Ruhig ist es um den SV Erlenbach geworden - nicht nur wegen Corona.
Ruhig ist es um den SV Erlenbach geworden - nicht nur wegen Corona. – Foto: Werner Franken

So will Ex-Bayernligist SV Erlenbach in der B-Klasse neu starten

- Verein arbeitet nach Team-Abmeldung an Comeback in den Amateur-Fußball

Eigentlich sollte 2019 ein besonderes Jahr für den SV Erlenbach werden, schließlich feierte der Traditionsverein damals seinen 100. Geburtstag. Stattdessen wurde aber ausgerechnet das Jubiläum zum Schicksalsjahr für die Unterfranken. Nach den zuvor sportlich erfolgreichsten Spielzeiten der jüngeren Vereinsgeschichte in der Bayernliga Nord, geriet der SVE in Schieflage: Erst der Abstieg in die Landesliga, dann ging es weiter runter in die Bezirksliga und schließlich wurde das Herren-Team abgemeldet. Das bedeutet aber noch nicht das Aus für den Traditionsklub: Stattdessen arbeitet jetzt eine interne Taskforce am Neustart in der B-Klasse in der nächsten Saison…

Ruhig ist es um das Erlenbacher Waldstadion geworden. Von Fußballern, Funktionären und Fans fehlt jede Spur. Wegen der Pandemie, die ohnehin den kompletten Amateur-Fußball lahmlegt, fällt das aber nicht weiter auf. „Für uns ist diese Pause vom Zeitpunkt her gar nicht so schlecht - wir konnten uns sortieren und die Verantwortung auf viele Helfer neu verteilen“, schildert André Wöber, von Beruf Unternehmensberater. Er selbst spielte einst in der SVE-Jugend, wo heute auch sein Sohn aktiv ist. „Ich bin dem Verein dankbar und habe eine Bindung“, erklärt er. Deswegen wollte er auch Teil der Taskforce sein, die dem Ex-Bayernligisten neues Leben einhauchen möchte. Eine Entscheidung, die bereits 2018 fiel: „In einer Sitzung wurde damals sogar die Grundsatzfrage gestellt. Wir waren uns einig, dass es weitergehen soll – aber eben anders!“

Die Bayernliga-Jahre hatten Spuren hinterlassen. Dabei fingen sie vor acht Jahren einst erfolgreich an: Unter Coach Jürgen Baier – Vater von Daniel (früher FC Augsburg) und Benjamin (Viktoria Aschaffenburg) – wurde das Team im ersten Jahr Neunter, in der zweiten Saison dann Zehnter. In den darauffolgenden Spielzeiten rutschte die Mannschaft aber ab – mit Folgen. „Als der Erfolg ausblieb, kamen immer weniger Zuschauer zu den Spielen. Das lag auch daran, dass kaum noch Einheimische bei uns gekickt haben, sondern fast nur Auswärtige, die niemand in Erlenbach kannte“, blickt Wöber zurück auf einen Negativkreislauf, der sich kaum aufhalten ließ. „Uns fehlten dann die Fans und Ehrenamtler, gleichzeitig mussten Spieler bezahlt werden - so wurde die Situation auch finanziell angespannt.“ Abstiege in die Landesliga (2018) und in die Bezirksliga (2019) resultierten daraus.

„Zwei Jahre in Folge musste ein neues Team zusammengestellt werden. Klar, dass dadurch kein Draht zum Verein entsteht“, führt Wöber fort. „Und wenn man jede Woche verliert, macht es keinen Spaß. Es gibt Probleme im Team und die Kicker bleiben weg.“ Helfer- und bald auch Spielermangel waren die Folgen, die den Klub im November 2019 dann zwangen, das Herren-Team abzumelden. „Die finanziellen und personellen Lasten waren mit wenigen Schultern nicht mehr zu stemmen.“ Aus dieser Zeit zieht der SVE seine Schlüsse.

Noch 2016/17 war Viktoria Aschaffenburg zum Derby in Erlenbach zu Gast - diese Zeiten sind erstmal vorbei.
Noch 2016/17 war Viktoria Aschaffenburg zum Derby in Erlenbach zu Gast - diese Zeiten sind erstmal vorbei. – Foto: Moritz Hahn

„Wir wollen zurück zu unseren Wurzeln. Der Fokus soll wieder auf unserer Jugendarbeit liegen“, erklärt André Wöber. Neben vielen regionalen Spitzenakteuren ging mit Thomas Kroth sogar einst ein Nationalspieler aus der SVE-Schmiede hervor. Nach der Abmeldung der ersten Mannschaft habe deshalb sogar im Raum gestanden, nur noch im Nachwuchsbereich aktiv zu sein. „Aber wir möchten den Jungs auch eine Perspektive bieten: Unsere Junioren sollen es in das Herren-Team schaffen.“ Aufgrund des Leistungsdrucks, den die Bayernliga-Spielzeiten verursachten, sei das abhandengekommen. „Und dann blieben wiederum die enttäuschten Eltern, die ehrenamtlich helfen, weg“, schildert Wöber den Negativ-Kreislauf erneut.

Deswegen soll künftig die Bindung zum Verein gestärkt werden: „Bei den Planungen zur Neu-Anmeldung des Herren-Teams setzen wir nur auf Spieler mit Erlenbacher Vergangenheit.“ So werden mit Fabian Neuberger (zuletzt VfL Mönchberg) und Yannick Hillerich auch zwei Eigengewächse das neue Trainerduo bilden. Gleiches gilt für den Spielerkader: „Wir haben hier inzwischen eine Liste mit bald 30 Männern, die sich gemeldet haben, dass sie aktiv auf dem Platz und im Verein dabei sein wollen. Da waren auch bewegende Bewerbungen dabei, was für eine Ehre es wäre, dieses schwarz-weiße Trikot überstreifen zu dürfen.“ Von früheren Landesliga-Kickern über ehemalige Jugendspieler sei die Bandbreite groß, doch alle eint ihre Erlenbacher Vergangenheit. Eine positive Stimmung und Begeisterung gelte es jetzt um den Verein daraus wieder zu entfachen, um dann angreifen zu können.

Die Fans bleiben dem SVE treu.
Die Fans bleiben dem SVE treu. – Foto: Werner Franken

„Ich denke schon, dass diese Jungs die Ambition haben werden, in die A-Klasse aufzusteigen“, meint Wöber zur Klasse des Kaders, „aber man muss abwarten – wir gehen das entspannt an.“ Vom sportlichen Erfolgsdruck und dem damit verbundenen bezahlten Amateur-Fußball bis in die untersten Klassen wolle man sich distanzieren. Fußball sowie das Vereinsleben sollen in Erlenbach wieder Spaß, Hobby-Sache und Leidenschaft bedeuten, deswegen wird auch den Spielern des neuen Teams kein Geld gezahlt. Finanziell stehe der Verein laut Wöber aber inzwischen wieder gut da: „Wir haben klar Schiff gemacht! Die laufenden Kosten werden gedeckt.“

Der neue Erlenbacher Weg erntet bislang viel Zustimmung - auch bei den Fans, die den Verein einst in der Nordkurve unterstützten. „Zwei von ihnen wollen sogar mitspielen!“ Ebenso befürworten Sponsoren die Pläne, hier wolle man aber künftig weitere regionale Unterstützer für sich gewinnen. „Corona steht uns jedoch im Weg: Das Team würde sich nun gern kennenlernen, es gibt viele Gespräche zu führen.“ Umso mehr wächst auch die Vorfreude auf den Re-Start, der für den SV Erlenbach ein Neustart ist, wie André Wöber auf den Punkt bringt: „Wir alle sind schon heiß darauf, wenn nächste Saison endlich wieder der Ball in unserem Waldstadion rollt!“

3341 Aufrufe20.3.2021, 11:00 Uhr
Kilian AmrheinAutor

Verlinkte Inhalte