Trainer Uwe Stark bei der Ansprache mit der Mannschaft.
Trainer Uwe Stark bei der Ansprache mit der Mannschaft. – Foto: Nick Förster

Interview mit dem neuen Trainer der SpVgg. Kirch-Grottenherten

Uwe, du warst schon als Spieler hier bei der SpVgg. Kirch-Grottenherten aktiv und auch schon Trainer der 1. Mannschaft – dein Vater war sogar Platzwart und ist nicht unbekannt im Ort. Wie hast du deine Vergangenheit bei Kirchherten in Erinnerung?

Uwe Stark: Kirchherten habe ich in sehr guter Erinnerung. Die Zeit hier als Spieler in der Kreisliga A vier Jahre lang, tolle Mitspieler, familiäres Umfeld und unvergessliche Feiern bei „Manni“ nach den Spielen. Als ich dann als Trainer zurückkam – Kirchherten spielte mittlerweile Kreisliga B – war das Team gerade im Umbruch. Ehemalige Mitspieler von mir waren noch aktiv, viele junge Wilde kamen dazu – Patrick Müller und Marc Derwenskus zum Beispiel. Es war schwierig, aber wir haben es damals geschafft, uns als geschlossene Mannschaft zu präsentieren und haben in einem packenden Saisonfinale den Klassenerhalt geschafft. Auch dank der Hilfe der „Alten“ wie Kalti, Wolle Wind, Markus und Stefan Hülsman.

Und wie sieht es mit der Zukunft aus?

Stark: Die aktuelle Mannschaft ist noch lange nicht „fertig“, es steckt Potenzial in ihr. Ich hätte nichts dagegen, wenn mein Engagement dieses Mal ein ähnlich erfolgreiches Ende nehmen würde.

Wie bist du zur neuen Saison nach Kirchherten gekommen?

Stark: Frank Hamacher (Vorstandsvorsitzender, Anm. d. Red.) hatte mich kontaktiert. Wir kennen uns schon sehr lange, waren früher zusammen in Bedburg-Rath in einem Kegelclub. Nach einem kurzen Gespräch war für mich klar: Das mache ich!

Du hast mit Volker Wawrzinossek einen Co-Trainer an deiner Seite, der in Kirchherten nicht minder bekannt ist. Kannst du mir ein bisschen zu ihm und eurer gemeinsamen Vergangenheit sagen?

Stark: Volker war damals einer der jungen Spieler in meinem Team hier. Ihn zeichnete damals bereits aus, dass er sehr ehrgeizig und willensstark seine Ziele verfolgte, auch wenn er fußballerisch damals vielleicht schwächer war als der ein oder andere. Parallel dazu war er aber auch immer „die gute Seele“ und sorgte für Stimmung. Er bringt jetzt genau diese Dinge alle mit, die ihn damals schon ausgezeichnet haben. „Wawa“ ist absolut der richtige für den Job – und uns.

Welche Eigenschaften bringt zusätzlich die Kirchhertener Torwart(trainer)-Legende Josef mit – für dich und die Mannschaft?

Stark: Josef Klöter! Was soll ich zu ihm sagen, was nicht eh schon jeder weiß? Zu unserer aktiven Zeit der beste Keeper mit dem ich je zusammengespielt habe. Jeder kannte ihn und seine außergewöhnliche Qualität. Er ist absolut ehrlich, direkt, ehrgeizig. Einen besseren Torwart-Trainer gibt es nicht! Alex und Nico können froh sein, von ihm lernen zu dürfen – und das sind sie auch.

Macht dir deine Vergangenheit bei dem Verein den Einstand leichter?

Stark: Vergangenheit zählt nicht! Man muss sich immer neu beweisen, das ist wie im täglichen Leben: Stillstand ist Rückschritt. Unter dem Strich zählt nur, ob man Ziele erreicht, welche auch immer das sind.

Du bist jetzt seit dem 1. Juli mit der Mannschaft im Trainingsbetrieb. Welchen Eindruck machen die Jungs auf dich?

Stark: Die Beteiligung ist sehr gut und die Jungs arbeiten im Rahmen ihrer Möglichkeiten super mit. Natürlich braucht es Zeit, bis alles greift. Wir glauben, dass die Jungs noch gar nicht wissen, wie gut sie wirklich sein können. Und das gilt es herauszukitzeln. Wir wollen ein Team auf dem Platz haben, das füreinander durchs Feuer geht, das sich zerreißt auf dem Platz und nach getaner Arbeit freundschaftlich zusammen feiert bis der Arzt kommt.

Was sind deine Ziele und Erwartungen für diese Saison und die erweiterte Zukunft?

Stark: Sportlich ist der Klassenerhalt das Ziel. Nicht mehr und nicht weniger.

Wie möchtest du Fußball spielen lassen? Wofür soll Kirchherten gefürchtet werden?

Stark: Grundsätzlich bin ich ein Freund von defensiver Stabilität und einem Spiel mit wenig Kontakten. Das hängt aber von so vielen Faktoren ab, die man nicht immer beeinflussen kann: Verfassung der Spieler, wer ist der Gegner, was können die Jungs überhaupt? Grundsätzlich erwarte ich immer, dass sich das Team zerreißt, sich wehrt, auch wenn es ausweglos oder schwer ist. Schön wäre es, wenn die Gegner wieder wie früher nach Kirchherten kommen und denken: Oweia, da blüht uns was, das wird schwer!

Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben?

Stark: Ich weiß was und wie ich es will. Das kommuniziere ich klar und deutlich. Zuckerbrot und Peitsche trifft es … läuft es gut, bin ich gut zu den Jungs, läuft es schlecht, gibt's auch mal paar zwischen die Hörner und ich kann dann auch sehr laut werden! Man merkt recht schnell, wie zufrieden – oder auch unzufrieden – ich bin.

Du hast im Amateurbereich bislang viel mitgemacht, konntest in der Bezirksliga trainieren und dürftest einige Spieler fußballerisch geprägt haben. Welche Ziele hast du noch als Trainer?

Stark: Ich bin seit 1999 im Trainergeschäft und habe wirklich schon alles erlebt: Bittere Vizemeisterschaften, tolle Aufstiege, ein trauriger Abstieg. Das alles prägt einen und man lernt daraus, vor allem eins: NICHTS ist planbar! Wenn ich es schaffe, Teams oder einzelne Spieler weiterzubringen, dann bin ich zufrieden und ein bisschen stolz. Es gibt einige Jungs, die ich mitgeprägt habe und die es sportlich zu etwas gebracht haben. Zu allen habe ich noch guten Kontakt – bis heute. Natürlich sind Erfolge schön, aber nicht das Nonplusultra. Ich hatte das Glück, das alles schon erleben zu dürfen als Trainer – viele meiner Kollegen nicht. Aber das allein ist kein Qualitätsmerkmal für einen Coach. Vielmehr das, was jeder meiner Kollegen Woche für Woche an Freizeit investiert in seine Mannschaft, aus Spaß dabei zu sein und Jungs besser zu machen. Mit den nötigen Mitteln kann jeder ein „Erfolgstrainer“ sein.

Bedburg wird von vielen als der klare Aufstiegsfavorit gesehen. Was hälst du davon und wie würdest du sonst so die Qualität in der Staffel einschätzen?

Stark: Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Die lange Corona-Pause macht allen Kollegen und Teams zu schaffen – wir alle starten ja fast bei null. Ja, Bedburg könnte der Favorit sein, aber da mischen sicher noch andere mit. Blatzheim mit meinem Freund Thomas Fett traue ich den großen Wurf zu, möglicherweise Büsdorf. Bei Kaster/Königshoven und Türkspor muss man schauen, wie sie sich tatsächlich präsentieren.

Was ist für Kirchherten in dieser Saison drin?

Stark: So früh wie möglich den Klassenerhalt sichern ist das einzige Ziel.

Am Sonntag steht das letzte Testspiel der Vorbereitung gegen den FC Borussia Buir an. Wie hast du die bisherigen Ergebnisse eingeordnet. Schwacher Start, bei dem sich Trainer und Mannschaft erst noch finden mussten und starker Schlussspurt?

Stark: Es war mir klar, dass die ersten Testspiele holprig verlaufen könnten. Die Umstellung des Systems, taktische Verhaltensweisen, eventuell andere Positionsbesetzung einzelner Spieler, neue Spieler und nicht zuletzt die lange Corona-Pause – all das dauert seine Zeit. So langsam zeigt sich aber, dass die Dinge mehr und mehr beginnen zu greifen. Ergebnisse sind da eher Nebensache, wenn die Saison startet, zählt es. Natürlich freuen mich aber auch Siege in den Testspielen, keine Frage.

Vergangene Woche ist auch das Trainingslager zu Ende gegangen. Auf Kreisliga-Ebene mit Sicherheit eher eine Seltenheit, aber mit welchen Erwartungen bist du ins Wochenende gegangen und was haben dir die Jungs zurückgegeben?

Stark: Ein Trainingslager ist sicher eher die Seltenheit, aber bei mir schon immer fest verankert in der Vorbereitung. Meine Erwartung war, dass die Jungs über ihre Grenzen gehen – mental wie physisch – und als Einheit noch mehr zusammenwachsen. Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Die Jungs haben wirklich alles gegeben und absolut fokussiert und konzentriert geackert. Im wahrsten Sinne bis zur absoluten Erschöpfung. Unglaublich was sie geleistet haben.

Mit Mario Meger, Marc Derwenskus, Steffen Weingarten, Gerrit Feldewerth und Mark Hamacher gibt es eine Menge neue Gesichter im Vergleich zur vergangenen Saison. Kannst du ein wenig zu den Neuzugängen sagen?

Stark: Mario soll und wird der Abwehr Stabilität geben und präsentiert sich jetzt bereits in einer guten Konstitution. Seine Einstellung und Zweikampfpräsenz gibt jetzt schon deutlich mehr Sicherheit im Abwehrverbund. Steffen ist ein talentierter, junger Spieler, der zeigt das er durchaus zu einer festen Größe im Mittelfeld werden könnte. Man muss schauen, wie schnell er es schafft, den Wechsel aus dem Jugendbereich zu den Senioren zu verarbeiten. Er braucht ein wenig mehr Körperlichkeit und muss ruhiger in seinen Aktionen werden. Auffallend positiv ist seine Einstellung und sein Auftreten in den Trainingseinheiten. Auch seine Aufnahmefähigkeit in taktischen Dingen ist gut. Mit Marc kommt ein erfahrener Spieler zurück ins Team, der absolut alles mitbringt was man braucht, um eine Mannschaft zu stabilisieren. Sportlich wie menschlich. Gerrit und Mark machen in den bisherigen Trainingseinheiten einen tollen Eindruck. Beide haben Talent und sind für ihr Alter auch taktisch schon relativ weit. Dass sie Stabilität ins Team bringen können, haben die zwei Testspiele mit ihnen ebenfalls gezeigt. Aber auch menschlich haben die sich problemlos integriert.

Kaster/Königshoven hat zurückgezogen und will nun doch wieder in der Kreisliga B spielen. Wie stehts du erstens dazu, dass anscheinend Geld auch im Amateurbereich wichtiger wird, wie es auch Kaster dargestellt hat, und was hältst du vom Rückzieher und der Spielberechtigung für diese Saison. Ist das fair für unsere Staffel?

Stark: Sind wir doch mal ehrlich: Geld hat schon immer eine Rolle gespielt in den Kreisligen. Selbst zu meiner aktiven Zeit. Das Problem ist, dass heute jeder 18-jährige Kicker, der zehnmal den Ball hochhalten kann, schon Kohle fordert. Ich kann die Probleme von Kaster/Königshoven verstehen und nachvollziehen. Ob deren Entscheidung richtig oder falsch war, darüber steht mir ein Urteil nicht zu. Die handelnden Personen da sind schon lange im Geschäft und wissen sicher genau, was das Beste für den Verein ist. Gegenfrage zur Fairness? Was wäre gewesen, wenn Kaster einfach ihre Erste unter dem Deckmantel der Zweiten hätte spielen lassen? Kein Hahn hätte danach gekräht. Unterm Strich also eine mutige und ehrliche Handlung.

Ehemalige Vereine von dir wie Oberaußem oder Oberembt sind in der Versenkung verschwunden, in der Kreisliga Rhein-Erft ist die angedachte Ligen-Struktur nur noch teilweise erkennbar und es wird immer schwerer, Fußball-Begeisterte für die Position neben dem Platz – vor allem im Jugendbereich – zu finden. Warum wird der Amateurbereich eher belächelt? Ist die Kluft zu den oberen semi-professionellen Ligen noch größer geworden und müssten Städte, Kreise und Länder eingreifen, damit die Infrastruktur mitwächst und kleine Vereine weiterhin bestehen bleiben?

Stark: Das ist der Zahn der Zeit! Fußball hat leider nicht mehr den Stellenwert, den er früher hatte. Wenn man die Vereine früher einmal betrachtet, waren gerade auf den Dörfern wie Lipp, Kirdorf, Oberembt und Niederembt kaum Jugendmannschaften vorhanden, man lebte von „auswärtigen“ Spielern. Dort gab es Sponsoren, die es ermöglicht haben, einen gewissen sportlichen Erfolg zu haben: Lipp-ICI, Kirdorf-Nix, Oberembt-Müller, Niederembt-Dr Heuchen, um bei den Beispielen zu bleiben. Heute ist das anders. Die großen Sponsoren gibt es nicht mehr und die Vereine haben im letzten Jahrzehnt verstärkt die Jugendabteilungen aufgebaut. Das ist doch grundsätzlich mal sehr positiv. Nehmen wir als Beispiel Kaster/Königshoven oder Glesch: Da gibt es drei Seniorenteams. Viele Spieler sind aus eigenen Jugendmannschaften hervorgegangen. Das bedeutet, dass weniger Jugendspieler die Vereine verlassen als früher, weil sie da weiter kicken können, wo sie eh schon ihre Jugendjahre verbracht haben. Sie gehen nicht zu einem kleinen, benachbarten „Dorfverein“. Ich war immer schon ein Verfechter davon, eigene Jugendbereiche zu haben, um perspektivisch den Nachwuchs der ersten Mannschaft zu sichern. In den Jugendbereich zu investieren, ist auch in Zukunft enorm wichtig. Viele Vereine haben das erkannt, und das finde ich sehr gut. Stadt, Kreis und Land sind da natürlich auch gefordert. Unterstützt die Vereine noch mehr, gerade bei der Jugendarbeit, dann ist mir um unseren geliebten Fußballsport nicht bange.

Das Interview führte Nick Förster.

Aufrufe: 07.8.2021, 09:26 Uhr
Nick FörsterAutor

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