
Mainz. Einlauf- und, im Erfolgsfall, Torhymne. Einlaufkids und Balljungen. Spieltagssponsor und regelmäßige, mitunter witzige Präsenz in den sozialen Medien. Und dann und wann sogar eine Pressekonferenz zwischen den Trainerbänken. Jahrelang waren die Oberligaspiele des SV Gonsenheim etwas für Eingeweihte, zumindest vermittelten sie diesen Eindruck. Auf dem neuen Kunstrasen, wo es am Sonntag (15 Uhr) gegen Arminia Ludwigshafen geht, ist auch die Außendarstellung eine neue. Und nicht nur dort.
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„Spaß in der Kabine, Feuer auf dem Platz“ – auf diesen Nenner bringt Kapitän Paul Simon das Betriebsklima: „Da ist ein richtig gutes Miteinander entstanden, das von den Jungs kommt und nicht aufgezwungen ist.“ Und das ganz ohne Kanu-Touren und Bergetappen. Von derlei Teambuilding-Events hält Trainer Luca Vanni nichts, zu unterschiedlich seien die Freizeit-Vorlieben. Lieber wollte er dort, wo man sich ohnehin trifft, einen Ort schaffen, an dem man auch gern bleibt.
Also wurde die Mannschaftskabine von den Spielern neu gestaltet. Kräftige Musikanlage, Beamer, Kühlschrank, da schaut man nach dem Training gern noch Fußball, spielt Karten – Wizard steht hoch im Kurs – und quatscht über Taktik und Tippscheine. Der Wunsch der Mannschaft, dass alle nach jedem Heimspiel noch eine Stunde beisammen bleiben, ist nun Gesetz. „Schritt eins“, sagt Vanni, „sind Charaktere, die zusammenpassen.“ Und es brauche ein Trainerteam, das Geselligkeit und Gemeinsinn vorlebt. Cotrainer Sven Liebisch und Teammanager Timo Berkes „sind da absolute Waffen“.
Ihre Team-Events macht die Mannschaft selbst aus, und die Tischtennisplatte am Wildpark ist ebenso beliebt wie die Auswärtsfahrten, die neuerdings alle gemeinsam im großen Reisebus zurücklegen. Ein so aktives Teamgefüge wie aktuell, sagt Simon, gab es zuletzt unter Babak Keyhanfar, der bis 2018 SVG-Trainer war. Danach entwickelte sich mehr und mehr der Ruf einer Leistungsgesellschaft, verbunden mit den erfolgreichsten Spielzeiten der Fußball-Neuzeit. „Aber mir hat das gefehlt“, sagt Simon. „Und ich bin sehr der Meinung, dass das auf dem Platz auch was mit dir macht. Je besser du dich verstehst, desto mehr willst du für den anderen die Extra-Meter laufen.“
Maurice Neukirch freut sich über die attraktiveren Heimspiele, das anscheinend wieder steigende Zuschauerinteresse. „Ich habe mich auch die letzten Jahre sehr wohl gefühlt“, betont der Spielgestalter, „wir haben uns immer gern eine halbe Stunde vor dem Training in der Kabine getroffen. Aber jetzt ist es noch mal etwas anderes.“ So gelinge es auch besser, die vielen Neuzugänge zu integrieren. All dies kam auf der monatelangen Wanderschaft aufgrund der Platz-Erneuerung zu kurz.
„Wir wollen Geschlossenheit zeigen“, bringt Neukirch die Neuerung in Außendarstellung und Binnenklima auf den Punkt. Dann sollte die latente Abstiegsgefahr ja bald gebannt sein. „Wir haben uns selbst in die Situation gebracht und können uns da schnell wieder rausbringen“, ist Neukirch sicher, „die Mannschaft ist für Abstiegskampf viel zu gut.“ Man spürt, sagt Simon, dass das Team, das Gefüge seit der Heimkehr an den Wildpark einen Schritt gemacht hat. „Die Tabelle sieht nicht so aus, wie sie aussehen sollte“, betont der Keeper, „aber ich bin tiefenentspannt, dass wir da rauskommen.“ Ein Dreier gegen den Fünftletzten wäre ein wichtiger Schritt.