Umgehauen hat es die SSV Höchstädt und Thomas Junginger (links) mit dem voraussichtlichen Abstieg aus der Kreisliga Nord, während sich Schretzheim mit Daniel Schaf (grünes Trikot) gerade noch halten konnte.
Umgehauen hat es die SSV Höchstädt und Thomas Junginger (links) mit dem voraussichtlichen Abstieg aus der Kreisliga Nord, während sich Schretzheim mit Daniel Schaf (grünes Trikot) gerade noch halten konnte. – Foto: Karl Aumiller

Höchstädt hätte lieber eine dritte Kreisliga

Die Rothosen müssen bei Quotienten-Regelung aus der Kreisliga Nord absteigen, während der BC Schretzheim, der SV Kicklingen-Fristingen und der SV Holzheim durch den Saisonabbruch keine Nachteile haben

An der Tabellenspitze der Kreisliga Nord ist die Aufregung über die Quotienten-Regelung gering. Der SV Wörnitzstein-Berg steht bei diesem Ranking – ebenso wie beim Blick auf die aktuelle Tabelle – mit einem ordentlichen Vorsprung auf Rang eins und kann somit in die Bezirksliga aufsteigen. In der hinteren Liga-Region ist die Aufregung vor allen Dingen bei der SSV Höchstädt groß. Der Sportliche Leiter der Rothosen, Johannes Ebermayer, macht deutlich, dass sich sein Verein an einer möglichen Sammelklage gegen den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) beteiligen werde, sollte sein Team neben Schlusslicht SpVgg Riedlingen in den sauren Apfel des Abstiegs beißen müssen.

„Ein Saisonabbruch mit Anwendung der Quotienten-Regelung ist so nicht haltbar“, spricht Ebermayer von Ungerechtigkeiten, mit denen etliche Vereine tangiert wären. Seine SSV Höchstädt war nach dem erfolgten Re-Start im vergangenen Herbst mit zwei Siegen aus zwei Spielen auf einem guten sportlichen Weg und hätte sich nach Ansicht Ebermayers auch durch die personellen Verstärkungen aus der Abstiegszone noch befreit. In der Tat: Höchstädt rückte bei einem Spiel weniger bis auf zwei Punkte an den SV Hainsfarth heran und hätte diesen bei einem weiteren Erfolg, mit der dann gleichen Anzahl an Begegnungen, überholen können. Ebermayer schlägt vor, wegen der besonderen Situation auf Absteiger generell zu verzichten. Damit die Spielklassen dadurch nicht überfüllt werden, könne man zum Beispiel im Kreis Donau neben den Kreisligen Nord und West eine dritte einführen, um weniger Termine zu haben.

Dass die Kicker aus der Herzogstadt überhaupt so in die Bredouille gerieten, lag am total verkorksten Saisonstart im Herbst 2019. Da setzte es in den ersten zehn Spielen bei einem Sieg und zwei Unentschieden sieben Niederlagen, wobei das 0:8 gegen den TSV Oettingen den absoluten Tiefpunkt bedeutete. Unabhängig davon, in welcher Liga die SSV Höchstädt in der kommenden Saison spielt: Der neue Trainer Michael Mayerle wird auf jeden Fall als Nachfolger von Ümit Torsun die Kommandos geben. Der 36-Jährige, der den TSV Binswangen an die Spitze der Kreisklasse Nord II führte, kehrt nach fünf Jahren zu seinem Heimatverein zurück.

Ganz anders als die Rothosen startete der SV Kicklingen-Fristingen in die Saison. Der Neuling, der seine ganze Euphorie des Aufstiegs mit in die neue Spielklasse genommen hatte, war nach 13 Spieltagen sogar Erster und inoffizieller Herbstmeister. Dass es danach nicht mehr ganz so rund lief, führt Abteilungsleiter Peter Reschnauer auf verletzungsbedingte Ausfälle einiger Leistungsträger zurück und auf die zweimalige Unterbrechung der Saison. „Da sind wir schon etwas aus dem Rhythmus gekommen“, stellt Reschnauer fest. Was er von der Quotienten-Regelung halte? Ob sie gerecht ist oder nicht, darauf will sich der Kicklinger Funktionär nicht festlegen. „Was ist im Leben schon gerecht?“, stellt er eine Gegenfrage. Reschnauer glaubt, dass 85 bis 90 Prozent der bayerischen Amateurvereine mit dem vom Verband vorgeschlagenen Prozedere einverstanden sind. Auch sein SV Kicklingen, der als Vierter in der aktuellen Tabelle und auf Platz fünf der Quotienten-Regelung jenseits von Gut und Böse platziert ist. Was Reschnauer am meisten bedauert, ist die Tatsache, dass ohne Spielbetrieb verdienstvolle Akteure und Trainer nicht in einem entsprechenden Rahmen verabschiedet werden können. Dabei denkt der SVK/F-Funktionär insbesondere an Coach Peter Piak, der im Sommer 2018 in die Bertenau gekommen war und nun seinen Platz für Florian Prießnitz (kommt vom TSV Wertingen) freimacht. Wann dieser mit seinem neuen Team das erste Punktspiel bestreiten kann, ist aufgrund der Corona-Krise schwer einzuschätzen: „Vor September geht meines Erachtens nichts“, glaubt Reschnauer nicht an ein schnelles Ende der Pandemie.

Dass der Verband mit dem endgültigen Abbruch der Saison die Reißleine zieht, kann Alexander Bschorer durchaus nachvollziehen. „Irgendeine Entscheidung muss her“, betont der Abteilungsleiter des SV Holzheim. Trotz einiger Härtefälle, wie zum Beispiel die Situation bei der SSV Höchstädt, sei die Anwendung der Quotienten-Regelung die fairste Lösung, so Bschorer. Dem Lokalrivalen von der Donau wünscht der scheidende SVH-Funktionär (er gibt sein Amt in den nächsten Wochen an Timo Czernoch ab) eine gute Zukunft. Wie es sich anfühlt, tief im Keller der Tabelle zu stecken, dieses Gefühl kennen die Holzheimer aus eigener Erfahrung. Nach acht Spieltagen leuchtete am Aschberg mit lediglich drei Punkten die „rote Laterne“. Danach ging es langsam bergauf. Mit dem neuen Trainer Bernd Lipp – er übernahm das Kommando von Oliver Remmert – gab es nach dem Re-Start im vergangenen Herbst aus vier Spielen sieben Punkte. „Dadurch konnten wir uns aus der Abstiegszone entfernen“, freut sich Bschorer, dass seinem Team der Sprung auf den sicheren neunten Platz gelungen ist.

Zwei Plätze hinter den Holzheimern taucht der BC Schretzheim auf. Auch die „Kleeblättler“ bleiben somit in der Liga. „Der Klassenerhalt mit unserer jungen Mannschaft war das Ziel, dieses haben wir erreicht“, ist Abteilungsleiter Christian Seiler zufrieden. Sein Verein akzeptiere den Saisonabbruch mit der Quotienten-Regelung. Nach seiner Ansicht hätte man im Herbst zwei, drei Punktspiele mehr austragen können, wenn man nicht „unnötigerweise mit dem Ligapokal angefangen hätte.“ Wie der SV Holzheim starteten auch die Schretzheimer ohne Form in die Saison. Zum Auftakt gab es gar eine 1:7-Schlappe beim SV Kicklingen, es folgten weitere vier Niederlagen am Stück. Die Wende brachte am sechsten Spieltag ein 5:3-Erfolg gegen die SpVgg Riedlingen. Für die neue Saison schlägt Seiler kleinere Gruppen vor. So könnte man nach seiner Ansicht aus bisher zwei Kreisligen insgesamt vier bilden, um besser mit den Terminen klarzukommen. Froh ist der BCS-Spartenchef, dass Cheftrainer Markus Zengerle an Bord bleibt.

Auf- und Absteiger

Bezirksliga-Aufsteiger: SV Wörnitzstein-Berg
Absteiger aus der Bezirksliga: SV Holzkirchen
Aufsteiger aus den Kreisklassen: TSV Wemding, TSV Binswangen
Absteiger in die Kreisklassen: SpVgg Riedlingen, SSV Höchstädt

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Aufrufe: 6.5.2021, 15:28 Uhr
Wertinger Zeitung / Günther HerdinAutor

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