– Foto: Sebastian J. Schwarz

Ein Brasilianer hat's ihm besonders angetan

Interview in der neuen TV-Kreisfußballserie "Nachgesetzt" - Heute: Sebastian Ting (SV Schleid).

Sebastian Ting ist im Mittelfeld zu Hause und will mit dem A-Ligisten SV Schleid im Frühjahr so richtig durchstarten. Einst bei Eintracht Trier ausgebildet und später in Mehring und Salmrohr in der Oberliga aktiv, hat er auch mit 31 Jahren noch jede Menge Ehrgeiz. Warum die Bezirksliga ein Thema ist, warum der Trainerjob ihn reizen würde und welche Rituale er hat, verrät Ting in der neuen TV-Kreisfußballserie „Nachgesetzt“.

Sie haben hoch gespielt in Trier, Mehring und Salmrohr. Wie kam es ausgerechnet zum Wechsel zu einem Eifeler A-Ligisten?

TING Zu Salmrohrer Oberligazeiten war mein erster Sohn bereits unterwegs und beruflich war die Situation auch angespannt, zudem hatte ich mein Haus gebaut. Meine Laufbahn verlief dann ruhiger und als mich Paddy Zöllner und Ahmed Boussi nach Luxemburg zu Berdenia Berburg gelotst hatten, wollte ich es langsam ausklingen lassen. Der zeitliche Aufwand wurde zu hoch. Tim Hartmann, mit dem ich früher bei der Eintracht in der Jugend spielte, lud mich dann mal zum Training nach Schleid ein. Auf einmal kitzelte es wieder.

Einige trauten ihnen früher sogar eine Karriere als Profi zu. Warum hat es dann doch nicht gereicht?

TING Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass es für den Beruf Fußballspieler nicht reicht. Außer Trier gab es nicht so viele Adressen – es sei denn, man studiert irgendwo und empfiehlt sich über eine U-Mannschaft für den Profibereich. Da ich aber nie studiert habe und der berufliche Fortgang deutlich wichtiger wurde, blieb ich in der Region. Unter den Trainern Werner Weis und Roland Seitz gab es seinerzeit in Trier Gespräche, die aber im Sande verlaufen sind. Weil Rudi Thömmes in Mehring war, entschied ich mich, dort zu spielen. Mit Salmrohr wurde ich Rheinlandpokalsieger und habe im DFB-Pokal gespielt. Das war schon eine Riesensache.

Der SV Schleid scheint zu einer besonderen Adresse für ehemalige Hochkaräter zu werden. Wie sehen Sie die Entwicklung im Verein?

TING Ich muss gestehen, dass ich mich vorher mit der A-Klasse nicht beschäftigt habe und keinen Bezug hatte. So kann ich die Entwicklung in den letzten zwei Jahren nicht beurteilen. Wenn ein Verein mit Taner Weins und Tim Hartmann zwei Trainer hat, die selbst schon höherklassig gespielt haben, dann werden ambitionierte Spieler schon angelockt. Solche Namen ziehen.

Ihr Team ist nur vier Punkte hinter dem SV Speicher zurück. Ist in diesem Jahr der Aufstieg in die Bezirksliga ein ernstes Thema?

TING Wenn man Zweiter in der A-Klasse ist, darf das Thema eine Rolle spielen und man kann schon darüber reden. Der Aufstieg ist erreichbar, aber es muss auch vieles passen. Wir müssen aber nicht auf Teufel komm raus aufsteigen.

Wie lief die Wintervorbereitung in Schleid?

TING Zeitweise war es auch hier schwierig, weil wir eben nur diesen einen Rasenplatz haben. Doch der Verein unternahm vieles, um gut vorbereitet in die Restsaison gehen zu können. So wurde eine Halle in Seffern organisiert oder wir gingen in ein Fitnessstudio zum Spinning. Ich selbst war auch beruflich zu einem Fünf-Tage-Lehrgang und konnte nicht optimal trainieren.

Was war in den Tests los? Es gab bislang nur einen Sieg.

TING Ich selbst war nur bei den Tests gegen Ralingen (0:1) und Arzfeld (1:4) dabei. Für uns sind diese Mannschaften ja nicht so weit weg, wenn man das Ziel hat, in die Bezirksliga aufzusteigen. Es waren gute Tests, um zu sehen, wie hoch die Leistungsfähigkeit der Mannschaft ist. Da fehlt noch ein bisschen. Man darf diese Niederlagen aber auch nicht überbewerten.

Woher kommt eigentlich Ihr Spitzname „Tinga“?

TING (lacht). Das war in meinem ersten Seniorenjahr in Mehring, als mich mein damaliger Kollege Stephan „Blacky“ Schwarz Tinga taufte. Es war wohl in Anlehnung des damals beim BVB spielenden Brasilianers. Doch nicht wegen der Hautfarbe oder seines Fußballstils, sondern wegen des Namens. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Gibt es ein Vorbild aus dem großen Fußball?

TING In Jugendjahren war Xavi vom FC Barcelona mein großes Idol. Er war in einer großen Mannschaft und für Spanien immer der geniale Ballverteiler.

Wer ist die Stimmungskanone im Team, wer betätigt sich gerne als Kabinen-DJ?

TING Marius Hugo und Taner selbst haben immer so eine Box dabei. Einen Scherz hört man gerne mal von Carlos Ribeiro und auch Nico Hartmann ist ein lustiger Kerl.

Ist es denkbar, mal als Trainer zu arbeiten?

Ting Reizen würde mich das schon. Es ist eine Idee, darüber nachzudenken. Das müsste aber von beiden Seiten passen und zeitlich machbar sein. Derzeit habe ich auch noch keinen Trainerschein.

Und Schiedsrichter? Könnten Sie sich das vorstellen?

TING Ehrlich gesagt, müssten viel mehr Schiedsrichter pfeifen, die selbst Fußball gespielt haben. Die Akzeptanz und der Respekt wären viel größer. Es ist ein verdammt schwerer Job, mit dem ich nicht tauschen wollte. Man ist ja immer der Buhmann. Diesen Job würde ich ganz hinten anstellen.

Sind Sie abergläubisch?

TING Das war ich definitiv mal in jungen Jahren. Doch noch heute esse ich vor dem Spiel nie etwas, laufe immer mit leeren Magen auf.

Was ist Ihnen im Leben wichtig?

Ting Die Familie steht über allem. Ohne das Okay der Familie, speziell meiner Frau, würde ich nichts mehr alleine entscheiden. Ich bin verheiratet, habe schon einen Sohn, der zweite ist unterwegs. Ende Juni müsste es soweit sein.

Die erste Partie steigt am 15. März bei der SG Herforst. Mit welchem Gefühl gehen Sie in dieses Spiel?

TING Ich kenne den Gegner nicht. Taner sagte mir, Herforst sei eine Mannschaft mit sehr viel Potenzial, die aber schlagbar wäre. Doch sie könne an guten Tagen auch jeden schlagen. Wichtig ist, unser Potenzial abzurufen und dass wir als Einheit auftreten. (L.S.).

Zur Person

Erst die Eintracht, dann Mehring und Salmrohr

Sebastian Ting wurde am 31. Januar 1989 in Trier geboren und lebt in Bitburg. Der verheiratete Familienvater ist im luxemburgischen Junglinster als Physiotherapeut tätig und erwartet Ende Juni die Geburt des zweiten Sohnes. Bis zur Saison 2010/11 spielte der 31-Jährige bei Eintracht Trier (zwei Einsätze in der Regionalliga), wechselte dann für zwei Jahre zum Oberligisten SV Mehring. Fünf Jahre spielte der Mittelfeldspieler beim Oberligisten FSV Salmrohr, feierte dort 2015 auch den Rheinlandpokalsieg. Drei Jahren stand er dann in Diensten des luxemburgischen Drittligisten FC Berdenia Berburg. Seit Oktober kickt er für den SV Schleid, für den er bislang in acht Spielen neun Tore erzielte. (L.S.).

770 Aufrufe6.3.2020, 16:14 Uhr
Lutz SchinköthAutor

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