Trägt auch kommende Saison das FSV-Trikot: Leonhard von Schroetter (links, hier im Spiel gegen den FC Homburg) fühlt sich beim hessischen Regionalligisten pudelwohl und verlängerte seinen Vertrag um ein Jahr.
Trägt auch kommende Saison das FSV-Trikot: Leonhard von Schroetter (links, hier im Spiel gegen den FC Homburg) fühlt sich beim hessischen Regionalligisten pudelwohl und verlängerte seinen Vertrag um ein Jahr. – Foto: Imago Images

SV Raisting: Ex-Nachwuchsspieler von Schroetter verlängert in Frankfurt

Der FSV verpasste in der Regionalliga Südwest knapp den Aufstieg

Leonhard von Schroetter, Ex-Nachwuchsspieler des SV Raisting, verlängert beim FSV Frankfurt. In Frankfurt will er nächstes Jahr in die 3. Liga aufsteigen.

Frankfurt/Raisting – Irgendwann wird man sich die Frage stellen, was denn bleibt von dieser Corona-Saison, wenn denn kein Aufstieg und keine Meisterschaft zu feiern waren. Im Fall von Leonhard von Schroetter, einem dieser privilegierten Profisportler in Zeiten der Pandemie, ist es auf jeden Fall ein zweiseitiger Brief, verfasst von einem Fan aus Augsburg, einem alten Weggefährten. Er hat sogar ein Bild der beiden angehängt. „Das hat mich sehr berührt“, sagt der Fußballer des FSV Frankfurt. Die persönliche Botschaft hat sich angefühlt wie eine Bestätigung, dass dieser Weg nach Frankfurt in die vierte Liga doch der richtige war. Ganz egal, was Ende Mai die Tabelle spricht. Der FSV Frankfurt, einer der Traditionsklubs in der Regionalliga Südwest, wird nicht mehr aufsteigen, sondern das Corona-Jahr irgendwo zwischen Platz vier und sechs beenden. Aber wichtig ist das nicht. Denn Leonhard von Schroetter, der Lenny, hat nach der zuletzt harten Zeit beim FC Augsburg endlich wieder das, wovon man als Fußballer träumt: eine Zukunft.

Leonhard von Schroetter lernte beim SV Raisting das Fußballspielen

Der 22-Jährige aus Fischen, der beim SV Raisting das Fußballspielen erlernt hat, hat seinen Vertrag beim FSV Frankfurt um ein Jahr verlängert. Mit Argwohn könnte man nun fragen: Wie, weiterhin Regionalliga? Ja schon, aber erstens ist das Niveau im Südwesten doch ein ziemlich hohes, verglichen mit den anderen Regionalligen, und zweitens wolle er sich primär weiterentwickeln. Das geht beinahe nirgendwo besser als beim FSV, wo er gesetzt ist als Stammspieler, integriert im Team oder wie er sagt: „Das ist für mich das Richtige, die richtigen Menschen, die richtige Stadt und aktuell der richtige Verein.“ Nicht einen Tag habe er sich unwohl gefühlt. Und weil Leistungssportler mitunter sensitive Menschen sind, war das ein gewichtiger Punkt, erst recht nach den vergangenen eineinhalb Jahren in Augsburg, „in denen es nicht gelaufen ist“ und in denen sich sein Selbstvertrauenskonto doch in beträchtlicher Geschwindigkeit geleert hatte. „Ich habe das Vertrauen hier bekommen, was mir in Augsburg zuletzt genommen wurde“, sagt Leonhard von Schroetter.

Leonhard von Schroetter überzeugt in der Regionalliga Südwest - Achtmal nominiert für die Elf des Tages

Zum großen Teil hat er das auch selbst hinbekommen. 24 Spiele, acht Mal nominiert für die Elf des Tages, ein Tor beim 2:1 über den FSV Mainz 05 II, das er als „Monster-Highlight-Moment für mich“ bezeichnet, wie so ziemlich jedes Spiel in der Arena. „Ich sehe meinen Beruf nicht nur als Beruf, sondern als unendliche Leidenschaft und Liebe zu diesem Sport. Jede Minute ist ein Genuss.“ Wer so schön über Fußball philosophiert, hat sich frisch verliebt in einen Verein. Acht Spiele dieser Ewigkeitsschlaufe (42 Partien) stehen noch aus. Während andere hecheln und das Ende herbeisehnen, läuft das bei Lenny von Schroetter genau anders herum. „Für mich gibt’s kein zu viel. Ich bin heiß auf jedes Spiel.“ Auch wenn der sportliche Wert – das ist vielleicht ein bisschen böse – die der übrigen Bundesligaduelle des FC Schalke 04* nicht mehr übersteigt. Der SC Freiburg II marschiert mit 14 Punkten Vorsprung auf den FSV Mainz*, der im Moment Rang sechs belegt, gen Dritte Liga. Nur der erste Platz wird belohnt in dieser Spielklasse. Auch Frankfurt hat lange teilgenommen an diesem Aufstiegsrennen, bis die Corona-Zwangspause Anfang 2021 den guten Lauf bremste. Der Aufsteiger in diesem Jahr wird immer auch in Erinnerung bleiben als Team mit den wenigsten Komplikationen, das lässt sich nicht mehr voneinander trennen in diesen wilden Virus-Zeiten. Die Motivation für den Rest ist, „für Schwarz-Blau auf dem Feld stehen zu dürfen“, sagt der Raistinger.

Den Sommer wird er, so oft das geht, in der Heimat verbringen. Oder auf dem Fußballplatz am Bornheimer Hang in Frankfurt. An keinem Ort der Stadt hat er mehr Zeit verbracht. Er wird vor allem am Spiel in der Offensive, im letzten Drittel des Feldes, feilen. Mehr Übersicht und mehr Ruhe braucht für den perfekten Pass. So oder so ähnlich würde es in seinem Zeugnis stehen. Aber ein Leistungsbild gibt es nur in der Schule. Als Erinnerung darf er natürlich sein Trikot behalten. Familie, Freunde und ein paar Edel-Fans aus ganz Deutschland hat er schon mit Dressen eingedeckt. Ein Leibchen verloste der Verein nach seinem Tor gegen Mainz. Leonhard von Schroetter hat eine persönliche Widmung dazu geschrieben. Der Gewinner wird diese Saison sicher nicht vergessen – auch wenn er kein einziges Spiel im Stadion verfolgt hat.

(Andreas Mayr)

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Aufrufe: 8.5.2021, 14:34 Uhr
Weilheimer Tagblatt / Andreas MayrAutor

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