Aus Rivalen werden Freunde: Die Fußballer von Jülich 10/97 und Jülich 1912 treten als Spielgemeinschaft an.
Aus Rivalen werden Freunde: Die Fußballer von Jülich 10/97 und Jülich 1912 treten als Spielgemeinschaft an. – Foto: jago
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Die „Verlobung“ als nächster Schritt vor der Fusion

SC Jülich 10/97 und SV Jülich 1912 treten in der Saison 2020/2021 als Spielgemeinschaft in der Kreisliga A und B an

Die Jugend hat es vorexerziert, die Senioren folgen: die beiden Jülicher Fußballvereine SC Jülich 10/97 und SV Jülich 1912 treten in der Saison 2020/2021 als Spielgemeinschaft in der Kreisliga A und B an. Kenner der Jülicher Sportszene wissen, dass die beiden Clubs bis vor wenigen Jahren nahezu Erzfeinde waren. Die Abneigung ging so weit, dass man sich gegenseitig die Spieler abspenstig machte. Selbst die Tatsache, dass man damit beide Vereine schwächte, brachte keine Einsicht.

Diese ungute Konstellation gehört nun mit dem „für Jülicher Verhältnisse historischen Schritt“, wie Zehnervorstand Michael Lingnau es formulierte, endgültig der Vergangenheit an. Initiativ für die ersten vor etwa zwei Jahren vorsichtig aufgenommenen Gespräche war die Diskussion über die Sanierung der Platzanlage im Karl-Knipprath-Stadion. Sowohl Lingnau als auch Wolfgang Beck, Vorstand von Jülich 1912, erkannten die Signale aus dem Rathaus, man würde eine deutlich stärkere Stimme haben, sollte man in dieser Frage gemeinsam auftreten. Ein weiterer wesentlicher Aspekt für die Annäherung war die drängende Sorge um den Fortbestand der Jugendabteilungen. Die seit zwei Jahren bestehende Gemeinschaft hat sich äußerst positiv entwickelt. Man stellt inzwischen wieder Mannschaften von den Bambini bis zur B-Jugend, für die kommende Saison ist erstmals eine A-Jugend zum Spielbetrieb angemeldet. „Die Entscheidung war nicht leicht, aber wir sind sicher, dass das, was im Jugendbereich bestens funktioniert, auch bei den Senioren Erfolg haben wird“, zeigte Zwölferchef Beck sich zuversichtlich.

Den Klassenerhalt schaffen

Das Trainerteam für die 1. Mannschaft der SG Jülich, die für die Kreisliga A gemeldet ist, bilden Chefcoach Renardo Schiffer und Co-Trainer Wissam Nehme. Göhkan Bayraktar wird die 2. Mannschaft trainieren, die in der Kreisliga B startet. „Ziel ist es, zwei schlagkräftige Mannschaften zu bilden, die den Klassenerhalt schaffen und dabei eine gute Rolle spielen“, gab Schiffer die Richtung vor. Dazu müsse „bei der anstehenden Kaderplanung überzeugend dargelegt werden“, wer in welcher Mannschaft optimal aufgehoben sei.

Die Tradition der Vereine soll dabei nicht verloren gehen. So sagte der Teamchef und sportliche Leiter Mohamed Khomassi: „Die Tradition bringen wir in unseren Herzen mit.“ Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt sei mit der Vielfalt der Nationen bei den Spielern die Verantwortung für das Gelingen der Integration nicht nur im Verein. „Letztlich ist Fußball unsere Sprache, und so sollte sich auch bei anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten die Bildung von Subkulturen vermeiden lassen“, ergänzte Wissam Nehme.

Wie die nächsten Schritte aussehen werden, erläuterte Michael Lingnau: „Wir haben erkannt, dass wir als starker Stadtverein auftreten müssen, um zukunftsfähig zu sein. Mit der Bildung der Spielgemeinschaft haben wir die Verlobung der beiden Vereine beschlossen, die Heirat soll nach einem Jahr erfolgen.“ Gemeint ist die damit die endgültige Fusion. Auf dem Fundament von Jülich 10/97 und Jülich 1912 soll ein ganz neuer Verein entstehen. Die vereins- und sportrechtliche Form der Fusion ist noch offen, ebenso wie der Name und die Trikotfarben.

1230 Aufrufe7.7.2020, 06:00 Uhr
Günter Jagodzinska | AZ/ANAutor

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