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Lucky Punch in der Nachspielzeit

SV Waldeck II
0:1
ESV München

Zu eigentümlichem Aprilwetter traf der ESV München in seinem erst dritten Spiel der Rückrunde auf die junge Reserve des SV Waldeck-Obermenzing. Nach einem zuletzt souveränen Sieg über den FC Croatia wollte man das gewonnene Selbstvertrauen nutzen und an eine starke Leistung anknüpfen. Mit dem SV Waldeck II hatte man nun einen Gegner vor der Brust, der am vorangegangenen Spieltag nur knapp dem Tabellenersten aus Fürstenried unterlag und im Kampf um die Nichtabstiegsplätze auf jeden Zähler angewiesen ist. Dementsprechend erwartete man ein intensives und umkämpftes Spiel. Coach Kramer forderte für dieses die nötige Präsenz im Zweikampf und klare Aktionen nach vorne von seiner Mannschaft, welche im Vergleich zum letzten Spiel auf fünf Positionen verändert antrat. Aleks Madelung kam zu seinem Startelfdebüt links hinten, Alex Koch kehrte nach zwei Jahren Pause in die Innenverteidigung zurück, Nicolai Appel begann auf der rechten Mittelfeldseite und Joschka Fessler bildete zusammen mit Stefan Reitberger das neue Mittelfeldzentrum, nachdem beide aufgrund von Krankheit bzw. Verletzung länger ausgefallen waren.

Ein forsch aufspielender SV Waldeck II bereitete dem ESV in den ersten 45 Minuten deutlich Probleme. Defensiv hatte man mit den agilen Angreifern der Waldecker zu kämpfen, während die eigene Offensive fast kaum in das Umschaltspiel eingebunden werden konnte. Immer wieder liefen die Waldecker früh an und brachten die Hintermänner des ESV somit zu flüchtigen Ballverlusten und überhasteten Bällen nach vorne. Ballgewinne in aussichtsreichen Situationen wurden durch schludrige Abspiele oder Ballannahmen wieder hergeschenkt. Nach einer Viertelstunde bekamen die 20 wetterfesten Zuschauer die erste gute Torchance Waldecks zu sehen. Ein Distanzschuss, welcher von ESV-Keeper Dorfmann sehenswert über den Querbalken gelenkt wurde, leitete die stärkste Offensivphase der Hausherren ein. Der ESV fand in dieser Phase des Spiels zu selten den Weg in die Zweikämpfe und ließ die Offensivleute des SVW zu oft gewähren. Ein abgefälschter Schuss nach 25 Minuten hätte den Gastgeber beinahe verdientermaßen in Führung gebracht – Keeper Dorfmann hatte was dagegen. Es war dem ESV-Schlussmann zu verdanken, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine Tore gefallen waren.

Nach der Drangphase der Waldecker glichen sich die Spielanteile zusehends aus. Der Verteidigung des ESV gelang es zunehmend das Spiel durch Ballbesitzpassagen zu beruhigen. Der früh eingewechselte Neuzugang Alejandro König fügte tat dem Spiel der Eisenbahner phasenweise gut. Auch gelang es nun des Öfteren den wiedergenesenen Fessler ins Umschaltspiel des ESV einzubinden, welcher durch das Zentrum die Außenspieler der Eisenbahner immer wieder gekonnt auf die Reise schickte. Kurz vor Abpfiff der ersten Halbzeit, war es dann solch ein Ball, der um Haaresbreite das 1:0 für den ESV eingeleitet hätte. Fessler auf Meixner, Meixner auf Schildwächter – Pfosten. Eine Chance, die gut tat, waren die beiden Stürmer und Goalgetter des ESV bis dato noch kaum in Erscheinung getreten. Allgemein war das Offensivspiel der Eisenbahner insgesamt schlichtweg zu hastig und zu schlampig.

Mit einem torlosen Remis ging es in die Pause. ESV-Trainer Kramer justierte nach und schickte seine Mannschaft nun merklich offensiver ausgerichtet in die zweite Hälfte der Partie. Der genesene Brugger ersetzte den angeschlagenen Esch auf der rechten Abwehrseite. Das Auftreten änderte sich zusehends. Man kam nun deutlich vermehrt auch in der gegnerischen Hälfte in Zweikämpfe und setzte die Waldecker stärker unter Druck. Ballgewinne führten beidseitig zu schnellem Umschalten, wodurch das Spiel massiv an Tempo gewann. Ein offener Schlagabtausch entwickelte sich durch den offensichtlichen Siegeswillen beider Mannschaften. Durch das gestiegene Tempo, gewann das Spiel auch an Robustheit. So wussten sich die Abwehrreihen beider Mannschaften im letzten Moment häufig nur durch ein Foul zu helfen, um den gegnerischen Konter zu unterbinden. Der eingewechselte Tosic schaffte es vermehrt vorne die Bälle fest zu machen, was der Offensive des ESV die Gelegenheit zum Nachrücken gab. Der bis dahin gut leitende, junge Schiedsrichter ließ sich ein wenig von der Hektik anstecken. Die Freistöße des SVW landeten in der Mauer des ESV oder bei Schlussmann Dorfmann. ESV-Freistoßschütze Wustig scheiterte einmal knapp – noch. Gelegentlich gelang es den Eisenbahnern mit einem Pass in die Spitze die Abwehrreihe der Waldecker zu durchbrechen. Schildwächter scheiterte jedoch zunächst an sich selbst und später an dem gut parierenden Waldecker Thomsen. Auf der Gegenseite war die ESV-Defensive um Koch und Roßmanith oftmals im letzten Moment zur Stelle und verhinderte somit Dorfmanns Eingreifen.

Die Partie neigte sich dem Ende, während die Zuschauer auf den berühmten „Lucky Punch“ warteten. Sie sollten ihn zu sehen bekommen. Dieser jedoch war mehr durch Können als durch Glück gekennzeichnet. In der 90. Minute der regulären Spielzeit bekam der ESV einen Freistoß aus 25 Metern in zentraler Position zugesprochen. Der eigens hierfür wieder eingewechselte Wustig fasste sich ein Herz und versenkte den Ball im Kreuzeck (siehe Video). Kurz danach Pfiff der souverän agierende Unparteiische die Partie ab.

Über eine Punkteteilung hätten sich die Eisenbahner vermutlich nicht beschweren dürfen, so setzt sich der ESV jedoch weiter von den unteren Tabellenplätzen ab. Dies ist vor allem den stark aufspielenden Dorfmann und Koch sowie Wustigs Knaller zum Abschluss zu verdanken. Im anstehenden Heimspiel gegen die Reserve des TSV Großhadern am kommenden Samstag gilt es, den Einsatz des Spiels mitzunehmen und spielerisch wieder dem näher zu kommen, was Kramer von seiner Elf erwartet. Dem ESV stehen anstrengende Wochen inkl. Nachholspielen bevor. 8 Spiele innerhalb eines Monats bzw. 7 Spiele in 22 Tagen hat man den rigiden Vorgaben des BFV bei Spielverlegungen zu verdanken. Da fragt man sich in Zukunft zweimal, ob man einem Gegner bei einer Spielverlegung entgegenkommen will, wenn es solche krassen Auswirkungen hat. Allerdings werden diese Wochen zeigen, ob der Blick in der Tabelle weiter nach oben gehen darf oder man wieder in den Abstiegsstrudel gerät.

Autor: LF

Editor: dk

Aufrufe: 015.4.2022, 14:07 Uhr
Jacob RietbergAutor