Mögliche Ligareform im Kreis Zugspitz: Mehr Feuer durch Aufstiegsrunden?

Mehrjähriges Pilotprojekt

Die bekannte Liga-Spielform im Amateurfußball könnte schon bald von einer neuen abgelöst werden. Dabei will der Kreis Zugspitze mit einem zwei- bis dreijährigen Pilotprojekt vorangehen.

Landkreis – Kernpunkt ist die Aufteilung der Saison in zwei Abschnitte. Der erste soll bis zur Winterpause gehen, anschließend sollen alle Ligen aufgeteilt werden in Auf- und Abstiegsrunden – und das jedes Jahr aufs Neue.

Die Details zu diesem Modell, das ab der kommenden Saison 2021/22 zum Tragen kommen soll, stellte Heinz Eckl, Kreisvorsitzender des Spielkreises Zugspitze im Bayerischen Fußball-Verband (BFV), jüngst knapp 250 Vereinsverantwortlichen und Interessierten in einem Webinar vor. Er warb für die Neuerung und stellte klar, dass man nach Ende des Pilotprojekt-Zeitraums zum bisherigen Spielmodell zurückkehren könne. Auch andere Spielkreise wie München, Donau/Isar und Inn/Salzach seien bereits an dem neuen Modus interessiert, so Eckl.

Grundlage des Projekts

Die Grundidee einer Modifikation sei bereits zwei Jahre alt, erzählte Eckl in seiner Einführung. Die Corona-Pandemie habe aber dafür gesorgt, dass die Pläne zunächst auf Eis gelegt worden waren, um sie anschließend wieder aufzugreifen und in den vergangenen Wochen und Monaten weiter zu verändern und anzupassen. Nun, da bezüglich der Pandemie ein wenig Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, sei der richtige Zeitpunkt gekommen, die Vereine über das geplante Pilotprojekt zu informieren. Bei der Ausarbeitung mitgewirkt hätten 20 Vereinsvertreter.

Generelle Idee

Worum geht es in dem Pilotprojekt? Ziel sei vor allem, etwas Neues zu wagen, mehr Derbys zu erhalten und mehr spannende Spiele zu generieren, damit es für möglichst viele Teams möglichst lange um etwas gehe, erklärte Eckl. Dafür soll von der Kreisliga abwärts die Anzahl der Gruppen pro Spielklasse erhöht werden, die Anzahl der Mannschaften darin wiederum deutlich reduziert. Die Einteilung soll erfolgen nach den Kriterien Vorjahresleistung, Regionalität und gemeinsame Heimspieltage für mehrere Mannschaften innerhalb eines Vereins.

„Wir lassen niemanden kreuz und quer durch den Kreis Zugspitze fahren“, stellte Eckl klar. In den Gruppen der ersten Saisonhälfte sollen alle Hin- und Rückspiele im Zeitraum Anfang/Mitte August bis Anfang/Mitte November stattfinden. Anschließend werden die Gruppen geteilt. Die Topteams nehmen dann an einer Aufstiegsrunde teil, die übrigen Mannschaften an einer Abstiegsrunde – für die C-Klasse gibt es ein anderes System wegen des nicht möglichen Abstiegs.

In diese zweite Saisonhälfte, die von Ende März bis Ende Mai/Anfang Juni laufen soll, nehmen alle Teams Bonuspunkte gemäß ihres Tabellenplatzes mit. Generell ist die Verteilung: Platz eins bekommt sechs Bonuspunkte zum Auftakt in die Aufstiegsrunde, Platz zwei erhält vier und Platz drei bekommt zwei; der Tabellenvierte nimmt sechs Punkte mit in die Abstiegsrunde, der Fünfte vier Punkte, der Sechste zwei Punkte, der Siebte und Achte je einen Punkt. Auch die zweite Saisonhälfte soll in Gruppen mit Hin- und Rückspielen absolviert werden, aber mit noch weniger Teams pro Gruppe. Für alle Mannschaften in der Aufstiegsrunde geht es um Aufstieg und Aufstiegsrelegation, für alle in der Abstiegsrunde um den Klassenerhalt, gegebenenfalls auch über eine Relegation. Die Anzahl der Teams und Gruppen in beiden Saisonhälften werden für jede Spielklasse individuell bestimmt, abhängig von der Zahl gemeldeter Mannschaften.

Vereine stimmen ab

Bis zum 19. April haben die Vereine im Kreis Zugspitze nun Zeit, über den Vorschlag abzustimmen. Dabei geht es auch um die Frage, ob die klassische Relegation mit Hin- und Rückspiel durch ein Play-off-System ersetzt werden soll. Dieses würde nach dem Prinzip „Best of three“ gespielt, man bräuchte zum Weiterkommen also zwei Siege aus maximal drei Duellen mit dem gleichen Gegner.

Zudem steht die Länge des Pilotprojekts – zwei oder drei Jahre – zur Disposition. Sollten mindestens zwei Drittel der Vereine sich für das neue Spielmodell aussprechen, soll es zur kommenden Saison eingeführt werden. „Lasst es gedeihen, tauscht euch aus“, sagte Eckl.

Zusatzregeln

Direkt ins neue Spielmodell integriert würde die Quotientenregel. Sollten also in der Winterpause nicht alle Teams gleich viele Partien gespielt haben – beispielsweise wegen unterschiedlich starker Gruppengrößen oder wegen des Zeitdrucks – käme die Regelung (eingefahrene Punkte geteilt durch absolvierte Spiele) zum Tragen, um Ranglisten zu erstellen. „Nur wenn nötig“, wie Heinz Eckl betonte.

Damit es möglichst nie dazu kommt, dass nicht alle Nachholspiele bis Mitte November ausgetragen sind, haben die Spielleiter künftig eine neue Berechtigung: An den jeweils letzten vier Spieltagen der beiden Saisonhälften dürfen sie einen Heimrechttausch ansetzen, sollte ein Team etwa auf Unbespielbarkeit des eigenen Rasens plädieren. So wolle man eventuellen Manipulationen und unrechtmäßigen Spielabsagen vorbeugen, erklärte der Zugspitze-Kreis-Chef Eckl. Auch die Ansetzung von Partien auf neutralem Platz sei in diesem Zusammenhang möglich.

(Michael Grözinger)

Die geplante Reform am Beispiel Kreisklasse

Statt bisher in vier Ligen verteilen sich die insgesamt 57 Teams (so viele sind in der Saison 2019/20 in der Kreisklasse am Start) in der ersten Saisonhälfte auf acht Spielgruppen, eine mit acht, sieben mit jeweils sieben Teams. Von Anfang August bis Anfang November stehen 14 Spieltage mit Hin- und Rückspiel auf dem Programm. Die Plätze1bis 3 (insgesamt 24 Mannschaften) starten im Frühjahr in die Aufstiegsrunde, die in vier Gruppen mitje sechs Teams ausgespielt wird – von Ende März bis Ende Mai. Die vier Erstplatzierten steigen in die Kreisliga auf. Die Zweitplatzierten treten in der Relegation gegen vier Kreisligisten an. Die verbleibenden 33 Teams kämpfen in der Abstiegsrunde in sechs Gruppen (drei mit sechs, drei mit fünf Vereinen) um den Klassenerhalt. Die sechs Tabellenletzten steigen direkt ab. Die sechs Vorletzten gehen in die Relegation gegen die sechs Tabellenzweiten der A-Klassen-Aufstiegsrunde. Als zusätzlichen Anreiz gibt es am Ende der SommerHerbst-Runde pro Tabellenplatz Bonuspunkte, die jedes Team ins Frühjahr mitnimmt.

(Rudi Stallein)

Aufrufe: 25.3.2021, 09:12 Uhr
Isar-Loisachbote / Michael GrözingerAutor

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