2024-07-12T13:30:11.727Z

Ligabericht
Dynamisches Duo auf der rechten Seite: Khaled Abou Daya (weißes Trikot, von links) und Luan Barroso Rennstich machten gegen Göppingen viel Betrieb.
Dynamisches Duo auf der rechten Seite: Khaled Abou Daya (weißes Trikot, von links) und Luan Barroso Rennstich machten gegen Göppingen viel Betrieb. – Foto: RSCP Photo

SV Gonsenheim: Zwei Abschiede, die weh tun

Khaled Abou Daya und Luan Barroso Rennstich hätten in ihrem letzten Spiel für den SVG liebend gern den Aufstieg gefeiert

Der Kühlschrank war voll, die T-Shirts bedruckt. Doch gefeiert hat der Gegner, unter anderem mit von Spielern unter den Stutzen aufs Feld geschmuggelten Bengalos. So sympathisch sich die Gäste des 1. Göppinger SV präsentierten, denen man den Aufstieg wirklich gönnen konnte – es flossen reichlich Tränen beim SV Gonsenheim.

Der erstmalige Aufstieg in die Fußball-Regionalliga wurde verpasst, durch eine 2:4-Niederlage vor proppevollen Rängen in Mombach. Verbandspokalsieg, DFB-Pokal, U19-Titel, NLZ-Liga – alles wäre eine Premiere gewesen. Drei Finals, drei Niederlagen. Und doch fehlte es an einem langen Abend im und am VIP-Zelt nicht an Stimmen, die bereits mit berechtigtem Stolz auf diese Saison blicken.

Drei A-Junioren standen gegen Göppingen auf dem Platz, die Hälfte der eingesetzten Spieler entstammt der eigenen Jugend. Als die Gonsenheimer Verantwortlichen sich über Philosophie und Budget mit ihren Pendants aus Göppingen und den Verbandsvertretern unterhalten, blicken sie fortwährend in ungläubige Gesichter. Angesichts der Voraussetzungen muss, darf man keines der Finals als Niederlage in Erinnerung behalten – sondern als Husarenstück, es überhaupt so weit geschafft zu haben.

Am Rande der Pressekonferenz nimmt Babak Keyhanfar seinen Nach-Nachfolger, SVG-Coach Anouar Ddaou, in den Arm. Und drückt in wertschätzenden Worten seine Begeisterung über die Spielphilosophie aus, den konsequent durchgezogenen aktiven, sauberen, offensiven Fußball – auch wenn er diesmal an Routine und Gewieftheit des BaWü-Vizemeisters abprallte.

Trost von Keyhanfar, Lob von Krawietz

Einige Stunden später steht Peter Krawietz bei seinem langjährigen Freund, SVG-Clubchef Frank Specht, und preist, reich an Analogien zu seinen vielen Jahren als Cotrainer von Jürgen Klopp, den Gonsenheimer Weg. So viel Jugend, so viel Überzeugung. Und dass verlorene Finals oft der Vorbote der größten Erfolge sind, weiß Krawietz aus leidvoller eigener Erfahrung.

Einige Spieler bleiben nach Abpfiff lange am Sportplatz stehen, unterhalten sich mit Freunden und Familie, lassen sich trösten. Andere wollen nur noch nach Hause. „Jeder hat das gemacht, was er gebraucht hat“, erzählt Khaled Abou Daya. Mit dem TSV Schott erlebte der Kapitän, was ein Regionalliga-Aufstieg in einem auslöst, welchen Schub ein ganzer Club bekommen kann. Beim SVG wird er dieses Erlebnis nicht wiederholen. Abou Daya verlässt den Verein, weil aus beruflich-privaten Gründen die Zeit knapp wird, und geht eine Spielklasse nach unten.

Abou Daya wird eine Liga tiefer spielen

Der Entschluss fiel schon vor dem Pokalfinale, nun gab Abou Daya seiner Mannschaft Bescheid. „So ein Erlebnis für's Leben, das hätte ich mir für die Jungs, den Verein und mich selbst extrem gewünscht“, sagt der Stürmer.„Aber es war eine Hammer-Saison. Wir haben extrem viel dazu gelernt und gesehen, wozu die Jungs in der Lage sind. Eigentlich kann jeder auf sich stolz sein, auch wenn du nichts in der Hand hast.“

Abdellatif El Mahaoui machte mit drei Toren in den beiden Aufstiegsspielen nachhaltig auf sich aufmerksam. Genauso wie Luan Barroso Rennstich, Dauerläufer und Anschlusstorschütze. Es war auch für den Deutsch-Brasilianer das letzte Spiel für den SVG, Rennstich setzt sein Business-Management-Studium in Miami fort.

Luan Barroso Rennstich geht nach Miami

Luis Kiefer, Ex-Stürmer von Wormatia Worms, ist schon dort, wird ihm helfen sich einzufinden. Genauso wie die große brasilianische Community vor Ort – und seine eigene Familie in der Nähe. Schon vor zwei Jahren gab es diese Idee. Nun setzt Rennstich sie um. „Dort kann ich auch auf Regionalliga-Niveau Fußball spielen“, sagt der 22-Jährige, der bildhaft für den Gonsenheimer Weg steht, als selbst ausgebildeter Leistungsträger.

Gemeinsam mit Paul Simon und Maurice Neukirch, die ebenfalls (nicht nur) am Dienstagabend herausstachen, saß Rennstich noch lange in der Kabine. „Ich wollte nicht nach Hause. Hier habe ich mich wie zu Hause gefühlt. Ich weiß, dass ich, dass die Mannschaft an solchen Erlebnissen wachsen wird. Es ist in den letzten Jahren eine kontinuierliche, exponentielle Entwicklung.“

Aufrufe: 013.6.2024, 15:12 Uhr
Torben SchröderAutor