Der Sv Pullach müsste sich bei einem Saisonabbruch nicht um den Abstieg fürchten.
Der Sv Pullach müsste sich bei einem Saisonabbruch nicht um den Abstieg fürchten. – Foto: Mailin Garbas

BFV: Dem Fußball läuft die Zeit davon

Eckdaten für Saisonfortsetzung werden abgesteckt

Ein sportliches Ende der Saison 2019/21 steht nach wie vor auf der Kippe. Um die Saison nicht abbrechen zu müssen, müssten die Vereine spätestens an Ostern wieder trainieren dürfen.

Landkreis – Auch die Amateurfußballer blickten gespannt auf die gestrigen Bund-Länder-Beratungen in Sachen Corona-Maßnahmen. Was die dort beschlossenen Richtlinien und in deren Folge die konkreten Entscheidungen der bayerischen Landesregierung für die Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs im Freistaat bedeuten, ist noch offen. Auf einer Online-Tagung der Spielleiter des Bayerische Fußball-Verbands (BFV) wurde jüngst aber immerhin bereits ein terminlicher Rahmen abgesteckt, innerhalb dessen die auf zwei Jahre ausgedehnte Spielzeit 2019/21 noch abgewickelt werden kann – oder eben nicht.

BFV: Die Saison muss bis 30. Juni beendet werden

Klar sind derzeit wohl folgende Punkte: Bis 30. Juni 2021 muss die Pandemie-Saison beendet sein. Um das zu schaffen, peilt der BFV spätestens am Wochenende 24./25. April die Wiederaufnahme des Spielbetriebs an. Ob dann der neu eingeführte Liga-Pokal neben der Punktrunde noch durchgezogen werden kann, erscheint fraglich, doch nachtrauern dürften dem Zusatzwettbewerb ohnehin nur die wenigsten Vereine.Vor dem Neustart in den Ligen will der BFV den Teams mindestens drei Wochen normales Mannschaftstraining zur Vorbereitung einräumen, Testspiele eingeschlossen. An Ostern (Ostersonntag ist der 4. April) müssten Übungseinheiten mit Körperkontakt also spätestens gestattet sein.

Dann stünden die Chancen aber gar nicht schlecht, die Saison doch noch fertig spielen zu können. Zum einen könnten mit Christi Himmelfahrt (13. Mai), Pfingstmontag (24. Mai) und Fronleichnam (3. Juni) drei Feiertage genutzt werden, zum anderen hat der BFV-Vorstand durch eine Anpassung der Spielordnung die Voraussetzung geschaffen, dass eine Mannschaft zwei Partien mit nur einem Tag Pause dazwischen absolvieren darf. Solche Ansetzungen sollen zwar die Ausnahme bleiben, erhöhen aber die terminliche Flexibilität.

Abbruch der Saison 2019/21 droht

Was aber, wenn Infektionsgeschehen und politische Beschlüsse all diese Planungen über den Haufen werfen und die Saison doch abgebrochen werden muss? Dann tritt vermutlich der im August 2020 eingeführte Paragraph 93 zur Saisonwertung bei höherer Gewalt in Kraft. Dieser sieht, wenn die Hälfte der Teams 75 Prozent der Spiele absolviert hat, eine Quotientenregelung vor, wobei die Anzahl der erreichten Punkte durch die Anzahl der absolvierten Spiele geteilt wird. Im Falle eines Abbruchs würden laut dieser Bestimmung auch Relegations- und Entscheidungsspiele entfallen und die auf einem Relegationsplatz liegenden Mannschaften in ihrer Liga verbleiben.

Punktquotient entscheidet über Platzierung

Diese Regelung wäre für die Süd-Bayernligisten FC Deisenhofen und SV Pullach, von erheblicher Bedeutung. Die Pullacher als derzeit Drittletzter dürfen sich mit ihrem Punktquotient von genau 1,0 sicher fühlen, und das gilt wohl selbst im Falle eines verzögerten Abbruchs nach Neustart und einigen weiteren Spielen, denn Schlusslicht Nördlingen liegt im Moment bei 0,77. SVP-Manager Robert Bäumel glaubt so oder so an den Klassenerhalt: „Wir sind überzeugt, dass wir es sportlich noch schaffen.“

Der FCD würde hingegen wohl in die Röhre schauen: Die Blauhemden sind derzeit in der Tabelle, aber auch laut Punktquotient (mit 1,92), Zweiter hinter dem uneinholbaren Spitzenreiter FC Pipinsried. „Man könnte ja sagen, der Zweite steigt ebenfalls direkt auf, aber dann würde vielleicht der Dritte meinen, es ist ungerecht. An irgendeinem einem Punkt muss der Verband die Entscheidung treffen“, so FCD-Manager Franz Perneker. „Wenn es so ist, dass der Zweite in der Bayernliga bleibt, werden wir uns kurz aufregen und dann werden wir es hinnehmen. Es wäre aber bitter, denn wir sind guter Dinge, dass wir es schaffen, die Auflagen für die Regionalliga zu erfüllen.“

So sehr sich Perneker eine sportliche Lösung wünscht, so sehr zweifelt er allerdings an der vom Verband angepeilten Minimal-Vorbereitungsphase von drei Wochen: „Das halte ich aus Trainersicht für sehr kritisch, auch wenn die Spieler sich individuell fit halten. Wir haben dann seit Oktober nicht mehr unter Wettkampfbedingungen gespielt, das hat mit Fußball spielen nichts zu tun. Aber wenn es so kommt, müssen wir natürlich auch das hinnehmen.“

Der FC Deisenhofen würde bei einem Saisonabbruch wohl nicht in die Regionalliga aufsteigen dürfen. „Das wäre bitter“, findet FCD-Manager Franz Perneker. „Aber wir werden es hinnehmen.“

Aufrufe: 3.3.2021, 16:45 Uhr
Münchner Merkur (Süd) / Umberto SavignanoAutor

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