Alois Tannerbauer stand fast ein halbes Jahrhundert an der Spitze des SV Schaufling
Alois Tannerbauer stand fast ein halbes Jahrhundert an der Spitze des SV Schaufling – Foto: Dirk Meier

47(!) Jahre erster Vorstand - ein Leben für den SV Schaufling

Obwohl er nie aktiver Fußballer war, prägte Alois Tannerbauer die Geschicke des Vereins aus dem Landkreis Deggendorf jahrzehntelang maßgebend

Es gibt Menschen, die leisten Außergewöhnliches für die Gesellschaft. Einer von ihnen ist Alois Tannerbauer, denn der 79-Jährige hat 1965 den Sportverein SV Schaufling mitgegründet und führte den Klub von 1969 bis 2016 insgesamt 47 (!) Jahre als erster Vorsitzender. Inzwischen ist er Ehrenbürger der Gemeinde Schaufling und hat sich in fünf Jahrzehnten ehrenamtlicher Tätigkeit zum Wohle des Sports zahlreiche Verdienste erworben. Wir blicken auf das Leben des Rentners, der auch heute noch dem Fußball eng verbunden ist und dem Verein nicht nur als Ehrenamtsbeauftragter immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Umso erstaunlicher ist sein Wirken, weil Tannenbauer nie aktiver Fußballer war.
Alois Tannerbauer wurde am 22. Mai 1941 in Hengersberg geboren. Aufgewachsen ist er Wainding zwischen Auerbach und Schaufling. Die Schule besuchte Tannerbauer in Schaufling, später ging er in Straubing aufs Gymnasium. Beruflich war Tannerbauer, der seit seiner Heirat 1962 mit Frau Lisbeth in Schaufling lebt, als kaufmännischer Angestellter tätig. In seiner Jugend breitete sich der Fußball immer mehr im ländlichen Raum aus. Im Nachbarort Lalling wurde bereits im Jahr 1947 der Sportverein gegründet. “Es soll in Schaufling schon vor dem Krieg Bestrebungen gegeben haben einen Sportverein zu gründen. Auch 1957 gab es schon eine Initiative, aber das hat da noch nicht geklappt”, erzählt Tannerbauer. Erst am 17. Juli 1965 kam es zur Gründungsversammlung in Schaufling mit insgesamt 37 Gemeindebürgern. Einer von den vier Initiatoren war Alois Tannerbauer, zum ersten Vorsitzenden wurde Erwin Bayerer gewählt. “Mir haben sie den Posten des Schriftführers aufs Auge gedrückt”, erinnert sich der Mitbegründer.

Fußball hatte spätestens seit 1965 einen hohen Stellenwert für Tannerbauer, der selber aber nie gespielt hat. Was ihn denn bewogen hat sich im Verein zu engagieren? “Ich bin irgendwie wie die Jungfrau zum Kind gekommen und dann hat mich der Fußball nicht mehr losgelassen.” Großes Engagement zeigte Tannerbauer schon beim Bau des ersten Sportplatzes. “Das hat uns damals 2.000 Mark gekostet. Wir haben da ganz viel Eigenleistung reingesteckt”, so Tannerbauer, als der Sportplatz im Ortszentrum, das war ja eigentlich die Erweiterung des Schulsportplatzes, realisiert werden musste. Der eigentliche Schulsportplatz war zu klein, reichte mit seinen Maßen für den organisierten Spielbetrieb im Fußball-Verband nicht aus. Nach den ersten vier Jahren gab es beim SV Schaufling den ersten Führungswechsel und das sollte für die nächsten 47 Jahre auch der letzte sein. Alois Tannerbauer wurde 1969 auf den Posten des ersten Vorsitzenden gewählt und behielt diese Position bis 2016 inne.

In seiner Ära passierte viel beim SV Schaufling. Zahlreiche Aufstiege mit der ersten Herren-Mannschaft bis hinauf in die heutige Kreisliga konnten gefeiert werden. Aber auch im Nachwuchsbereich wurde unter Tannerbauer sehr erfolgreich gearbeitet. “Wir hatten beispielsweise zwischen 1996 und 2000 mehr als 100 aktive Kinder und Jugendliche bei uns im Verein. Da hatten wir alle Altersklassen eigenständig besetzt”, blickt Tannerbauer mit Stolz zurück. Das sind Zahlen, davon kann heute jeder Dorfverein nur noch träumen, denn seit zwei Jahrzehnten sind die Aktiven-Zahlen im Nachwuchs erheblich rückläufig. Das ist kein Phänomen beim SV Schaufling, das ist gesellschaftlich bedingt und nicht nur im Freistaat Bayern, sondern in der ganzen Republik so. Ein großes Kapitel, dass unter Alois Tannerbauer bewerkstelligt wurde, war der Bau der neuen Sportanlage im Ortsteil Wotzmannsdorf. 1998 begannen Planung und Bau, 2001 konnte die Anlage mit zwei Rasenspielfeldern und einem schmucken Vereinsheim feierlich eingeweiht werden. 1,5 Millionen Mark waren an Kosten veranschlagt. Tannerbauer aber organisierte vorbildlich und ihm war es zu verdanken, dass zahlreiche Gönner das Projekt unterstützten und das ganz viel Eigenleistung eingebracht werden konnte. “Da hat das Ganze dann nur rund eine Million Mark gekostet”, erinnert sich die SVS-Ikone.

Zum 50-jährigen Gründungsjubiläum stand Tannerbauer im Jahr 2015 immer noch an der Spitze, wurde zum Ehrenbürger ernannt und erstellte eine Chronik über die ersten 50 Jahre des SV Schaufling. “Ich war ja von Anfang an dabei", schmunzelt das Urgestein. Dass ihm das nie zu viel wurde in den fünf Jahrzehnten, das gab es nicht. Ans Aufhören dachte Tannerbauer nie, erst im Rentenalter überließ er die Führung Jüngeren. 2016 übernahm Hermann Sporer, aber nur für vier Jahre. Seit Ende Juli 2020 heißt der neue und vierte Klubboss Helmut Groll. Tannerbauers Motto ist ebenso einfach wie überzeugend: “Jede Niederlage ist ein Tiefschlag. Aber ich habe nie aufgegeben, bin immer dran geblieben." Seit 2016, als sich Alois Tannerbauer aufs Altenteil zurückgezogen , is aber immer noch Ehrenamtsbeauftragter im Verein. Doch so richtig loslassen kann er nicht. Bis heute hat er alle Zeitungsartikel gesammelt, hat quasi ein Vereinsarchiv angelegt und weiß so gut Bescheid über den SV Schaufling wie kein Zweiter. Der Sportverein Schaufling ist das Lebenswerk von Alois Tannerbauer, das kann man mit Fug und Recht behaupten. Und so wird ihn der Fußball auch weiterhin bewegen. Im nächsten Jahr im Mai feiert er seinen 80. Geburtstag und auch dann will Tannerbauer am Fußball dranbleiben. Einen Wunsch hat er noch für die Zukunft: “Es wäre schön, wenn uns irgendwann wieder der Aufstieg in die Kreisklasse gelingen würde.”


Aufrufe: 16.9.2020, 05:18 Uhr
Dirk Meier Autor

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