FuPa-Reporter Dieter Rebel und Gerd Klaus sind alte Bekannte - und haben sich wieder einmal zu einem Interview verabredet.
FuPa-Reporter Dieter Rebel und Gerd Klaus sind alte Bekannte - und haben sich wieder einmal zu einem Interview verabredet. – Foto: Dieter Rebel

Gerd Klaus - und seine größte Re-Start-Befürchtung

Gerd Klaus, Trainer von Bayernligist SV Seligenporten, im Interview mit FuPa-Reporter Dieter Rebel

Angesichts der aktuellen Situation wirkt Gerd Klaus sehr realistisch, aber auch betrübt und traurig - wie so viele andere auch. Der 50-jährige Trainer vom SV Seligenporten kann sich derzeit gar nicht so richtig mit der durchaus vielversprechenden sportlichen Situation der Oberpfälzer in der Bayernliga Nord beschäftigen, weil es in Pandemie-Zeiten um grundlegendere Dinge geht - innerhalb der Gesellschaft, aber auch beim SVS. Der Mittelfranken aus Eckental im Interview mit FuPa-Reporter Dieter Rebel...

Gerd, ist Dir schon langweilig?
Ja, klar ist mir langweilig. Das Schlimmste ist, dass man die Jungs ja überhaupt nicht sieht. Angenehmer Nebeneffekt: Man hat mehr Zeit für die Familie. Ich bin inzwischen Spiele-Weltmeister.

Wie handhabst Du als Trainer eines ambitionierten Bayernliga-Clubs die aktuelle Pause?
Hast Du einen Überbrückungs-Plan entwickelt? Handelst Du intuitiv oder nach irgendwelchen Lehrbüchern? Spricht man sich vielleicht sogar mit Kollegen ab?
Schwierige Angelegenheit. Corona bedeutet ja für die Jungs nicht nur, dass sie nicht kicken können, viele haben privat auch finanzielle Einbußen zu beklagen - genauso wie der Verein. Wenn wir endlich wüssten, wann und wie es weitergeht, könnten wir zumindest ein Trainingsprogramm zusammenstellen. Ohne ein Ziel zu haben, tue ich mich schwer, Aufgaben zu stellen. Wir tappen ja komplett im Dunklen. So bleibt mir eigentlich nur übrig, die Jungs immer wieder abzutelefonieren, kurz mit ihnen zu sprechen und ihre Fitness abzufragen.

Bist Du eher der hadernde Typ, der sich jeden Tag den Kopf über die aktuelle Situation zerbricht? Befindest Du Dich vielleicht sogar in einer Art Ohnmacht? Oder nimmst Du das Ganze locker, weil’s - auf gut Deutsch gesagt - eh nicht hilft?
Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mir sehnlichst wünsche, dass es wieder losgeht. Es steht aber auch fest, dass es nichts bringt, das gewaltsam erwirken zu wollen. Man muss deshalb einen gewissen Abstand zur Materie herstellen. Wir alle können ja derzeit nur reagieren. Man muss damit leben, das Beste daraus machen und hoffen, dass es wieder aufwärts geht. Ich bin keiner, der für den Fußball eine Sonderrolle erwartet. Alle Öffnungen müssen Sinn haben. Und dass erst die Geschäfte wieder öffnen sollen bevor der Ball wieder rollt, ist aus meiner Sicht völlig klar.

Zweifel, ob die Saison noch zu Ende gespielt werden kann



Besteht aus Deiner Sicht die Gefahr, dass sich SVS-Spieler durch die ewiglange Zwangspause vom Fußball verabschieden und schlicht und einfach ihre Karriere beenden?
Ja, das kann durchaus der Fall sein. Wir hatten Corona-bedingt bereits den ein oder anderen Abgang zu verzeichnen. Generell macht sich jeder in der aktuellen Phase Gedanken, wie es weitergehen soll. Andersrum ist es aber genauso. Fallen wichtige Sponsoren weg, muss man auf den Verein schauen und wohl den ein oder anderen Vertrag auflösen.

Besteht aus Deiner Sicht eine erhöhte Verletzungsgefahr nach dem noch offenen Re-Start, weil die Akteure diese Wettkampf-Bewegungen einfach nicht mehr gewohnt sind?
Definitiv. Die Verletzungsgefahr wird brutal nach oben gehen. Das große Problem: Es wird ja immer wieder mitgeteilt, dass keine lange Vorbereitung geplant ist, bevor es wieder losgeht. Und dann auch noch mit Englischen Wochen. Sowas können Amateurspieler nicht wegstecken.

Wie lange muss aus Deiner Sicht die Vorbereitungsphase vom ersten Trainingstag bis zum ersten Pflichtspiel dauern?
Mindestens vier Wochen. Wollen wir aber die aktuelle Spielzeit noch irgendwie zu Ende spielen, woran ich sehr zweifle, weiß jeder, dass diese vier Wochen nicht möglich sein werden.

Befürchtest Du, dass Du praktisch bei Null anfangen musst? Das letzte Pflichtspiel war im Oktober - zudem gab es viele Zu- und Abgänge...
Dass wir bei Null anfangen müssen, ist für mich klar. Obwohl die Jungs selber was machen, ist der körperliche Zustand weit nach unten gefallen. Die kurzen Bewegungen, die fußballspezifischen Inhalte fehlen einfach - da helfen selbst Laufeinheiten oder Kraft- und Stabi-Sachen nichts. Erschwerend kommt hinzu: Auch die Phase im vergangenen Herbst war ja nur aus der Not heraus geboren. Damals war keine vernünftige Vorbereitung möglich. Es gibt also auch noch von 2020 einiges nachzuholen. Hinzu kommt noch, dass wir einige Abgänge haben - aber noch keine Neuen vermelden können, weil wir nicht wissen, wann und wie es weitergeht. Eventuell wird sich deshalb auch unser Spielsystem und Auftreten verändern.



Braucht's den Ligapokal noch bzw. wie wichtig wird ihn der SV Seligenporten nehmen?
Durch den Ligapokal gibt es immerhin eine zweite Chance, aufzusteigen. Es wird aber diesen Wettbewerb nicht geben, weil ich nicht wüsste, wann er ausgetragen werden soll.

Schaffen die Klosterer den Regionalliga-Aufstieg also auch über die Liga?
Diese Frage ist in der aktuellen Situation nicht zu beantworten.

Siehst Du den SVS als Zwischenstation oder bist Du eher ein Trainer, der langfristig arbeiten und entwickeln will?
Ich bin ja bekannt dafür, länger bei einem Verein zu bleiben. Deshalb würde ich mich schon als vereinstreu bezeichnen. Durch Corona erleben wir aber alle nie Dagewesenes. Deshalb lässt sich diese Frage nicht seriös beantworten, weil man erst einmal abwarten muss, was überhaupt auf uns zukommen wird.

In welche Spielklasse gehört Seligenporten Deiner Meinung nach?
So wie wir aktuelle aufgestellt sind, sind wir irgendwo zwischen Regional- und Bayernliga. Es klingt etwas komisch, aber wir sind wohl eine Fahrstuhlmannschaft, was man aber auch erst einmal sein muss auf diesem Niveau.

Was habt Ihr - was Vilzing und Eltersdorf nicht haben?
Was den Zusammenhalt innerhalb der Truppe betrifft sind wir Vilzing und Eltersdorf einen Tick voraus. Wir sind ein eingeschworener Haufen.

Vielen Dank für das Interview, alles Gute für die Zukunft - und ganz wichtig: Gesund bleiben.

11038 Aufrufe1.3.2021, 07:45 Uhr
Dieter Rebel/Helmut WeigerstorferAutor

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