
Wiesbaden. Die Hypothek war groß für den SV Wiesbaden. Im Relegationsendspiel gegen Gruppenliga-Vizemeister TuRa Niederhöchstadt hätte der Sportverein einen Sieg mit drei Toren Unterschied benötigt, um die Verbandsliga zu halten. Am Ende verlor der SVW im heimischen Helmut-Schön-Sportpark mit 1:2 (0:2) und muss den bitteren Gang in die Gruppenliga antreten (hier im Re-Live des Wiesbadener Kurier anschauen). Aus der Niederhöchstadt nach 18 Jahren entrinnt und erstmals in der Vereinsgeschichte in die Verbandsliga aufsteigt.
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„Grandios“, jubelte TuRa-Coach Bayram Mechmet nach dem Schlusspfiff. Kapitän „Jeff“ Schäfer rang nach Worten: „Das ist surreal. Wir werden das Vereinsheim morgen früh abschließen.“ Auch Philipp Nocht zeigte sich überwältigt: „Wir haben uns das über die ganze Saison erarbeitet, dass wir hier stehen und steigen jetzt in die Verbandsliga auf – einfach geil.“
Auf Seiten des SVW überwog dagegen die Enttäuschung über den Abstieg nach zwei Jahren Verbandsliga. „Es ist extrem schwer Worte zu finden, weil aktuell noch der Schock überwiegt“, gewährte Innenverteidiger Jan Rodwald Einblicke in sein Innenleben. „Es ist ein Resultat der schwachen Rückrunde. Das Spiel war das i-Tüpfelchen im negativen Sinne.“
Nach dem Jahreswechsel gelangen dem SVW lediglich drei Siege, dazu kamen die Niederlagen in beiden Relegationsspielen. „Wir sind nicht heute abgestiegen, sondern wegen der sehr schlechten Leistungen 2026“, sagte Sportlicher Leiter Yildirim Sari deutlich: „Wenn du kontinuierlich in der Rückrunde auf so niedrigem Niveau performst, dann ist die Konsequenz leider der Abstieg.“
Bereits vor dem Spiel stand fest, dass Kapitän Tim Maurer urlaubsbedingt fehlen würde. Für das Hinspiel in Kinzenbach (1:2) hatte er seinen Urlaub noch umgebucht. „Vor einem Monat ist er natürlich auch nicht davon ausgegangen, dass wir Relegation spielen“, erklärte Sari.
Nach ordentlicher Anfangsphase des SVW, in der Yassin Khamal nach einem Standard die beste Chance vergab, zog Deniz Krebs den Gastgebern mit dem ersten Torschuss der Gäste den Stecker (19.). Nur sechs Minuten später erhöhte Philipp Nocht per Traumtor auf 2:0 (25.) und vergrößerte die Hypothek für den Sportverein auf fünf Treffer. „Dann hat man gemerkt, dass die Köpfe der Jungs blockiert waren“, sagte Sari.
Eine Blaupause vieler SVW-Auftritte im Jahr 2026. „Man hat auch heute gesehen, dass uns die offensive Durchschlagskraft fehlt“, analysierte Trainer Daniel Löbelt. Zudem hätten Leistungsträger wie Saki Nakos und Tim Maurer lange gefehlt: „Dann sind wir in eine Spirale geraten, aus der wir nicht mehr rausgekommen sind.“
In seinem letzten Spiel für den SVW musste Nakos, der zu Hellas Schierstein wechselt, mit Verdacht auf einen Zehbruch ausgewechselt werden – eine Szene, die sich nahtlos in den schwarzen Tag des SVW einfügte. Für ihn kam Jason Ptak, der kurz vor Schluss den Ehrentreffer von Kevin Faro einleitete (90.+1).
Viel Trost spendete das den Verantwortlichen nicht. Nun wolle man die Saison aufarbeiten, kündigte Sari an: „Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um für die nächste Saison eine ambitionierte Gruppenliga-Mannschaft aufzustellen.“ Viele Spieler dürften den Verein verlassen, nachdem viele ihre einstige Zusage an den Verbandsliga-Verbleib gekoppelt haben. Dass Trainer Löbelt bleibt, gilt weiter als wahrscheinlich: „Stand jetzt bleibt es dabei", antwortete Löbelt auf Nachfrage. "Natürlich werden wir mit der Vereinsführung nochmal die Köpfe zusammenstecken und ausloten, ob alle fine damit sind."