Haupt: „Nicht nur Zeitvertreib, ich möchte auch weiterkommen“

Neu-Trainer des ASV Dachau im großen Interview

Der ASV Dachau hat einen neuen Trainer: Manuel Haupt übernimmt zur neuen Saison den Posten. Im großen Interview erzählt er von signifikanten Erlebnissen seiner bisherigen Karriere.

Freising – Seit 2019 trainiert Manuel Haupt den SV Vötting. Zur neuen Saison wird er nun den Landesligisten ASV Dachau übernehmen. Im Interview erzählt der Coach, wie er in Kammerberg zum Trainer wurde, wie er seinen Abschied plant und warum es in Vötting auch manchmal zu Reibereien mit seinen Schützlingen kam.

Wann ist denn die Entscheidung gefallen, dass es Sie nächste Saison zum ASV Dachau zieht? Der ASV Dachau hat mich Anfang März kontaktiert und wollte mich als neuen Trainer. Wir haben uns dann persönlich getroffen, hatten gute Gespräche und sind zusammengekommen. Der ASV spielt momentan ja in der Landesliga, könnte eventuell aber noch absteigen in die Bezirksliga. In jedem Fall wäre das höherklassiger Fußball als beim SV Vötting.

War das der Hauptgrund, warum Sie sich letztendlich für den Wechsel entschieden haben? Ja, das war sicherlich ein Hauptgrund für den Wechsel. Wer mich kennt, weiß dass ich sehr ehrgeizig bin, daher ist das für mich eine interessante Aufgabe beim ASV. Klar, in der Landesliga zu spielen, wäre schön, aber auch die Bezirksliga ist eine interessante Spielklasse.

“Im Laufe der vier Jahre haben wir uns dann weiterentwickelt und in der Bezirksliga etabliert.“

2015 haben Sie als Spielertrainer bei der SpVgg Kammerberg angefangen und sind dann Stück für Stück immer mehr zum Trainer geworden. War Ihr Anfang also eher ein schleichender Übergang? Nein, das würde ich nicht so sagen. Ich habe in Kammerberg als Spielertrainer angefagen, aber als Spielertrainer ist man mehr Trainer als Spieler. Die ersten beiden Jahre habe ich – sofern ich verletzungsfrei war – immer gespielt. Im dritten und vierten Jahr habe ich mich dann Stück für Stück zurückgenommen. Teilweise verletzungsbedingt, der Hauptgrund war aber die Entwicklung der Mannschaft: die ersten Jahre haben die Jungs einfach noch mehr Unterstützung auf dem Platz gebraucht. Später waren wir dann gut eingespielt. Die Jungs haben sich gut entwickelt, daher habe ich dann lieber den Jungs die Chance gegeben regelmäßig zu spielen, anstatt selber zu spielen. Die Entwicklung konnte man nicht nur auf dem Platz erkennen, sondern hat sich auch positiv auf die Tabelle ausgewirkt.

Genau, tabellarisch gab es auf jeden Fall einen Positivtrend in den vier Jahren. Man muss auch die Voraussetzungen in Kammerberg kennen. Das war alles andere als ein Selbstläufer, sich in der Bezirksliga zu halten. Als ich angefangen hab, mussten wir sehr viele neue Spieler holen, ausschließlich von unterklassigen Vereinen und trotzdem sind wir in der Liga geblieben. Im Laufe der vier Jahre haben wir uns dann weiterentwickelt und in der Bezirksliga etabliert.

Nach diesen vier Jahren ging es dann 2019 zum SV Vötting, der damals in die Kreisklasse abgestiegen war. Warum haben Sie freiwillig diesen sportlichen Rückschritt gemacht? Die vier Jahre in Kammerberg waren sehr intensiv. Außerdem habe ich zu dieser Zeit ein Haus gebaut. Ich wollte aber keine Pause machen, daher kam die Gelegenheit Trainer in Vötting zu werden zum richtigen Zeitpunkt.

„Ich würde schon gerne nochmal mit den Jungs auf dem Platz stehen“

Sie sind ja jetzt fast zwei Jahre beim SVV. Trotzdem haben Sie letztendlich bloß 18 Pflichtspiele bestritten. Ja, leider. Es ist schon komisch, in so einer Situation aufzuhören. Am liebsten wäre mir natürlich, wenn wir die Saison doch noch irgendwie auf dem Platz zu Ende bringen könnten. Auch wenn ich das persönlich als unrealistisch einschätze. Ich würde schon gern nochmal mit den Jungs auf dem Platz stehen. Und aus dem Aufstiegsrennen sind wir natürlich auch noch nicht raus. Wir hätten alles noch in der eigenen Hand.

Wie blicken Sie denn sportlich auf die zwei Jahre zurück? Ich glaube, dass sich jeder einzelne Spieler weiter entwickelt hat, obwohl das so eine zerstückelte Saison war. Wir hatten in Vötting ja auch einen kleinen Umbruch. Auch unter dem Jahr haben einige wichtige Spieler aufgehört, aber wir haben es trotzdem geschafft, uns zu verbessern. Nach dem Restart hatten wir ein paar Probleme. Aber trotzdem bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass wir – wenn wir weiterspielen würden – eine gute Chance hätten, aufzusteigen. Ich hatte in Vötting aber auch sehr gute Voraussetzungen. Der Verein ist für die Kreisklasse sehr gut geführt und die Mannschaft ist noch sehr jung und hat riesiges Potenzial. Alles in allem hatte ich eine gute Zeit bei einem tollen Verein.

Ihr habt euch nach dem Abstieg aus der Kreisliga knallhart verjüngt. War das eine besondere Herausforderung als Trainer? Nein, das sind ja alles gute Jungs. Wir hatten gleich zu Beginn drei Spieler aus der A-Jugend fest zu uns hochgezogen, die sofort Fuß gefasst haben, regelmäßig gespielt und sich etabliert haben. Eine Stärke von mir als Trainer ist, dass ich die Jungs gut weiterentwickeln kann und bei den Jungen sieht man dann relativ schnell Verbesserungen.

Trainer zu sein ist für Haupt nicht nur ein Zeitvertreib

Michael Dietrich, Abteilungsleiter vom ASV Dachau, sagt den Dachauer Nachrichten über Sie: „Er ist einer, der seine Philosophie durchdrücken will und kleinere Reibereien nicht scheut. Das gefällt mir“ Gab es solche Reiberein in Vötting oder bezieht er sich auf etwas anderes? (Haupt lacht). Da müssen Sie den Michael selber fragen, aber er hat natürlich auch seine Quellen. Aber klar ist es so, ich habe meine Meinung und Vorstellungen und zu denen stehe ich auch. Auch in Vötting gab es die ein oder andere Meinungsverschiedenheit. Ich denke, das ist auch ganz normal. Es war für die Spieler sicher auch eine Umstellung, mich als Trainer zu haben. Ich habe hohe Ansprüche an mich, aber auch an die Jungs. Für mich ist das nicht nur Zeitvertreib, sondern ich möchte auch weiterkommen. Deshalb erwarte ich für die Kreisklasse sicherlich verhältnismäßig sehr viel von den Jungs. Ich möchte, dass alle mit dem Kopf dabei sind und nicht nur körperlich anwesend.

Bei Ihrem Anspruch ist der Schritt in die Landesliga ja nur konsequent. Ja, ich habe selber lange in der Landesliga gespielt. Meine Erwartungen bzw. Ansprüche passen wahrscheinlich besser zu einem Landes- oder Bezirksligaverein.

(SEBASTIAN BERGSTEINER)

Aufrufe: 019.4.2021, 08:19 Uhr
Freisinger Tagblatt / Redaktion FreisingAutor

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