

70 Wir sind wieder voll da, mitten im Match. Der Ball gelangt zu Tomáš Marek und Tomáš Marek überlistet mit einem gefühlvollen Lupfer den Torsteher der Wörther. 1-3. Wie geil ist das denn?
75 Unsere Wahnsinnsburschen setzen noch einen drauf! Nach einem kapitalen Schnitzer in der Defensive der Einheimischen ergattert Amiel Mambuini Ndongala das Leder und vollstreckt eiskalt und gnadenlos zum 1-4. WAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHNNNSINN!
76 Schrieb ich gerade „unsere Wahnsinnsburschen setzen noch einen drauf“? Nicht genug, die setzen NOCH EINEN DRAUF, quasi Noch‘n Gedicht, à propos, wer das nicht kennen sollte,
sehr zu empfehlen, noch’n Korn: https://www.youtube.com/watch?v=X23iParaEzI

In der 76. Minute gibt’s also noch einen Korn, pardon, Nachschlag: ein langer Paß erreicht
den langen Flo, und Florian Selmer, vollstreckt, ebenso eiskalt und gnadenlos wie Amiel, zum
1-5.
81 Und Flo hat noch nicht genug, fünf Minuten nach seinem Knaller hämmert er einen
Distanzschuß auf das Tor der Hausherren, die Schweinsblase streift nur knapp über die Latte.
82 Martin Šmíd gibt nach einem unwiderstehlichen Flankenlauf nach innen, der Schuß des im
Schlußviertel in die Partie gekommenen Jan Unfried fliegt ein bißchen zu hoch, nur ein ganz
kleines bißchen zu hoch.
87 Die Unseren lassen nicht locker, Jan passt zu Hannes, aber dessen Geschoß ist um 17cm zu hoch.
90 Unser SVO steht bis zum Schluß auf dem Gaspedal, lediglich in der 90. Minute leistet man
sich eine Unachtsamkeit, die der Chef der Wörther, Spielertrainer Leierseder sofort mit dem
2-5 bestraft.

Resümee: eines Schlußwortes bedarf es eigentlich nicht, nur so viel: Männer! Vielen Dank! Dat war Fußball! Vielen herzlichen Dank, Ihr habt uns einen großartigen Nachmittag geschenkt,
Vergelt’s Gott, merci beaucoup, mille grazie, many thanks! Heute haben wir eine echte
Mannschaft gesehen, die neben den technischen und spielerischen Fertigkeiten alles hatte,
was man sonst noch braucht: bewundernswerte Laufbereitschaft, Biss, Kampfgeist, Gier,
Härte, Willen, Stehvermögen, Cleverness, absolute Präsenz. Vielen, vielen Dank für diesen
Fußballgenuss! Wir freuen uns auf das nächste Match!!!

Aufrufe: 011.8.2021, 08:30 Uhr
Florian DießlAutor