Mergim Bajrami stellte sich den Fragen von FuPa-Reporter Dieter Rebel.
Mergim Bajrami stellte sich den Fragen von FuPa-Reporter Dieter Rebel. – Foto: Rebel

»Ich bin der geborene Straßenfußballer«

Das große Interview mit Mergim Bajrami (26) vom SV Seligenporten

Er ist der Spielmacher im "Kloster": Mergim Bajrami hat mit seinen 26 Jahren schon einiges gesehen und erlebt in seiner Laufbahn. Wir haben mit der Nummer 10 des SV Seligenporten ausführlich gesprochen. Ein Leben ohne Fußball, Corona-Erkrankung, Zukunftsplanung und vieles mehr!

FuPa: Mergim, genannt "Gimi, du hast mal gesagt, du bist gerne länger am Ball. Im Moment kannst du überhaupt nicht am Ball sein. Was macht das mit dir, spürst du eine innere Unruhe?
Mergim Bajrami (26): Ja, ich spüre definitiv ein Unruhe. Ich kann im Moment nur laufen und Oberkörpertraining machen, aber mehr geht einfach nicht. Prinzipiell würde ich mich als Techniker bezeichen, das habe ich von klein auf gelernt - und das verlernt man auch nicht. Also, ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mein Ballgefühl verliere. Das ist wieder da, sobald es auf den Platz geht. (schmunzelt)

Ein gutes Jahr lang geht jetzt so gut wie gar nichts. Wie sehr nimmt dich das mit, dass du ein Jahr deiner Karriere quasi verloren hast - und es ist ja immer noch nicht vorbei. Ist der Frust darüber groß?
Es ist schon sehr, sehr bitter. Fußballerisch ein Jahr für nichts, das muss man deutlich so sagen. Eigentlich müsste ich jetzt mit 25 hier stehen und mich womöglich nochmal in der Regionalliga beweisen. Jetzt habe ich aber ein Jahr verloren. Das Jahr hat ja nicht nur mich persönlich getroffen, sondern hat uns als Verein bzw. als Mannschaft total aus dem Rhythmus gebracht.


Corona-Erkrankung beim Mergim Bajrami: Drei Wochen nichts geschmeckt.


Bist du mit Corona schon in Berührung gekommen?
Ja, ich war selbst an Corona erkrankt. Das war vor ungefähr eineinhalb Monaten. Ich hatte Fieber, Husten, Schnupfen - wie bei einem grippalen Infekt. Das ekligste und schlimmste dabei war, dass ich drei Wochen lang keinen Geschmacks- und Geruchssinn mehr hatte. Ich konnte kaum mehr was essen, habe daraufhin einige Kilos abgenommen. Die habe ich allerdings wieder zugelegt, als ich wieder etwas essen konnte. Ich war dann wieder gesund, aber die anschließenden drei Tests waren weiterhin positiv. Irgendwann war mein Ct-Wert (gibt Auskunft, wie ansteckend eine Person ist. Je höher der gefundene Ct-Wert ist, desto niedriger ist die ursprüngliche Viruskonzentration in der untersuchten Probe; Anm.Red.) aber so hoch, dass ich trotz eines Positivtests wieder in die Arbeit durfte. Alles in allem war ich drei Woche zuhause.

Spielt vielleicht Fußball gar keine so große Rolle mehr wie vor der Pandemie?
Das stimmt tatsächlich. Ich habe davor viel mehr wert auf Fußball gelegt, jetzt aktuell steht der berufliche Werdegang im Fokus.

Was machst du beruflich?
Ich bin Automobilkaufmann und habe einen super Job. Davor war immer Fußball, Fußball, Fußball.

Wirkt sich diese extrem lange Pause auf deine Karriereplanung aus?
Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich meine Planungen aufgrund der Pandemie komplett über den Haufen geworfen habe. Ich werde weiterhin versuchen, das Beste daraus zu machen.

Ballverliebt: Mergim Bajrami liebt es, die Kugel am Fuß zu haben.l
Ballverliebt: Mergim Bajrami liebt es, die Kugel am Fuß zu haben.l – Foto: Helmut Weiderer


Du hattest immer den Traum Profifußballer: Ist der mit 26 und nach fast einem Jahr Pause begraben?
Hm. (überlegt) Ich sag`s mal so: Möglich ist im Fußball alles. Nein, den Traum will ich noch nicht begraben. (schmunzelt) Es wäre super schön, wenn`s vielleicht noch klappen würde. Aber es ist jetzt nicht so, dass es mein absolutes Ziel ist. Der Fokus hat sich wie gesagt schon verschoben. Ich bin glücklich, so wie es momentan ist.

Lässt sich dein Job gut mit semiprofessionellem Fußball verbinden oder bringt es manchmal Probleme mit sich?
Normalerweise lässt sich das gut verbinden. Es kommt halt auch immer auf die Arbeitszeiten drauf an. Zum Glück setzt unser Coach Gerd Klaus, zu dem ich einen super Draht habe, das Training eben eine halbe Stunde später an, wenn ich mal länger arbeiten muss. Und wenn`s dann wirklich mal zu einer Terminkollision kommt, lässt mich mein Vorgesetzter auch mal früher gehen. (lacht)

Du gilst als torgefährlicher Offensivdribbler. Wo agierst du am liebsten und wo siehst du selbst deine größten Stärken?
Ich bin ein Spieler, der gerne versucht, immer das Spiel zu machen. Ich gehe aber auch sehr gerne in die tiefen Räume rein. Auf der Zehn im zentralen Mittelfeld fühle ich mich am wohlsten. Aber eigentlich habe ich keine starre Position, ich bewege mich überall hin. Meine größte Stärke ist dabei das Eins-gegen-Eins. Ich lege mich mal fest: Ich gewinne 90 Prozent meiner Duelle. (grinst)


»Vielleicht war es deshalb die falsche Entscheidung, Fürth zu verlassen.«


Die Zeit in Fürth war vielversprechend: Warum hat’s beim Kleeblatt nicht für den Durchbruch gereicht?
Ich bin damals vom Bayernligisten Forchheim nach Fürth. Und das erste Jahr beim Kleeblatt lief richtig gut für mich. Fünf Tore und acht Assists habe ich gemacht! Im zweiten Jahr habe ich daraufhin eine Vertragsverlängerung für die nächsten beiden Spielzeiten unterschrieben. Mit unserem damaligen Coach Thomas Kleine hatte ich ein überragendes Verhältnis. Er hat mir dann auch immer erklärt, warum ich nicht gespielt habe, wenn von den Profis einer zur zweiten Mannschaft runterkam. Es lief ziemlich gut, ich hatte auch andere gute Angebote. Dann wurde aber Ramazan Yildirim Sportlicher Leiter und der war nicht unbedingt der größte Fan von mir. Unter ihm wollte ich dann nicht mehr bleiben. Anschließend kam Timo Rost als Trainer, und ich weiß, auf welche Typen Timo Rost setzt. Vielleicht war es deshalb die falsche Entscheidung, Fürth zu verlassen.

Wie blickst du auf deine Zeit in Bayreuth zurück? Seid ihr im Guten auseinander gegangen?
Wir sind eher kontaktlos auseinandergegangen. Wolfgang Mahr hatte mich damals nach Bayreuth geholt. Zunächst waren alle begeistert von mir, auch der Trainer Christian Stadler. Als es aber nicht lief, wurde irgendwie die Schuld nur bei mir gesucht. Auch in den Videoanalysen war ich immer der Schuldige. Das war so ein "Down-Moment" für mich. Dann kam Albersinger als Trainer und ich habe mal gespielt, dann wieder nicht. Das war mir dann den Aufwand mit 100 Kilometer einfache Fahrtstrecke nicht wert. Deshalb habe ich meinen Vertrag aufgelöst und bin zum SV Seligenporten.

Mergim Bajrami (Bildmitte) gibt mit den Takt im Offensivspiel des SV Seligenporten vor.
Mergim Bajrami (Bildmitte) gibt mit den Takt im Offensivspiel des SV Seligenporten vor. – Foto: Simon Tschannerl


Seit drei Jahren bist du nun in Seligenporten: Was macht für dich den Charme im "Klosterdorf" aus?
Wir haben eine Mannschaft, die sich überragend versteht. Bei uns gibt`s keine Grüppchenbildung. Ich bin der Meinung, vom Charakter her haben wir das beste Team der Liga. Und das macht es auch aus. In der Corona-Zeit hat es auch ein paar Sachen die nicht so schön sind, wir hören beispielsweise wenig vom Verein, wie es mit uns weitergehen soll. Das stört uns ein wenig.

Und wirst du auch in der kommenden Spielzeit für den SVS auflaufen?
Dazu möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Kommentar abgeben.

Wie haltet ihr als Mannschaft in Corona-Zeiten Kontakt?
Wir veranstalten des Öfteren Playstation-Partys und zocken gemeinsam. Neuerer, Kobrowski, Rosinger, Janz, ich - schön mit Headset und so. (lacht) Wir machen privat viel zusammen.

Wie lange schafft man es, ohne Mannschaftstraining den Ehrgeiz als Fußballer und die Fitness hochzuhalten?
Bei mir ist das einfach die Liebe zum Sport. Ich bin der geborene Straßenfußballer. Und die Fitness? Na gut, ich habe jetzt keine Lust, mich im Spiegel zu betrachten und dick zu werden. (lacht) Man will ja auch immer gut aussehen, deshalb ist der Ehrgeiz, an der Fitness zu arbeiten eigentlich immer da.


Bajrami bringt Playoffs wie in der Regionalliga ins Spiel.


Angenommen die Saison würde abgebrochen werden. Wie ist deine Meinung dazu?
Wäre extrem bitter für uns. Eltersdorf ist im Moment Erster, das Hinspiel gegen sie haben wir gewonnen, im Rückspiel zu zehnt Unentschieden gespielt. Im Endeffekt geht es zwischen Eltersdorf, Vilzing und uns um den Aufstieg. Entweder es wird weitergespielt, oder zwischen diesen drei Teams werden Playoffs ausgetragen. Und die beste Mannschaft steigt dann eben in die Regionalliga auf. Das wäre mein Vorschlag.

Zum Abschluss: Wie würdest du dich als Mensch charakterisieren und was machst du gerne in deiner Freizeit?
Ich bin sehr verantwortungsbewusst und will auch auch dem Platz immer Verantwortung übernehmen. Dann würde ich sagen, dass ich ein sehr freundlicher und lustiger Mensch bin. Ich bin für jeden Spaß zu haben. In meiner Freizeit greife ich gerne mal zum Basketball. Und dann unternehme ich sehr viel mit meiner Freundin, mit der ich seit sieben Jahren zusammen bin.

Das Interview führte Dieter Rebel.

11511 Aufrufe29.3.2021, 14:45 Uhr
Mathias Willmerdinger / Dieter RebelAutor

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