– Foto: Volkhard Patten

"Ich wollte eigentlich als Trainer aufhören"

Der 47-jährige Coach des SV Grieth spricht über seine neue Aufgabe und seine bisherigen Stationen.

Thomas von Kuczkowski sorgte im März für eine faustdicke Überraschung. Der Übungsleiter, zuvor für den 1. FC Kleve, den SV Sonsbeck und die SV Hönnepel-Niedermörmter in der Landesliga aktiv, wurde als Trainer des B-Ligisten SV Grieth vorgestellt. Mittlerweile ist klar, dass er mit den Blau-Weißen zur neuen Saison in der Kreisliga A spielen wird. Als Tabellenzweiter schloss die Mannschaft von Übungsleiter Sascha Horsmann die abgebrochene Spielzeit ab und machte so den Aufstieg perfekt.

Herr von Kuczkowski, warum haben Sie nach mehreren höherklassigen Engagements Lust auf Kreisliga-Fußball mit dem SV Grieth?

Thomas von Kuczkowski Erst einmal bin ich doch Fußballlehrer mit Leib und Seele. Da ist es egal, ob man den 1. FC Kleve oder den SV Grieth trainiert. Ich habe Freude, wenn ich mit Jungs auf dem Platz stehen und Anweisungen geben darf. Allerdings hatte ich mir eigentlich vorgenommen, nach den eineinhalb Jahren bei der SV Hönnepel-Niedermörmter aufzuhören. Im Kopf hatte ich diese Entscheidung schon getroffen. Dann aber kamen Maximilian Müskens und Niklas Freericks vom SV Grieth auf mich zu und baten um ein Gespräch.

Auf dieses Angebot sind Sie gleich auch eingegangen?

Von Kuczkowski Nun, ich wollte mir zumindest mal anhören, welche Vorstellungen sie haben. Man sollte nie so arrogant werden, schon das Gespräch an sich abzulehnen. Die Verbindung des Vereins zu mir war ja auch nicht abwegig. Immerhin bin ich beim SV Grieth groß geworden, ich habe meine Kindheit dort am Platz verbracht – seitdem sind 30 Jahre vergangen. Aus dem ersten Gespräch mit Maximilian Müskens und Niklas Freericks bin ich dann mit einem guten Gefühl heimgefahren. Allerdings hatten wir uns darauf geeinigt, dass sie erst einmal Ausschau nach einem anderen Trainer halten und wir noch einmal sprechen, wenn sie keinen finden.

Ein passenderer Trainer als Sie wurde aber nicht gefunden?

Von Kuczkowski Ganz offenbar nicht. Der Verein hat auch noch mit anderen Trainern gesprochen, da hat es aber wohl nicht sofort Klick gemacht. Also haben sie wieder den Draht zu mir gesucht. Und weil es für mich auch eine emotionale Kiste ist, habe ich zugesagt.

Wohin soll der Weg mit dem SV Grieth führen? Vor zehn Jahren spielte der Verein in der Landesliga.

Von Kuczkowski Daran denken wir überhaupt nicht. Als ich zugesagt habe, war noch nicht einmal klar, dass wir aufsteigen würden. Wir sind froh, dass es geklappt hat. Es sollte nun unser Ziel sein, in der Kreisliga A anzukommen. Ich hoffe, dass wir nicht allzu lange gegen den Abstieg spielen müssen.

Die Mentalität in der Kreisliga ist eine andere als in der Landesliga. Sind Sie darauf vorbereitet?

Von Kuczkowski Ich bin gespannt, wie es läuft. Ich weiß natürlich, wie es in der Kreisliga zugeht. Immerhin habe ich hier vor vielen Jahren angefangen. Ich gehe davon aus, dass man die Jungs in der Kreisliga stärker motivieren muss. Schließlich bekommen sie keine Kohle. Ich weiß aber auch noch nicht, wie ich damit umgehen werde, wenn Jungs fürs Training absagen, weil sie länger arbeiten müssen oder sonst irgendwelche Ausreden haben. Als Trainer bin ich immer wahnsinnig motiviert und bestmöglich vorbereitet. Das erwarte ich auch von Spielern. Mir ist aber klar, dass ich Abstriche machen muss.

Wie blicken Sie auf Ihre vorherige Station bei der SV Hönnepel-Niedermörmter zurück? Bis Februar waren Sie dort aktiv. Zuvor geriet der Verein immer wieder in die Schlagzeilen – etwa, als Sportchef Georg Kreß Ihre Entlassung forderte und kurze Zeit später selbst zurücktrat.

Von Kuczkowski Ich habe eine unglaubliche Eigenschaft: Ich bin niemals nachtragend. Daher liegt auch das Nachtreten nicht in meiner Natur. Ich weiß, dass die Zusammenarbeit mit dem Vorstand und der Mannschaft von Vertrauen geprägt war. Und dennoch sind dort Dinge passiert, die ich nicht für möglich gehalten hätte und nie vergessen werde. Ich kann für mich behaupten, immer ehrlich gewesen zu sein. Vielleicht gab es aber Leute im Verein, die mehr wollten als eigentlich möglich war.

Können Sie sich vorstellen, nochmal höherklassig zu trainieren?

Von Kuczkowski Aktuell kann ich mir das nicht vorstellen. Aber sage niemals nie. Es ist nicht so, dass der SV Grieth der einzige Verein war, der sich bei mir gemeldet hat. Ich hätte schon im Winter zu einem namhaften Klub gehen können. Es kam für mich aber nicht in Frage, die weiten Wege ins Ruhrgebiet in Kauf zu nehmen. Ich hatte nach turbulenten Jahren das Gefühl, zu mir finden zu müssen. Das habe ich in den vergangenen Monaten geschafft.

Was war der bisherige Höhepunkt Ihrer Laufbahn?

Von Kuczkowski Das war sicherlich die Zeit beim 1. FC Kleve. 2014/2015 und 2015/2016 haben wir richtig tolle Saisons hingelegt. Die Erinnerung kann mir niemand nehmen, auch wenn wir damals jeweils in der Relegation zur Oberliga gescheitert sind.

Gibt es eine Entscheidung, die Sie bereuen?

Von Kuczkowski Ich bereue keine meiner Stationen. Aber dass ich den TSV Wachtendonk-Wankum 2017 nach zwölf Spieltagen verlassen habe, war nicht in Ordnung. Ich habe mich damals vom Sportlichen Leiter des SV Sonsbeck überreden lassen. Rückblickend tut mir diese Entscheidung total leid. Das hängt mir bis heute nach. Vielleicht ist die Aufgabe in Grieth aber eine Chance für mich, die vorgefertigte Meinung, die viele von mir haben, zu revidieren.

Aufrufe: 011.8.2020, 08:00 Uhr
RP / Maarten OversteegenAutor

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