
Drei Tore wie ein Statement. Erarbeitet, erlaufen, erkämpft, erzwungen. Und dann: tiefe Erleichterung, bei den Spielern, bei den Funktionären. Mit einem 3:1 (0:1)-Sieg gegen Top-Fünf-Team FV Engers wuchtete sich der SV Gonsenheim für den Moment aus der unmittelbaren Gefahrenzone in der Oberliga. Und hatte noch, wie Trainer Luca Vanni sagt, „eine Geschichte für Fußball-Romantiker“ im Gepäck.
Seit eineinhalb Jahren dauert die Leidenszeit von Christian Jindra an, der immer wieder mit Verletzungen und Rückschlägen zum Zuschauen verdammt ist. Und sich nun zum 2:1 durchsetzte. Dribbling, Zweikampf, wieder Dribbling, abgefälschter Schuss, alles in einem Fluss, halb Plan, halb Intuition – selten sah ein Tor so sehr nach Arbeit aus (67.). Als „Mischung aus Dribbling und Willenskraft“ umschreibt der Verteidiger den Treffer.
„Letzte Woche“, beim 0:2 gegen Arminia Ludwigshafen, „waren wir leblos.“ Das Abstiegsgespenst spukte am Wildpark. Es folgten, wie Jindra erzählt, viele Gespräche, mit dem Trainerteam, mannschaftsintern. Das Ergebnis: viel Energie von außen, und nach dem Seitenwechsel auch auf dem Feld. Denn Halbzeit eins gab zunächst wenig Hoffnung.
Früher Rückschlag, starkes Comeback
„Du willst mit Emotionalität ins Spiel gehen“, schildert Vanni. Das frühe Resultat: ein, so der Trainer, unberechtigter Freistoß, Gelb für Sechser Noah Dietze, das Kopfball-Gegentor von Max Schmitten (8.). Auch ein 0:3 war kurz vor dem Seitenwechsel drin. Der SVG war mit dem Ball fahrig. „Letzte Woche haben wir es in der Pause nicht geschafft, den Spirit aufleben zu lassen“, sagt Kapitän Paul Simon, „uns war wichtig, zu zeigen, dass es anders geht.“
Mit Josef Elhajjs Pressschlag, der an den Pfosten prallte (46.), ging es los. Bei Yannik Ischdonats weiter Flanke lief Enes Coric auf den zweiten Pfosten durch und traf hinter einem Pulk per Kopf, wo nicht mehr viele hinrennen (54.). Engers' Alutreffer nach einer Ecke (56.) war schnell verdaut. Justus Mildebergers Schuss wurde mit der Brust vor der Linie geblockt (62.). Nach Jindras Alleingang blieb der SVG aktiv. Elias Walter lief einem Rückpass nach, spitzelte die Kugel über den Keeper und ins Netz (82.). Nun waren noch mehr Tore drin, ihren Sieg verdienten die Gonsenheimer sich redlich.
"Freut mich für ihn als Mensch ungemein"
„Wenn wir diesen Willen zeigen, können wir jeden schlagen“, sagt Jindra, dessen Winter-Abgang nach all den Frust-Momenten diskutiert wurde. „Es freut mich für ihn als Mensch ungemein“, strahlt Vanni, „wir machen einfach immer weiter.“ Es habe diese Reaktion der Mannschaft gebraucht, nicht nur tabellarisch, auch und erst recht für den eigenen Kopf. So kam eine „sehr, sehr gute zweite Halbzeit“ heraus, bei der der SVG kämpferisch nichts schuldig blieb und zugleich immer wieder gute fußballerische Lösungen suchte.
„Wir müssen einfach verstehen, dass wir das jede Woche auf den Platz bringen müssen“, sagt Keeper Simon, der mit seiner starken Parade gegen Manuel Simons Schlenzer (41.) die Chancen zur Aufholjagd offen hielt. „In der zweiten Halbzeit haben wir sie einfach überrannt.“ Mit Toren, die echte Willensleistungen waren.
SV Gonsenheim: Simon – Jindra, Donges, Hangatta – Elhajj (57. Neal), Mildeberger (90. Haskaj), Dietze (57. Henseler), Coric – Neukirch – Walter (85. Hofmann), Ischdonat (57. Vodi).