
Pokal, war da was? Von einer „Charakterfrage“ spricht Lukas Rodwald, Kapitän des SV Gonsenheim. Die 2:6-Schmach im Verbandspokal am Mittwoch in Idar-Oberstein wollte niemand der Oberliga-Fußballer auf sich sitzen lassen. „Das war ein Wachrüttler“, betont Rodwald. Und der wirkte, wie das 3:2 (2:0) im Topspiel gegen Wormatia Worms zeigte. Zu sehen ist das Spiel im Re-Live.
Der SVG legte los wie entfesselt, so, als solle das schmerzliche Ausscheiden rückwirkend noch korrigiert werden. Maurice Neukirch und Abdellatif El Mahaoui hatten die ersten guten Chancen schon liegen lassen, als Yannik Ischdonat den Ball ins lange obere Eck schoss (11.). Max Klein per Flanke und Tibor Engler, der ablegte, waren die Vorbereiter. Engler, wieder von innen auf die angestammte Außenverteidigerposition zurückgekehrt, nutzte seine Spielräume nach vorne ausgiebig. Nach Ischdonats Diagonalball legte Engler auch das 2:0 für Jan Vogel ab (18.). Da hatten Ryoji Matsumura (15.) und Nokouri Hangatta (16.) Wormatia-Keeper Luca Pedretti schon zu zwei weiteren Glanztaten gezwungen.
Eine „sensationelle erste Halbzeit“ sah SVG-Trainer Anouar Ddaou. „Wir haben den Gegner fast gar nicht aufkommen lassen und müssen eigentlich viel höher führen.“ Der 44-Jährige hatte seiner Mannschaft, was neu ist, ein flaches 4-4-2 verordnet. Es ging um klare Strukturen und eindeutig zugeteilte Aufgaben. „Wir haben uns auf die Grundtugenden besonnen und gar nicht viel über Taktik gesprochen“, sagt Ddaou, „meine Aufgabe war, es der Mannschaft einfach zu machen. Durch das System hatten wir nur drei Ebenen, waren in Breite und Tiefe gut aufgestellt.“
Allerdings ging es nach nicht einmal einer halben Stunde notgedrungen zurück ins 4-3-3, weil Abdellatif El Mahaoui vom Feld humpelte. Der Stürmer geht von einer Zerrung aus. Die Gäste kamen nun besser rein. Jan Dahlkes Schuss lenkte Paul Simon an die Latte (30.), bei Mert Özkayas Kopfball half der Außenpfosten mit (35.). Das 3:0 direkt nach der Pause war zunächst ein Dämpfer für die Wormser Hoffnungen. Maurice Neukirch köpfte Yannik Ischdonats Ecke ein (47.). Ischdonat (54.) und Vogel (56.) ließen Hochkaräter zur Entscheidung liegen, dann fightete Wormatia sich rein. Dahlke per Heber (60.) und Erijon Shaqiri nach Flanke (77.) verkürzten, zwei weitere Hundertprozentige ließ Dahlke liegen (71., 74.), ehe der SVG das Spiel hinten raus mit Fünferkette nach Hause schaukelte.
"Das ist aller Ehren wert"
„Wir müssen den Anspruch haben, jede Mannschaft in der Liga schlagen zu können“, sagt Rodwald, „aber wenn die letzten Prozente fehlen, können wir auch gegen jeden verlieren.“ Diese Lehre brachte der Mittwoch schlagartig mit sich. „Und bei so einem Spiel wie heute musst du keinen motivieren. Der Coach hat gesagt, er will eine Reaktion sehen. Aber das wussten wir auch selbst.“ Ddaou hatte, wie er erzählt, „fast ein Deja-Vu“. 3:0-Führung, Aufholjagd der Wormser, so war es auch beim 3:1 in der vorigen Rückrunde auf der BSA Mombach. „Der Sieg geht mehr als in Ordnung“, betont der SVG-Trainer, „wir hätten uns das Leben viel einfacher machen müssen. Das war eine sehr gute Reaktion auf das Pokalspiel. Ein absolutes Top-Team so zu dominieren über 60 Minuten, ist aller Ehren wert.“
SV Gonsenheim: Simon – Klein, Rodwald, Hangatta, Engler – Vogel (78. Kömesögütlü), Cucchiara, Neukirch, Ischdonat (85. Fernandes) – El Mahaoui (28. Coric), Matsumura (78. Tepedibi).