
Eigentlich sah der SV Sonsbeck wie der sichere und verdiente Sieger im Oberliga-Duell mit der Holzheimer SG aus, doch am Ende rächte sich die ausbaufähige Chancenverwertung. Die Konkurrenten im Abstiegskampf trennten sich 2:2 (1:0).
Mit 2:0 lag der SVS in Front, die 89. Minute lief, als der Gast, der alles nach vorne warf, einen langen Ball schlug. Keeper Jan Fauseweh eilte aus seinem Kasten, der Torwart-Ruf gellte, doch beim Fangen passierte das Unheil. „Ich bin umgeknickt“, berichtete der Keeper später mit dick bandagiertem Knöchel. Der Ball jedenfalls rutschte ihm dabei aus den Armen, Fawad Mirzada staubte zum 1:2 ab (89.). Fauseweh musste ausgewechselt werden, was bei einem überraschenden Torwartwechsel naturgemäß etwas dauert.
Während die Gäste nun noch eine Chance witterten, begann beim SV Sonsbeck offensichtlich das Nachdenken. Und so wurden mitunter falsche Entscheidungen getroffen. Wurde in Homberg am Schluss bei der 2:1-Führung noch clever der Ball Richtung gegnerischer Eckfahne gedroschen und nachgerückt, bekam der SVS diesmal das Leder nicht hinten raus. Und so gab es einen langen Einwurf, der verlängert wurde, „der Ball fällt in den Strafraum und von uns bekommt keiner einen Fuß dahin“, monierte Kapitän Robin Schoofs später. Stattdessen trifft Abdelkarim Afkir den Ball, der ins Toreck kullerte und zumindest aus der Ferne nicht ganz unhaltbar schien.
„Zwei sehr doofe Gegentore auch aufgrund von individuellen Fehlern“, klagte Trainer Heinrich Losing. Große Vorwürfe wollte er seiner Mannschaft nicht machen, denn „eigentlich ist alles aufgegangen, wie wir das geplant hatten, nur am Ende das Ergebnis nicht“. Die Vielzahl an Chancen, die seine Elf nach guten Kontern oder Standards hat liegen lassen, wollte er nicht ins Spiel bringen. „Wenn du in der 89. Minute 2:0 führst, musst du das Spiel einfach nach Hause bringen.“
Tatsächlich überzeugte Sonsbeck in der Summe auch. Gut, schönen Fußball gab es nicht zu sehen, aber Kampf, Einsatz, Leidenschaft und auch Wille stimmten bei jedem Einzelnen. Und so stemmte sich der SV Sonsbeck gegen den Gast, wollte vor den rund 350 Zuschauern an den jüngsten Erfolg in Homberg anknüpfen. Hohes Anlaufen und lange Bälle auf die Spitzen schienen auch gegen die Neusser ein gutes Rezept.
Vor allem Zweikämpfe und zweite Bälle sahen am Ende meistens die Hausherren im Ballbesitz. Dann gelang es immer wieder, das Spielgerät zentral durchzustecken. Mal war der Adressat Klaus Keisers, mal Daniel Raul, mal Niklas Binn oder Marco de Stefano. Das gelang zwar nicht immer, aber dadurch, dass immer wieder ein anderer durchstartete, hatte es die Innenverteidigung der Neusser schwer.
Binn war am dichtesten am Treffer, als er den Steilpass erlief, aber nicht nur über den Torwart, sondern auch übers Tor spitzelte. Dabei rauschte er mit dem Keeper zusammen, doch Strafstoßforderungen der Gastgeber erhörte der Schiri nicht.
Doch zwei Minuten später traf Tymoteusz Miller per Kopf zur verdienten Führung. Marco de Stefano hatte sich links durchgespielt, den Abschluss gesucht, war aber am Neusser Kultscher gescheitert, der Nachschuss prallte ab und segelte hoch in den Fünf-Meter-Raum, wo Miller seine Länge ins Spiel brachte und sicher einnickte (35.).
Es gab weitere Chancen, doch vor allem Binn hatte das Pech gepachtete und seine Abschlüsse gingen allesamt am Kasten vorbei. Aber auch Raul oder Linus Krajac wollten es zu genau machen, so dass zunächst nur zwei Aluminiumtreffer raussprangen.
Auch Holzheim wollte mehr, drücke auf den Ausgleich und hatte auch zwei Aluminiumtreffer. Schließlich fiel doch das letztlich trügerische 2:0. Binn bereitete schön auf der rechten Bahn vor, legte in den Fünfer und de Stefano schloss ab, und der noch abgefälschte Ball flog über den machtlosen Kultscher ins Netz (71.).
Es spielten Fauseweh (90. Mehmedovic) – Martens, Elspaß, Schoofs, Leurs – Binn (80. Pokora), Miller, Krajac (86. Güngör), de Stefano (90.+1 Meier) – Raul (82. Sahintürk), Keisers.
Tore 1:0 Miller (35.), 2:0 de Stefano (71.), 2:1 Mirzada (89.), 2:2 Afkir (90.+5).