Landkreisrivalen mit unterschiedlichen Interessen: Während die Fußballer des TSV Peiting (in blauen Trikots, hier eine Szene aus vergangenen Oktober) weiterspielen wollen, fordern die Altenstadter den Saisonabbruch. Beide Vereine spielen in der Kreisliga 2, Peiting hat als Tabellendritter noch Chancen zum Aufstieg.
Landkreisrivalen mit unterschiedlichen Interessen: Während die Fußballer des TSV Peiting (in blauen Trikots, hier eine Szene aus vergangenen Oktober) weiterspielen wollen, fordern die Altenstadter den Saisonabbruch. Beide Vereine spielen in der Kreisliga 2, Peiting hat als Tabellendritter noch Chancen zum Aufstieg. – Foto: Halmel

Kreis Weilheim-Schongau: Vereine fordern klare Entscheidung des BFV

Gespaltenes Meinungsbild zum drohenden Saisonabbruch

Die Vereine aus dem Kreis Weilheim-Schongau diskutieren über den Saisonabbruch. In einem sind sie sich einig: Der BFV sollte zeitnah eine Entscheidung treffen.

Landkreis Weilheim-Schongau Es entspricht dem Naturell der bajuwarischen Seele, vor wichtigen Entscheidungen die Stimme des Volkes zu hören. Markus Söder wollte es vor der Kür des Kanzlerkandidaten der Union so, und auch der Bayerische Fußball-Verband (BFV) fühlt sich dem Votum der Basis verpflichtet. Jedenfalls schrieb er in seinem Vier-Punkte-Plan fest, die Meinung der Vereine einholen zu wollen, ehe er offiziell verfügt, was er seit 15. April auf seiner Homepage plakativ verkündet: „Saison-Abbruch 2019/21 unvermeidbar.“

Vollkommen überzeugt scheinen die Oberen von ihrer Botschaft aber nicht gewesen zu sein, denn nur ein paar Zeilen weiter unten im Text unkte Reinhold Baier, dass mit dem Inkrafttreten der 12. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung noch nicht das letzte Wort in Sachen „Saisonende“ gesprochen sein muss. „Stand heute gilt die Verordnung des Freistaats Bayern jedoch nur bis zum 9. Mai 2021“, stellt der für Rechtsfragen zuständige Vize-Präsident des BFV fest. „Auch wenn wir aufgrund der weiter steigenden Infektionszahlen nicht davon ausgehen, wäre es rein theoretisch noch möglich, einzelne Spieltage bis zum Saisonende am 30. Juli 2021 anzusetzen.“

“Wie lange wollen sie die Vereine noch hinhalten?“ - Verantwortliche aus dem Kreis Weilheim-Schongau vom BFV enttäuscht

Nun muss die unendliche Geschichte der bayerischen Fußball-Bosse nicht gleich das tragische Ende nehmen wie der Södersche Plebiszitversuch. Ein wenig genervt reagiert die Basis aber schon, dass der Termin für eine endgültige Entscheidung nun schon seit Monaten immer wieder von den Verbandsoberen hinausgezögert wird. „Wie lange wollen sie die Vereine noch hinhalten?“, fragt sich Christopher Resch. Nicht nur der Trainer des SV Kinsau stöhnt über das ständige Zaudern der Verantwortlichen in der Verbandszentrale an der Brienner Straße in München und die fehlende Klarheit. „Jetzt haben sie entschieden, dass sie nichts entscheiden“, stellt Klaus Uhlschmied mit einem ironischen Unterton fest, dass wieder einmal ein entschiedenes „vielleicht“ aus München zu hören war. Allerdings kann auch der Abteilungsleiter des FC Wildsteig/Rottenbuch noch keinen festen Beschluss seines Vereins zum Thema „Saisonabbruch“ vorweisen.

Kreis Weilheim-Schongau: gespaltenes Meinungsbild zum drohenden Saisonabbruch

Spricht man mit den Vertretern der Klubs aus dem Landkreis Weilheim-Schongau, zeigt sich eine höchst heterogene Gemengelage. Da gibt es Abteilungsleiter wie Helmut Karg vom SV Polling, für die auf die Gretchenfrage im Fußball-Freistaat Bayern nur eine einzig richtige Antwort existiert: „Ich werde mit Sicherheit dafür stimmen, die Saison abzubrechen“, kündigt der Spartenchef an, dessen Herren-Team in der Kreisliga 1 den Klassenerhalt – Stand jetzt – gerade so geschafft hat. Und dann gibt es Verantwortliche wie Karl Albrecht, die gerade das krasse Gegenteil davon anstreben, was Karg vorschwebt. „Wir würden es bevorzugen, das eine oder andere Spiel noch zu spielen“, gibt der stellvertretende Abteilungsleiter des SC Huglfing zu. Das ist aus seiner Sicht allzu verständlich, denn sein Team würde, wenn alles bliebe, wie es sich aktuell darstellt, als Vorletzter aus der Kreisklasse 3 absteigen.

„Es vertritt jeder seine eigenen Interessen“, konstatiert Martin Wagner emotionslos. Er stellt nüchtern fest, dass sich erst einmal jeder selbst der Nächste ist. Natürlich würde auch der Trainer des FC Penzberg mit seiner Mannschaft gern in die Landesliga aufsteigen, aber irgendwann setzt sich nach einem halben Jahr Pause dann doch die Vernunft durch. „Es sind über zwei Drittel der Saison gespielt“, zieht der Coach ein vorläufiges Fazit. „Da stimmt irgendwo die Tendenz.“ Und die besagt, dass seine Elf nach Punkten Dritter und nach der Quotientenregelung Zweiter in der Bezirksliga Süd ist. Zum Titel reicht es so oder anders nicht. Daher ist für Wagner „das Thema durch“.

„Es macht keinen Sinn, die Saison in die Länge zu ziehen“ - TSV Altenstadt für Saisonabbruch

Nicht anders sieht es Johannes Franz. „Es ist das einzig Richtige, dass man jetzt einen Cut macht“, hofft der Coach des SV Raisting auf das erlösende Ende dieser Saison. Er hat leicht reden, denn seine Mannschaft ist in der Bezirksliga Süd aus dem Gröbsten raus und braucht den Abstieg in die Kreisliga nicht mehr zu fürchten. Sein Blick geht deshalb über den eigenen Tellerrand hinaus. Noch irgendwie ein paar einzelne Spieltage auszurichten, wie es BFV-Mann Baier vorschlägt, hält er „nach der langen Pause für utopisch“. Seine Angst, dass sich seine Kicker verletzen, ist groß, vor allem weil sich nach einer Spielzeit von mittlerweile 22 Monaten eine gewisse Unlust breitgemacht hat. „Jeder hat zur augenblicklichen Saison keinen Bezug mehr.“

Da kann ihm Christoph Schmitt nur beipflichten. Aus den Gesprächen mit seinen Kickern hat der Trainer des TSV Altenstadt einen gewissen Spannungsabfall herausgehört. Daher erübrigt sich für ihn jegliche Diskussion: „Es macht keinen Sinn, die Saison in die Länge zu ziehen“, so Schmitt. Widerspruch erntet er von Uwe Enzmann, der mit seinem TSV Peiting ebenfalls in der Kreisliga 2 beheimatet ist, aber eine ganz andere Situation vorfindet. „Ich bin dafür, dass wir auf jeden Fall weiterspielen“, stellt der TSV-Abteilungsleiter unmissverständlich klar. Dass ihm und seinem Ensemble langsam die Zeit davonläuft, um vielleicht doch noch den Aufstieg zu bewerkstelligen, ist ihm bewusst. Umso energischer wirbt er für seine Position. „Wir brauchen höchstens zwei Wochen zum Training.“

Kreis Weilheim-Schongau: TSV Hohenpeißenberg fordert „weder Auf- noch Absteiger“

Von solchen Vorgängen hält Alexander Sanktjohanser jedoch nicht viel. Auch der Trainer des Kreisklassisten TSV Hohenpeißenberg kann rechnen und weiß, dass seine Elf theoretisch noch die sechs Punkte aufholen könnte, die sie vom Aufstieg in die Kreisliga trennt. „Aber was bringt das?“ fragt sich der Coach. „Wenn ich ein halbes Jahr keinen Ball mehr am Fuß hatte, brauche ich sechs bis acht Wochen, um mich vorzubereiten.“ Eine solche Frist ist aber nur dann sinnvoll, wenn der Verband die Saison noch einmal auf unbestimmte Zeit verlängern würde. Weil ihm die Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens bewusst ist, fordert Sanktjohanser deshalb den Abbruch der Saison mit allen Konsequenzen: „Es soll weder Auf- noch Absteiger geben.“

Mit seiner radikalen Sicht der Dinge ist er nicht allein. „Wir wollen, dass die komplette Saison abgebrochen und annulliert wird“, fordert Thomas Schnaufer. Nach dem Dafürhalten des neu gewählten Abteilungsleiters des BSC Oberhausen, der zusammen mit dem TSV Weilheim eine Spielgemeinschaft bildet, sei „über die gesamte Saison kein richtiger Spielbetrieb zustande gekommen“. Ob seine Argumentation auch damit zu tun hat, dass sein Team in der Kreisklasse 3 auf dem letzten Platz rangiert, ist fast schon egal. Schnaufer will den Abstieg in die A-Klasse nicht ohne weiteres akzeptieren und strebt, wie einige andere Vereine in Bayern auch, eine Revision des neu geschaffenen Paragraphen 93 der Spielordnung des BFV an, der das Prozedere bei einem Saisonabbruch regelt. Gut möglich, dass auch nach dem 30. Juni noch kein Schlussstrich unter die Saison gezogen ist.

(Christian Heinrich)

Aufrufe: 22.4.2021, 10:15 Uhr
Schongauer Nachrichten / Christian HeinrichAutor

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