Der Waldauer Chefanweiser Hans-Jürgen Linge (ganz rechts) ist mit der sportlichen Bilanz seiner Mannen im mehr als kuriosen Fußballjahr sehr zufrieden.
Der Waldauer Chefanweiser Hans-Jürgen Linge (ganz rechts) ist mit der sportlichen Bilanz seiner Mannen im mehr als kuriosen Fußballjahr sehr zufrieden. – Foto: Roland Pichl

Linge-Truppe beweist während Corona Charakterstärke

FuPa möchte im Rahmen einer Befragung Einblicke geben, wie die Vereine das wegen Corona mehr als verrückte Fußballjahr 2020 erlebt und welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben.

Auf geht's in die schon zwölfte Runde unserer Interviewreihe mit Trainern und Funktionären der Region. Zum Thema „Erfahrungen im kuriosen Fußballjahr 2020“ haben wir uns mit Hans-Jürgen Linge, Trainer des Tabellendritten der Kreisklasse Ost SV Waldau, unterhalten. Er outet sich dabei als Befürworter der Entscheidung des Verbands, die Saison auf sportlichem Wege zu Ende zu spielen. Beim Thema Corona erzählt uns der in Eslarn wohnhafte Coach, dass er er die vielen pandemiebedingten Einschränkungen hinnimmt und trotz der schwierigen Zeit grundsätzlich versucht, positiv zu denken und den gesunden Menschenverstand walten zu lassen.

Hans-Jürgen, das Fußball-Jahr 2020 - ein Jahr, das man ohne Zweifel in die Kategorie „schnell vergessen“ einordnen kann. Wie sieht Dein ganz persönliches Resümee aus?

Ein schwieriges Jahr ohne Zweifel, das allen Beteiligten viel Energie kostete. Es herrschte ja nach dem ersten Lockdown lange Ungewissheit, wann wir zumindest den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen dürfen, dann von August und dem ersten Testspiel bis zum Re-Start ist auch wieder viel Zeit vergangen. Es war nicht einfach, die Jungs in einem so langen Zeitraum bei Laune zu halten. Doch die Mannschaft hat Charakterstärke bewiesen und das Beste aus der schwierigen Situation gemacht. Das ist uns auch gelungen, darauf kann man stolz sein.


Auch wenn nur wenige Spieltage absolviert wurden, bist Du zufrieden mit der sportlichen Ausbeute heuer?

Wir hatten nach dem Re-Start fünf Test- und vier Saisonspiele. Mit neuem Spielsystem haben es die Jungs richtig gut gemacht, ich bin mit der Entwicklung der jungen Truppe sehr zufrieden. Aktuell Platz drei, ein hervorragendes Etappenziel, sind Jahresübergreifend in der Rückrundentabelle sogar auf dem ersten Platz zu finden. 24 geschossene Tore ist ein Spitzenwert, bei nur 7 Gegentoren die zweitbeste Abwehr, alle im Verein sind mehr als zufrieden. Allerdings hätte ich schon gerne den einen oder anderen Punkt mehr auf unserem Konto gehabt . Fakt ist, dass wir uns noch immer in unserem Zielfenster bewegen, darum werden wir auch die letzten fünf Partien ab Vorbereitungsbeginn im Januar voll in Angriff nehmen. Stolz sind wir auch auf unsere „Zweite“, die mit aktuell 37 Punkten Tabellenführer der B-Klasse ist.


Wie war die Reaktion Deiner Mannschaft auf die hohen Fallzahlen in unserer Region? Gab es Spieler, die keinesfalls trainieren oder spielen wollten, oder andere, die unter Einhaltung der Hygienebestimmungen dennoch „ganz normal“ weiter machen wollten?

Wir hatten am 11. Oktober unser letztes Spiel und danach wäre ja der Ligapokal im November gestartet. Bis dahin waren die Fallzahlen noch nicht so hoch. Unter normalen Umständen hätten wir unter Einhaltung der Hygienebestimmungen und unterstützt durch ein gutes Konzept seitens des Vereins weiter trainiert. Doch bei der aktuellen Situation und den ständig steigenden Fallzahlen wurde dann aus Fürsorgegründen vom Verein selbst ein Trainings- und Spielverbot ausgesprochen.


Gibt es schon Planungen, wie es nach einer hoffentlich erfolgenden Freigabe des Trainingsbetriebes ab Dezember weiter gehen wird bei Euch?

Wir werden sehen, wie sich die aktuelle Lage in allen Bereichen im Januar darstellt. Aktuell und das bis zu einer möglichen Lockerung befindet sich auf alle Fälle ein jeder Spieler des SV Waldau in der Winterpause.


Wie haltet ihr euch während der Winterpause fit?

Wenn es die Politik und die aktuelle Situation erlauben, wird im Januar mit dem Training begonnen. Ob dann mit Individual- oder Gruppentraining oder auch im Fitnessstudio wird sich zeigen.

Wie haltet ihr überhaupt Kontakt in Zeiten von Corona?

Durch die zurzeit vorgegebenen Kontaktbeschränkungen sind die Möglichkeiten, Kontakt zu halten oder zu kommunizieren, eingeschränkt. Bei uns geschieht das – wie wo anders auch - hauptsächlich über Telefon und WhatsApp.


Wie bewertest Du die Entscheidung des BFV, als einziger Landesverband in Deutschland die Saison nicht abzubrechen?

Ich bin wie alle Verein, die bei der Abstimmung für die Fortsetzung gestimmt haben, ein Befürworter der Entscheidung, dass die Saison nicht am grünen Tisch, sondern sportlich auf dem Platz entschieden wird.


Eine Möglichkeit, dem pandemie- oder wetterbedingten Terminstress mit womöglich vielen Nachholspielen zu entgehen, wäre der Wegfall des Ligapokals. Wie stehst Du dazu, oder habt Ihr Euch schon abgemeldet?

Wir haben keinen Terminstress, für diejenigen die noch einige Nachholspiele zu bestreiten haben, wird es natürlich richtig eng werden. Sollte der Ligapokal im März vor den Punktspielen stattfinden, sind wir mit dabei, ansonsten habe ich auch kein Problem damit, wenn es zu keinen Ligapokalspielen käme.


Habt ihr Sorgen, dass einige Spieler im neuen Jahr überhaupt keine Lust mehr auf Fußball haben? Oder haben sich gar schon welche verabschiedet?

Da sehe ich keine größeren Probleme, größtenteils hält die Mannschaft zusammen und das war auch nach der ersten Corona-Pause so der Fall. Dass sich natürlich einige leise verabschieden, ist nicht zu verhindern. Schwieriger stellt sich dieses Thema sicherlich im Juniorenbereich dar.


Hat Corona negative Auswirkungen im finanziellen Bereich bei Deinem Verein erzeugt? Wenn ja, könnt ihr die Ausfälle überhaupt kompensieren?

Ja, natürlich hat es negative Auswirkungen im finanziellen Bereich, da Haupteinnahmequellen wie das Dorffest und der Preisschafkopf weggefallen sind. Die dadurch entstandenen Defizite konnten und können nicht mehr kompensiert werden.


Wie gehst Du ganz persönlich mit der Pandemie um?

Mein Motto lautet: Die Lage so annehmen, wie sie ist und immer positiv denken. Will heißen, die AHA- Regeln einhalten, viel körperliche Bewegung in der freien Natur und einfach aufpassen mit gesundem Menschenverstand.

Aufrufe: 025.11.2020, 10:00 Uhr
Werner SchaupertAutor

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