Im Trikot des damaligen Zweitligisten Wacker Burghausen schaffte Stefan Reisinger den Durchbruch im Profibereich.
Im Trikot des damaligen Zweitligisten Wacker Burghausen schaffte Stefan Reisinger den Durchbruch im Profibereich. – Foto: Imago Images

Landshut statt Profi-NLZ: »Das hat meiner Entwicklung gut getan«

Zweiter Teil des Exportschlager-Interviews mit Stefan Reisinger: Der gebürtige Landshuter blickt auf eine Karriere mit vielen Höhepunkten und einen großen Fehler zurück

Nach der - zumindest in sportlicher Hinsicht - erfolgreich abgeschlossenen "Mission: Impossible" beim KFC Uerdingen, weiß Stefan Reisinger bisher noch nicht, wie es im Sommer weitergeht. Dennoch ist der 39-jährige niederbayerische Exportschlager aus Landshut die Gelassenheit in Person - aufgrund seiner großen Erfahrung im Profi-Fußball. Der ehemalige Stürmer durfte während seiner aktiven Karriere zahlreiche Höhepunkt erleben - machte aber auch einen großen Fehler...

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Ist es für Dich eine Alternative, mit Jürgen Press - in welcher Konstellation auch immer - weiterzumachen?
Ich habe mich gut mit Jürgen Press verstanden und die Mission war erfolgreich. Diese Zusammenarbeit in dieser Konstellation war nur auf diese gemeinsame Zeit, auf dieses eine Projekt beim KFC ausgelegt. (überlegt) In Uerdingen wird es aus bekannten Gründen auf diese Art und Weise nicht weitergehen. Ansonsten kann man im Fußball eigentlich nie irgendetwas ausschließen.

Ist es ein Ziel, den Fußball-Lehrer noch zu machen - und somit vollwertiger Profitrainer zu sein?
Wenn es wirklich so kommt, dass ich im Profifußball weiter als Trainer aktiv sein möchte, was ich bisher noch nicht sagen kann, komme ich nicht drum herum. Nur es gibt ein Problem: Obwohl ich bereits erfolgreich als Teamchef gearbeitet habe, habe ich leider keinen Platz im Lehrgang bekommen. Erschwerend kommt hinzu, dass wegen Corona der diesjährige Kurs ausgefallen ist.

Aus bayerischer Sicht war ja Eure Zusammenarbeit – also die von Dir und Jürgen Press - eine schöne Geschichte. Ihr stammt beide aus dem Freistaat, habt beide eine Vergangenheit bei Wacker Burghausen.
Ja, das stimmt schon und ist eine schöne Sache.

»Wer gerne zur Arbeit gibt, gibt auch sein Bestes«

Ist es so, dass sich Menschen, die aus demselben Eck Deutschlands stammen und deshalb gewisse für die jeweilige Region charakteristische Eigenheiten teilen, besser verstehen?
Interessante Frage. Aber es ist jetzt nicht so, dass sich Jürgen Press und ich besser oder schlechter verstanden haben, weil wir beide aus Bayern kommen. Ich bin auch mit Stefan Krämer beispielsweise gut ausgekommen. Mir ist sowieso Harmonie und gute Zusammenarbeit innerhalb des Trainerteams sehr wichtig. Man sollte ja auch gerne zur Arbeit gehen.

Bist Du überhaupt - nach so vielen Jahren in der Fremde – noch ein typischer Niederbayer?
Was ist ein typischer Niederbayer?

Uns wird nachgesagt, etwas verbohrt und rückständig zu sein. Aber auch, dass wir ehrgeizig und bodenständig sind.
(schmunzelt) Bodenständig und ehrgeizig bin ich. Das andere eher nicht. Ich bin sehr offen und wissbegierig. Nicht nur im Fußballbereich wäre es ein Fehler, nicht nach außen zu blicken oder nicht auf Tipps einzugehen. Nur so kann man sich weiterentwickeln.

Wirst Du im Westen Deutschlands noch erkannt als Niederbayer?
Natürlich. Wenn ich in Krefeld oder Düsseldorf mit irgendjemanden spreche, werde ich aufgrund einer gewissen sprachlichen Einfärbung immer als Bayer oder gar Niederbayer erkannt. Den Dialekt werde ich nie ganz los bekommen. Das ist aber auch schön so. Ich bin heimatverbunden.

Ein Bild aus dem Jahr 1994: Bei der SpVgg Landshut wurde Reisinger (oben, 4.v.r.) ausgebildet.
Ein Bild aus dem Jahr 1994: Bei der SpVgg Landshut wurde Reisinger (oben, 4.v.r.) ausgebildet. – Foto: Reisinger

Warst Du deshalb den Großteil Deiner Karriere in Bayern aktiv?
Ja, durchaus. Zum einen hatte ich natürlich das Glück, dass es sich so ergeben hat, dass ich immer innerhalb Bayerns wechseln konnte. Zum anderen wollte ich das auch so. Im Nachhinein muss ich aber feststellen, in diesem Zusammenhang Fehler gemacht zu haben.

Inwiefern?
Düsseldorf war eine super Zeit. Genauso Freiburg, wo ich auch meine Frau kennengelernt habe. Natürlich konnte ich bei diesen Stationen auch 1. Bundesliga spielen. In Bayern war die Auswahl in dieser Hinsicht nicht so groß.

Bayern München?
Dafür hat's nicht ganz gereicht (lacht).

Der Club?
War aufgrund meiner Fürther Vergangenheit eher schwierig.

Zurück zum Thema: Wo hast Du Fehler gemacht?
Zu meiner Zeit gab es noch keine Nachwuchsleistungszentren, was aber nicht heißen soll, dass meine fußballerische Ausbildung nicht gut war. Bei der SpVgg Landshut habe immer in hochklassigen Jugendligen gespielt. Zudem wurde man ab und an bei älteren Jahrgängen und als junger Bursch im Herrenbereich eingesetzt. Dadurch lernt man schnell, sich durchzusetzen. Gerade volljährig durfte ich mit der „Spiele“ unter Helmut Wirth und Klaus Sturm bereits Bayernliga und später Landesliga spielen. Meiner Entwicklung hat das sehr gut getan.

Wie ging es weiter?
Greuther Fürth hat mich entdeckt. Dort spielte ich zunächst in der Reserve, ehe ich - zusammen übrigens mit Heiko Westermann - in die Zweitliga-Mannschaft hochgezogen worden bin. Ich war also auf einmal Profi, allerdings über einen anderen Weg als heute. Den Durchbruch so richtig geschafft habe ich dann in Burghausen. Ich war ein junger deutscher Stürmer, habe gut getroffen. Trotz Angeboten aus der Bundesliga bin ich in Bayern geblieben und zu Sechzig gewechselt. Damals war es für mich der richtige Schritt, heute musss ich feststellen, dass das wohl ein Fehler war. Ich hätte es gleich in der 1. Liga probieren sollen.

»In Burghausen erlebte ich eine super geile Zeit«

Hat das Herz über den Kopf gesiegt?
Ja, absolut. Die Löwen waren mein Traumverein. Im meiner Familie gibt es viele 60-Fans. Der Reiz, mit dem TSV in die 1. Liga aufzusteigen, was sehr groß - und das auch noch im ersten Jahr in der Allianz Arena. Leider hat es nicht geklappt.

Vielleicht gelingt Dir der Bundesliga-Aufstieg mit dem Löwen noch als Trainer.
Das wär's (lacht herzlich).

So kam es aber letztlich, dass Du erst mit knapp 30 Jahren Bundesliga-Spieler wurdest.
Zum Glück hat es am Ende doch noch geklappt, ja. Das war schon versöhnlich.

Ein Blick auf Deine Stationen macht deutlich, dass Du wohl in Fürth am besten zurechtgekommen bist. Dort warst Du zweimal und insgesamt am längsten.
Der Verein, bei dem man Profi wird, hat immer einen besonderen Status. Ich möchte aber nicht vergleichen. Jede Station hatte ihre schönen Seiten.

In seiner Blütezeit lief der Landshuter für Fortuna Düsseldorf in der 1. Bundesliga auf.
In seiner Blütezeit lief der Landshuter für Fortuna Düsseldorf in der 1. Bundesliga auf. – Foto: FuPa-Archiv

Anderer Ansatzpunkt: Wacker Burghausen war Deine erfolgreichste Zeit - allein schon wegen der Torausbeute.
Ich bin zu Wacker gewechselt, weil ich mir dort mehr Einsatzminuten erhofft habe als in Fürth. Und ich wurde Stammspieler und habe auch viele Tore gemacht. Eine super geile Zeit. Das war die genau richtige Entscheidung damals. Generell kann ich auf einige Highlights zurückblicken.

Zum Beispiel.
Mein erstes Bundesliga-Tor habe ich für Freiburg gegen die Bayern gemacht. Das war überragend. Sowas vergisst man nie. Höhepunkt waren auch die Erstliga-Spiele mit Düsseldorf nach dem Aufstieg. Da ging vor 50.000 Zuschauern die Post ab.

Tolle Erlebnisse, die wohl nicht mehr getoppt werden können - oder?
Wenn ich ganz ehrlich bin, mache ich mir nicht so viele Gedanken, was noch kommen wird. Ich denke, das letzte Jahr hat uns gezeigt, dass Gesundheit an allererster Stelle stehen sollte.

Schöne Worte zum Abschluss. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute.

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Aufrufe: 11.6.2021, 04:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor

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