Eintracht Trier: Streit um Papierschnipsel im Stadion

Eine Schmonzette um Papierschnipsel sorgt derzeit unter Eintracht-Fans auf der Gegengerade des Moselstadions für Gesprächsstoff.

Auslöser ist der langjährige Eintracht-Fan Jörg Gerth, 63 Jahre, Zuschauer seit mehr als 40 Jahren, SVE-Mitglied, einst Jugendspieler und (kurzzeitig) -trainer bei den Moselanern. Seit rund 30 Jahren bringt er zu den Eintracht-Heimspielen nach eigener Aussage eine Tüte mit Papierschnipseln mit. Beim Einlaufen der Teams, bei Toren oder auch mal bei guten Aktionen werfe er das Konfetti in die Luft.

Zuletzt, beim Heimspiel gegen Karbach, war damit Schluss. „Bei der Einlasskontrolle wurde ich aufgefordert, meine Tüte mit Papierschnipseln abzugeben. Auf Nachfrage hieß es, fünf namentlich bekannte Personen hätten sich persönlich beim Vorstand beschwert, dass ich während des Spiels auch Konfetti werfe, wenn kein Tor für die Eintracht fällt. Ich dachte zunächst, wo ist jetzt hier die versteckte Kamera“, sagt Gerth.

Der SVE-Fan, der beim Bürgerservice Trier arbeitet, versteht die Welt nicht mehr: „Es geht um eine kleine Tüte, die zu einem Viertel gefüllt ist. Die Schnipsel reichen für ein bis zwei Tore. Wenn die Ultras richtig Silvester machen, sieht es anders aus. Bei mir hatte sich noch nie jemand beschwert. Ist daran irgendetwas auszusetzen, wenn man ein wenig Stimmung in der fünften Liga macht?“ Seine Konsequenz: Er will die Mitgliedschaft kündigen.

Mehrere andere Fans springen Gerth zur Seite. In einem von elf Personen unterzeichneten Schreiben heißt es: „Es ist wohl an Lächerlichkeit schwer zu überbieten! … Wir denken, in Kaiserslautern, Köln und dem Rest der Welt würde man sich totlachen! … So nimmt man einer Mannschaft die Anfeuerung und vergrault die letzten treuen Anhänger!“

Der TV bat den Eintracht-Vorstand um seine Sicht der Dinge. Per Telefon antwortet Geschäftsführer Torge Hollmann auf die Fragen: „Wir bitten um Verständnis, das Werfen der Schnipsel zu unterlassen. Gerade wenn es nass ist, ist es ätzend, die Schnipsel von der Tartanbahn wegzukratzen. Für die Säuberung müssen wir in diesem Fall zwei Leute dransetzen und bezahlen. Sie zu finden, ist in der Oberliga zudem nicht einfach. Wir haben entschieden, dass das nicht sein muss.“ Zudem hat Hollmann, der Gerths Auftreten an der Einlasskontrolle beim Karbach-Spiel als ungebührend beschreibt, einen Verdacht: „Seit wir bei der Stadion-Säuberung nicht mehr mit dem Bürgerservice zusammenarbeiten, hat Herr Gerth in verstärkter Form Papierschnipsel mitgebracht.“

Diesen Vorwurf weist Gerth zurück. Hollmann hat ihn zu einem Gespräch eingeladen, um die Sache zu klären. Ausgang: offen.

1371 Aufrufe15.9.2018, 04:00 Uhr
Mirko BlahakAutor

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