Viele traurige Gedanken

Celina Stock, Spielführerin SV Drochtersen/Assel Frauen

Sehr ausführliche Antworten auf unsere fünf Fragen zum Thema "Kommt nach dem Corona-Frust die Unlust?" kamen aus Kehdingen. Celina Stock, Spielführerin der Frauenmannschaft der Spielvereinigung Drochtersen/Assel aus der Kreisliga Stade/Harburg freut sich zwar jetzt schon auf den Wiederbeginn, doch ihre Gedanken sind vor allem bei den Personen, denen es in der Pandemie nicht immer gut geht. Hier folgen jetzt wirklich tolle Antworten.

  1. Was machst du in dieser langen fußballfreien Zeit? Wie hältst du dich fit?

Viel zu machen gibt es wie bei jedem von uns natürlich nicht. Ich habe viel freie Zeit genutzt, um Dingen nachzugehen, für die ich mir sonst eher weniger Zeit genommen habe. Ich habe angefangen, ein Instrument zu spielen, habe mich mehr mit dem Thema Meditation auseinandergesetzt und habe natürlich viele Fußballspiele vor dem Fernseher verfolgt. Zurzeit gehe ich viel draußen laufen und versuche, so wieder meine Ausdauer zu trainieren, die nach der langen fußballfreien Zeit natürlich nicht mehr die gleiche ist. Außerdem mache ich zuhause noch ein paar Workouts, um auch die Kraft nicht komplett zu verlieren. Muss aber gestehen, dass sowohl die Ausdauertrainings, als auch die Workouts zuhause natürlich nicht das gleiche wie sonst sind und nicht annähernd so viel Spaß machen, wie das Training mit den Mädels zusammen. Aber es nützt ja nichts, was muss das muss.

2. Wie ist deine persönliche Gemütslage?

Ich schätze, ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mir gut geht. Mir macht es aber eher weniger zu schaffen, was ich durch diese Pandemie gerade durchmache, denn ich bin in einer weitaus besseren Situation, als manch andere Menschen auf dieser Welt. Mich stimmt es eher traurig, was gerade ganz viele andere Menschen erleben müssen. Väter in Kurzarbeit, die ihre Familie unterhalten müssen. Alleinerziehende Mütter, die versuchen müssen, ihre Kinder irgendwo unter zu bringen, damit sie ihrer Arbeit nachgehen können. Menschen, die im Krankenhaus oder im Heim keinen Besuch empfangen dürfen. Selbstständige, die Angst um ihre Existenz haben. Die Liste ist lang und ich könnte ewig so weiter machen. Ganz zu schweigen von all dem anderen Leid auf dieser Welt, welches es schon vor der Pandemie gab. Aber das ist es, was mich oft traurig macht und ich wünsche jedem ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen in dieser schweren Zeit. Hoffen wir, dass diese ganz bald zu Ende ist.

3. Wie sieht euer Teamzusammenhalt ohne persönliche Kontakte aus?

Auch wenn wir derzeit wenig persönlichen Kontakt haben, weiß ich, dass dies keinerlei Folgen für unseren Zusammenhalt hat. Wir wissen, was wir aneinander haben und vergessen in dieser Zeit nicht, was wir schon alles zusammen erlebt haben. Derzeit motivieren wir uns gegenseitig in einer App, in der wir gemeinsam als Gruppe Kilometer laufen und sammeln. In erster Linie soll dies natürlich unserer Ausdauer dienen, damit wir fit sind, sobald es wieder los geht. Zum anderen macht es aber auch viel mehr Spaß „gemeinsam“ zu laufen und sich gegenseitig anzuspornen und trägt damit ebenso unserem Zusammenhalt bei.

4. Hast du nach dieser langen Zeit eigentlich noch Lust, dem Vereinssport wieder nachzugehen?

Was für eine Frage. Selbstverständlich. Wenn mir diese Zeit eines gezeigt hat, dann wie sehr ich dieses Miteinander und Füreinander auf dem Platz, sei es bei Spielen, Trainings oder aber bei Spielen anderer Mannschaften, liebe und schätze. Ich denke ich spreche da für unsere ganze Mannschaft, wenn ich sage, dass wir uns nichts sehnlicher wünschen, als wieder auf dem Platz zu stehen und unserer Leidenschaft nachgehen zu können oder aber neben dem Platz zu stehen, um die anderen Mannschaften unseres Vereines zu unterstützen.

5. Meinst du, dass die Stadien der Profis, wenn es irgendwann wieder erlaubt wird, wieder so voll werden, wie vor Corona oder sitzen doch viele lieber vor dem Fernseher?

Ja, das glaube ich auf jeden Fall und ich wünsche es mir für die Vereine und Spieler auch sehr. Ich denke, jeder der Fußball liebt und seinen Verein weiterhin unterstützen möchte, wird wieder in ein Stadion gehen. Das Gefühl ist einfach ein komplett anderes, wenn man seiner Mannschaft live bei einem Spiel zuschaut und anfeuert. Ich bin da guter Hoffnung, dass viele Menschen genau das gerade vermissen und es kaum noch abwarten können ein Stadion wieder zu besuchen.

Aufrufe: 07.2.2021, 10:00 Uhr
Michael BrunschAutor

Verlinkte Inhalte