Der Waldauer Coach Hans-Jürgen Linge kritisiert, die Erlaubnis trainieren und spielen zu dürfen, an den Inzidenzwerten festzumachen.
Der Waldauer Coach Hans-Jürgen Linge kritisiert, die Erlaubnis trainieren und spielen zu dürfen, an den Inzidenzwerten festzumachen. – Foto: SV Waldau

»Vereine und Spieler sollten nicht länger im Dunkeln sitzen!«

Kommt noch ein Re-Start, oder müssen die Amateurfußballer in unserer Region vor der Pandemie und den damit verbundenen hohen Inzidenzwerten doch letztendlich kapitulieren? Die FuPa-Redaktion Kreis Weiden/Amberg hat sich bei einigen Vereinen umgehört und Stimmen eingefangen.

In der montäglichen Ministerpräsidentenkonferenz war der Breitensport kein Thema, bei den aktuell ansteigenden Coronazahlen und einer schon eingetroffenen dritten Welle auch nicht anders zu erwarten. Das bedeutet nun für die Amateurfußballer, dass sie die erhoffte Erlaubnis, bald gemeinsam und dann auch zeitlich ausreichend trainieren zu können, um sich auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs vorzubereiten, erneut „abhaken“ können. Die Hoffnung, nach Ostern ins Training einsteigen zu können und Anfang Mai den Re-Start anzusetzen, ist wie eine Seifenblase zerplatzt. Wann wird der BFV nun reagieren, wann wird er sich entscheiden, abzubrechen? Oder ist weiter Abwarten die Vorgehensweise? Oder würde man den Vereinen gar eine extrem kurze Vorbereitungszeit zumuten?

Hans-Jürgen Linge (50), Coach des Kreisklassisten SV Waldau, fordert wie die meisten Vereine, endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Denn sollte sich Bund und Länder bei der nächsten Zusammenkunft am 12. April dazu durchringen, weitreichende Lockerungen zu erlauben (was schon sehr spät und aktuell nicht im Entferntesten vorstellbar ist), wird nicht gewährleistet, dass man überall wieder Kontaktsport ausüben kann, zu unterschiedlich sind die Inzidenzwerte in den verschiedenen Landkreisen und kreisfreien Städten, speziell in unserer Region. Im folgenden Interview spricht der SVW-Chefanweiser Klartext und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Hans-Jürgen, Wie bewertest Du die aktuelle Situation?

Als Vollblutfußballer zerbricht einem da das Herz. Es ist Wahnsinn, in keinem Bereich gibt es aktuell eine klare Linie, dafür stetig neue Änderungen, Strategien, Verbote, Lockerungen und nun einen Trainings- und Spielbetrieb der von Fallzahlen abhängig ist. Unvorstellbar, dass beispielsweise wo anders gespielt oder trainiert werden darf und 15 Kilometer davon entfernt nicht. Da kennt sich bald ja kein Mensch mehr aus, das kann doch nicht die Lösung sein. Es sollten ausnahmslos für alle die gleichen Verhältnisse gelten, darum sollte man es nicht an den Zahlen festmachen, denn dann würden wir im Grenzgebiet nächstes Jahr noch nicht spielen dürfen. Doch dafür gibt es ja unsere Politik, die werden die richtigen Entscheidungen schon treffen. Was zu unserer Region zu sagen ist, da reicht ein Blick auf die Coronakarte und den aktuellen Zahlen, einfach unfassbar, da fehlen einem die Worte. Und eins ist auch klar: Wenn das so weitergeht, wird es bei uns in den ländlichen Vereinen bald keinen Fußball mehr geben und zwar in allen Bereichen von den Junioren bis zu den Frauen. Da werden sich inzwischen einige andere Hobbys suchen.

Ist Dir schon langweilig so ohne Fußball?

Nein, langweilig ist mir nicht, es ist einfach beschissen, nur Fußball am Bildschirm sehen zu können. Er fehlt an allen Ecken und Enden: Das geht bei den Jungs an, die man seit Monaten nicht mehr gesehen hat. Dann das Training auf dem Platz mit dem Geruch des Grases und schließlich Spiele und die Geselligkeit nach Spiel und Training.

Glaubst Du noch an einen baldigen Re-Start, macht er überhaupt noch Sinn?

Bisher habe ich schon noch daran geglaubt, dass irgendwann in Richtung Ostern mit dem Training auf dem Platz begonnen werden kann. Aber das ist ja durch die Entscheidungen von Montagabend endgültig vom Tisch. Und wenn man dann die Entwicklungen und die damit verbundenen Zahlen in unserer Region verfolgt, sind wir von einem Re-Start, wie es der Stufenplan für Amateurfußball vorsieht, weit entfernt. Ob er noch Sinn macht: In unserer Klasse würden wir die 5 bis 6 Spiele bestimmt noch irgendwie durchziehen können, aber in anderen Ligen, wo noch etliche Matches mehr auszutragen sind, da ist der zeitliche Druck enorm hoch - eine schwierige Angelegenheit!! Sollte im April - so wie es aussieht - oder Anfang Mai noch immer kein Trainingsbetrieb möglich sein, dann ist Abbruch die sinnvollste Entscheidung. Wird es so kommen, ist an eine Saison 21/22 nicht zu denken, da zuerst einmal alle Bereiche in ein normales Leben zurückfinden müssen, nur dann wird auch wieder ein normales Fußballspiel, wie wir es kennen, möglich sein.

Besteht aus Deiner Sicht eine erhöhte Verletzungsgefahr, sollte nun wirklich noch gespielt werden, weil Deine Jungs Wettkampf-Bewegungen einfach nicht mehr gewohnt sind?

Ein klares ja, da immer noch von einer kurzen Vorbereitung gesprochen wird. Man sollte sich mal vor Augen führen, dass die Spieler seit über einem halben Jahr kein Training und keinen Wettbewerb absolviert haben. In diesem Bereich beginnt man ja wieder bei Null.

Wie lange müsste Deiner Meinung nach die Vorbereitungsphase vom ersten Trainingstag bis zum ersten Pflichtspiel dauern?

Vier Wochen Minimum, alles andere würde keinen Sinn machen.

Wie sieht das aktuelle Trainingsprogramm bei Euch aus, hast Du Hausaufgaben verteilt? Kannst Du Dich da auf Deine Jungs verlassen, hat da ein jeder den notwendigen Ehrgeiz und die Selbstdisziplin, für sich selbst zu arbeiten?

Auf Wunsch der Spieler befinden wir uns seit Anfang Februar wieder im Trainingsmodus. Ich versuche abwechslungsreiche Trainingsübungen vorzugeben, doch diese bestehen eben seit Wochen aus Laufeinheiten, Kraft- und Stabilisationsübungen. Es fehlen halt kurze Bewegungen und die fußballspezifischen Inhalte, es fehlt einfach das Fußball spielen. Was die Zuverlässigkeit meiner Truppe betrifft, da kann ich mich voll und ganz auf die Jungs verlassen, die haben alle Ehrgeiz und Disziplin - natürlich der eine oder andere weniger. Die Motivation ist hoch, das sagt schon die hervorragende Trainingsbeteiligung aus.

Wann denkst Du, wird der BFV reagieren und über eine Fortsetzung bzw. Einstellung des Spielbetriebs entscheiden?

Schwierig, ich hoffe nach der Verlängerung des Lockdown bis zum 18. April so bald wie möglich, um die Vereine und Spieler nicht weiter im Dunkeln sitzen zu lassen. Man bewegt sich ja von Woche zu Woche ohne ein klares Ziel vor Augen.

Wie ist die Stimmung in Deiner Truppe?

Was ich im Gespräch mit meinem Kapitän und den Spielern so raus hörte, ist die Stimmung noch recht positiv, alle sehnen natürlich einen Start herbei. Dass die Vorfreunde nun noch größer ist, dafür wurde auch seitens des Vereins einiges getan: Außenanlagen modernisiert, Kabinen erneuert, Vereinsheim verschönert, neue Trainingsutensilien und neue Trainingsbälle liegen bereit. Darum möchte auch jeder, dass es so schnell wie möglich wieder los geht. Aber nicht nur, weil der Fußball jedem fehlt, auch das Kameradschaftliche - was den SV Waldau ja besonders auszeichnet - das Treffen zum Training und Spiel und die gemeinsamen Unternehmungen an den Wochenenden gehen einfach ab.

Gibt es im personellen Bereich Interessantes aus Deiner Truppe zu berichten, vielleicht schon im Hinblick auf die neue Saison?

Das wird sich zeigen, wenn es wieder weiter geht. Aktuell habe ich noch alle Spieler auf meiner Liste und mir ist auch nichts bekannt, dass der eine oder die Saison nicht fertig spielen möchte. In diesem Bereich sind wir also weiter sehr gut aufgestellt. Im Hinblick auf die neue Saison kann man derzeit in Bezug auf Zu- beziehungsweise Abgänge keine Aussagen treffen.

Aufrufe: 025.3.2021, 09:00 Uhr
Werner SchaupertAutor

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