Könnten bald ein Wiedersehen im Pokalfinale feiern: Eintracht Trier und Rot-Weiß Koblenz.
Könnten bald ein Wiedersehen im Pokalfinale feiern: Eintracht Trier und Rot-Weiß Koblenz. – Foto: Hans Krämer

Eintracht Trier ist bereit fürs Pokalfinale

Der Fußballverband will den SVE nach dem Abbruch der Cup-Serie ins Endspiel befördern. Einige Oberligisten bringt das auf die Palme.

So lange wie ein Fußballspiel inklusive Halbzeitpause dauert, diskutierten Vereinsvertreter mit den Verantwortlichen des Fußballverbandes Rheinland (FVR), um in der virtuellen Konferenz die missliche Situation zu erörtern, in der sich (auch) der Rheinlandpokalwettbewerb befindet: Aufgrund der anhaltenden Corona-Beschränkungen ist aktuell und in den nächsten Wochen noch nicht daran zu denken, dass die 37 Teams die restlichen Pokalrunden austragen können. Der Abbruch des 2020/21er Wettbewerbs ist unumgänglich. „Wir möchten das Endspiel aber wenn irgendwie möglich durchziehen und unseren Vereinen am 29. Mai beim bundesweit im Fernsehen übertragenen Finaltag der Amateure eine attraktive Plattform bieten“, betonte FVR-Präsident Walter Desch.

Falls das Finale (geplant ist es im Koblenzer Oberwerth-Stadion) tatsächlich über die Bühne gehen kann, sollen die noch im Pokal verbliebenen Teams stärker an der finanziellen Ausschüttung profitieren, als wenn die Partie coronabedingt ausfallen muss (siehe Extra).

Mit harten Bandagen und bisweilen sogar mit rüden Attacken wurde am Mittwochabend gekämpft – ähnlich wie in so mancher Partie auf dem Platz. Das Kernproblem im FVR-Gebiet und die Folgen daraus zogen Fragen der Fairness und der Rechtmäßigkeit nach sich. Während in vielen anderen Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) noch jene Mannschaften den Pokal ausspielen, denen es sowieso gestattet ist, als Profis zu trainieren und zu spielen (im Saarland zum Beispiel Drittligist 1. FC Saarbrücken sowie die beiden Regionalligisten FC Homburg und SV Elversberg), gibt es zwischen Saar und Sieg mit Viertligist Rot-Weiß Koblenz nur eine Mannschaft, die derzeit aktiv sein darf. Gegner am 29. Mai, dem bundesweit geplanten Finaltag der Amateure, soll nach Vorstellung der FVR-Verantwortlichen mit Eintracht Trier ein Oberligist sein.

Um den SVE von den noch im Wettbewerb vertretenen Ligakonkurrenten TuS Koblenz, FV Engers, FC Karbach und FSV Salmrohr abzugrenzen, bemühte Rechtswart Norbert Weise die Spielordnung des FVR: „Demnach kann der Verband einen Teilnehmer für den DFB-Pokal bestimmen, wenn der Sieger nicht rechtzeitig ermittelt werden kann. Und erst recht ist es nach unserer Auffassung möglich, zwei Endspielpartner festzulegen.“ Eintracht Trier sei zum Zeitpunkt des Abbruchs der inzwischen annullierten Saison Tabellenführer der Oberliga-Nordgruppe gewesen und verfüge gegenüber den anderen Mannschaften auch über den besten Punktequotienten.

Als „reine Willkür“ bezeichnete der Engerser Vorsitzende Martin Hahn das Vorhaben des Verbands, Trier als Endspielteilnehmer zuzulassen: „Da wurde im Vorfeld schon was ausgekungelt, und alle anderen Vereine waren außen vor.“ Christian Krey, der Präsident der TuS Koblenz, brandmarkte den Plan des Verbands, über den das Präsidium am Dienstag endgültig entscheiden will, als „grob fahrlässig“. Zudem pochte er auf die Einhaltung der im vergangenen Sommer von den Vereinen unterzeichneten Pokalvereinbarung. Man werde, das unterstrich der Ex-Zweitligist zudem in einer ausführlichen Stellungnahme auf der vereinseigenen Homepage „die Entscheidung des Verbands nicht hinnehmen“. Salmrohrs Vorsitzender Christian Rauen nannte das Vorgehen „moralisch verwerflich – dann würden wir besser losen“ und drohte genauso wie die Koblenzer mit rechtlichen Schritten.

Obwohl sie bei der Eintracht seit Monaten zum Nichtstun verdammt sind, würden sie es gerne Ende des nächsten Monats mit Rot-Weiß Koblenz aufnehmen, wie SVE-Vorstandssprecher Alfons Jochem betont. Nach aktuellem Stand wäre wegen der behördlichen Vorgaben ein Mannschaftstraining als Vorbereitung nicht möglich, doch „wir würden das Gespräch mit der Stadt Trier suchen, um über ein Hygienekonzept und zum Beispiel regelmäßigen Testungen eine Sondererlaubnis zu erhalten“. Wenn es dafür kein grünes Licht gebe, wolle man es trotzdem probieren. Immerhin, so Jochem „halten sich unsere Jungs seit Monaten individuell fit – und sie machen das wirklich sehr diszipliniert“. Der scharfe Ton, der gerade zwischen den Vertretern der TuS Koblenz und des FV Engers auf der einen Seite und FVR-Präsident Desch auf der anderen Seite herrschte, war in der Online-Sitzung nicht das Ding von Jochem und Pit Arndt, der für Rot-Weiß Koblenz sprach.

Sie stellten sogar (weitere) Solidaritätszahlungen für die übrigen Clubs beziehungsweise Spielgemeinschaften in Aussicht und zeigten sich kompromissbereit. Damit lagen sie auch auf einer Wellenlänge mit Salmrohrs Ehrenpräsidenten Peter Rauen, der den Konsens suchte und ein klärendes Gespräch unter den Vereinen vorschlug: „Es muss doch möglich sein, sich unter vernünftigen Leuten konstruktiv auszutauschen, bevor man Schadensersatzansprüche geltend macht“.

Für die Trierer konnte Jochem auf eine klare Linie verweisen: „Wir haben schon bei der Frage, ob die Oberligasaison abgebrochen wird, gesagt, dass wir gerne weiterspielen möchten – ohne dabei natürlich die Gesundheit der Spieler gefährden zu wollen. Aus dem Gebiet des Fußballverbandes Rheinland waren wir die einzigen. Jetzt, wenn es um den Pokal geht, wollen einige aber plötzlich wieder spielen ...“

Die oft angeführte Kritik aus Vereins- und Fankreisen, dass das ARD-Fernsehen am 29. Mai als Termin für den Finaltag festhalte, versuchte FVR-Geschäftsführer Armin Bertsch zu entkräften: Der bundesweit einheitliche Endspieltermin sei ein Projekt der Landesverbände für seine Amateurvereine – und man sei froh darüber, dass es dafür Sendezeit gebe. Obgleich in diesem Jahr aufgrund coronabedingt möglicher kurzfristiger Absagen nur eine Ausstrahlung in den dritten Programmen angedacht sei. Was bleibe, sei der enorme Aufwand, wie Bertsch berichtete: „Nach Olympia ist es für die ARD das zweitgrößte Projekt – gerade vom Personalaufwand her.“ Wegen der Spiele in Tokio, aber auch aufgrund der EM und der Tour des France sei eine Verlegung in den Sommer hinein, wenn die Corona-Hürden eventuell weniger hoch sind, deshalb nicht möglich. Und auch die erste DFB-Pokal-Hauptrunde müsse Anfang August gespielt werden: Bereits jetzt ist der Terminplan wegen der nächsten WM Ende 2022 in Katar eng getaktet.

Bis Sonntag sollen sich die Vereine nun äußern, ob sie mit den Pokalplanungen des FVR einverstanden sind. „Uns geht es um ein Meinungsbild. Bindend ist das für uns aber nicht“, stellte Walter Desch klar. Das Präsidium will am Dienstag eine abschließende Entscheidung treffen. Rund eindreiviertel Stunden wird es dann wohl nicht mehr gehen wie bei der jüngsten Videokonferenz mit den Clubvertretern. Die FVR-Verantwortlichen dürften ihren Plan schnell beschließen. Ob es dann am 29. Mai auch wirklich zu einem Endspiel kommt, ist offen. Zu oft hat Corona auch den Fußballern in den vergangenen knapp 14 Monaten ein Schnippchen geschlagen.

Extra: So soll es mit dem Pokalgeld laufen

120 000 Euro: Das ist der Betrag, um den es aktuell (auch) im Fußballverband Rheinland geht. Nach Aussage von FVR-Präsident Walter Desch sei ihm diese Summe vom DFB im Zuge des Pokals angekündigt worden. Eine spätere Anpassung erscheint aber nicht ausgeschlossen. Im vergangenen Jahr etwa reduzierte der DFB die Prämien für die erste Runde aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie von 175 500 auf 137 000 Euro, die Clubs abwärts der 3. Liga erhielten aber noch 30 000 Euro für die Umsetzung der Hygiene-Konzepte. 90 000 soll nach derzeitigem Stand zunächst der Rheinlandpokalsieger als DFB-Pokalteilnehmer erhalten und 30 000 unter den übrigen Mannschaften aufgeteilt werden. Kann coronabedingt kein Finale ausgetragen werden und würde Rot-Weiß Koblenz als ranghöchstes Verbandsteam zum DFB-Pokal gemeldet werden (müssen), entfiele auf jeden der übrigen 36 Teilnehmer 833 Euro. Kann das Finale stattfinden, würden knapp 600 Euro dazukommen – dank einer bereits vereinbarten, 15-prozentigen Solidaritätszahlung von RW Koblenz oder Eintracht Trier und aus Werbeerlösen des Verbands. Es geht dem FVR zwar mit einem Endspiel um die Einhaltung von Sponsorenverträgen, des Geldes wegen wolle man aber nicht unbedingt spielen, betonte Desch: Mit einem Finale seien auch Ausgaben für den Verband von rund 20 000 Euro verbunden, unter anderem für die technische Aufbereitung des Stadions für Werbebanden und das Fernsehen. Das im Finale unterlegene Team soll noch 7000 Euro erhalten.

497 Aufrufe29.4.2021, 17:58 Uhr
Andreas ArensAutor

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