Enis Davran (vorne links) und sein Trainerkollege bei der C-Jugend des SV Eintracht Trier 05, Jonas Gottschalk (dahinter), verfolgen einen klaren Plan, wenn es um die Förderung des Fußballnachwuchses geht.
Enis Davran (vorne links) und sein Trainerkollege bei der C-Jugend des SV Eintracht Trier 05, Jonas Gottschalk (dahinter), verfolgen einen klaren Plan, wenn es um die Förderung des Fußballnachwuchses geht. – Foto: Sebastian Schwarz

Die junge Kunst des Fußballs

Für ihn geht es um (weit) mehr als das nackte Ergebnis: Enis Davran will den Nachwuchs der Trierer Eintracht weiterentwickeln. Wie seine Philosophie aussieht, und warum er Verständnis für die destruktive Spielweise von so manchem Gegner hat, verrät er im TV-Gespräch.

Es liegt wohl in der DNA eines jeden Sportlers, Spiele oder Wettkämpfe gewinnen zu wollen. Anders geht es auch der U15 vom SV Eintracht Trier nicht. Und doch steht bei den C-Junioren in der Regionalliga Südwest etwas anderes im Fokus: „Wir wollen die Spieler entwickeln – und nicht nur von Sieg zu Sieg denken“, betont Enis Davran, Trainer der U15 und Koordinator der U10- bis U14-Jahrgänge bei den Blau-Schwarz-Weißen.

Seit elf Jahren beschäftigt sich Davran fast täglich mit Fußball, seinen unterschiedlichen Systemen und Spielideen. Im Laufe der Zeit hat der angehende Lehrer für Deutsch und Politik dabei eine klare Philosophie für sich und seine Mannschaften entwickelt, die er seit Sommer 2019 gemeinsam mit seinem Co-Trainer Jonas Gottschalk versucht, dem Eintracht-Nachwuchs zu vermitteln.

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Ausbildung und der Weiterentwicklung der technischen Fähigkeiten. „Wir wollen jede Spielsituation flach lösen und selbst unter Druck keine Bälle ins Aus schlagen“, erklärt der Trainer und macht deutlich, wie konsequent seine Mannschaft sich daran halten soll: „Wenn unser Torhüter zum Beispiel keine Anspielstation hat, soll er den auf ihn zukommenden Gegenspieler ausdribbeln, statt den Ball einfach weg zu schießen.“ Dass dieses System durchaus Risiken birgt und anfällig für individuelle Fehler sein kann, nimmt Davran dabei in Kauf. „Wir wollen die Jungs entwickeln“, sagt er. In den älteren Jahrgängen sei dies so aber häufig nicht mehr umzusetzen, dort sei der Befreiungsschlag häufig ein Mittel zum Zweck.

Die Implementierung des Systems nimmt dabei viel Zeit in Anspruch. Drei Mal wöchentlich trainieren die Spieler auf der Anlage im Moselstadion. „Bis wir die ersten Früchte ernten können, dauert es aber drei bis vier Monate, bei vielen externen Neuzugängen vielleicht sogar ein halbes Jahr“, erklärt Davran, der seit 2016 in Trier lebt und mit Vor- und Nachbereitung sowie der Koordination und zahlreichen Gesprächen neben seinem Lehramts-Studium eine deutlich zweistellige Anzahl an Stunden pro Woche bei der Eintracht verbringt.

Dass sich die Philosophie von den jungen Spielern nicht von heute auf morgen perfekt umsetzen lässt, zeigt auch die aktuelle Saison. Von zwölf Spielen konnten die Trierer in der höchsten Spielklasse dieses Jahrganges nur vier gewinnen. Zuletzt wurde der JFV Rhein-Hunsrück mit 3:1 geschlagen (siehe Artikel unten).

Die Spieler würden an den eingeschlagenen Weg glauben, berichtet Davran: „Jeder will gewinnen, ich auch. Aber unsere Truppe ist clever. Sie wissen, dass es einen nicht weiterbringt, wenn man sich nicht entwickelt und dass in drei Jahren niemanden mehr die Ergebnisse und Platzierungen von dieser Saison interessieren.“

In der C-Junioren-Regionalliga Südwest agieren derweil bei weitem nicht alle Mannschaften so spiel­orientiert wie die Mannschaft mit der Porta auf der Brust. Stattdessen würden viele Teams destruktiv und abwartend spielen und mit langen Bällen den Weg vor das gegnerische Tor suchen. Auch dafür hat Davran in gewisser Weise Verständnis: „Die Mannschaften und Trainer stehen unter Druck. Ich stehe auch unter Druck. Die Ergebnisorientierung ist das Problem. Die Mannschaft sowie der Trainer werden an den Punkten gemessen, und es wird nur die Tabelle gesehen – deswegen ist auch diese Art und Weise absolut nachvollziehbar, auch wenn wir einen anderen Weg gehen möchten.“

Bei dem Trierer Trainer geht die Liebe zum Fußball jedoch weiter als der pure Wille, das nächste Spiel mit aller Macht gewinnen zu wollen. „Fußball ist die schönste Freizeitaktivität der Welt. Für mich ist Fußball aber auch ein Stück weit Kunst. Mir gefällt es, wenn hinter jedem einzelnen Pass eine Idee dahintersteckt.“ Und noch schöner wird es, wenn der Pass am Ende auch zum Torerfolg führt.

Aufrufe: 030.11.2021, 22:39 Uhr
Sonja EichAutor

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