2026-06-03T09:07:03.210Z

Allgemeines

SV Budberg verpasst den großen Wurf

Der SV Budberg hat den erstmaligen Aufstieg in die Oberliga auf bittere Weise verpasst. Vor 800 Zuschauern gewann die Mannschaft von Trainer Tim Wilke ihr Heimspiel gegen Viktoria Goch nach einer furiosen Aufholjagd zwar mit 6:2 (0:2), doch der punktgleiche Konkurrent SV Scherpenberg erzielte im Parallelspiel gegen den PSV Wesel in der Nachspielzeit den entscheidenden Siegtreffer (5:3) und sicherte sich damit die Meisterschaft.

von Fabian Kleintges-Topoll · Heute, 14:30 Uhr · 0 Leser
Am Ende hat es für den SV Budberg nicht ganz gereicht.
Am Ende hat es für den SV Budberg nicht ganz gereicht. – Foto: Markus Becker

Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle an der Rheinkamper Straße. Bereits vor dem Anpfiff herrschte große Euphorie. Die dritte Mannschaft sicherte sich Aufstiegsplatz zwei in der Kreisliga B, gegen Ende der Partie wurde zudem der Bezirksliga-Aufstieg der „Zweiten“ durchgesagt. Auch das Landesliga-Team träumte lange vom ganz großen Wurf. Das Fernduell mit Scherpenberg entwickelte sich zu einem Herzschlagfinale, das an Spannung kaum zu überbieten war.

Budberg dreht die Partie nach der Pause

Trainer Tim Wilke setzte auf seine beste Elf. Die Nervosität war seinen Spielern jedoch anzumerken. Jakob Falkhofen nutzte zwei Unsicherheiten in der Budberger Defensive eiskalt aus und brachte die Gäste bereits früh mit 2:0 in Führung (4./12.). Dazwischen hatte der SVB zeitgleich die Nachricht vom frühen Scherpenberger Führungstreffer verkraften müssen.

Hinzu kam der verletzungsbedingte Ausfall von Rechtsverteidiger Niklas Ueberfeld, der wegen Oberschenkelproblemen für Florian Mordt weichen musste. Verunsicherung und Hektik machten sich aber nur kurzzeitig breit.

Moritz Paul, Ole Egging und Felix Weyhofen scheiterten per direktem Freistoß immer wieder am überragenden Schlussmann Sven Schneider. Als Paul einen Elfmeter herausholte, scheiterte ausgerechnet der sonst so sichere Hahn vom Punkt. Er traf nur die Latte. Zur Pause schien der Oberliga-Traum weit entfernt. Doch intern kam die Zuversicht nie abhanden. „Bei uns war der innere Glaube weiterhin sehr groß“, so Wilke später. Und seine Elf lieferte die passende Antwort.

Direkt nach Wiederbeginn verkürzte Paul auf 1:2 (46.). Budberg erhöhte die Schlagzahl, spielte mit der gewohnten Intensität und Wucht nach vorne. Als Schneider wenig später einen Abschlag an den Rücken von Fynn Eckhardt schoss, schien das Momentum endgültig auf die Seite der Gastgeber zu kippen. Das 2:2 fiel in der 56. Minute, ehe Oliver Nowak nur 180 Sekunden später einen langen Ball von Laurin Severith über die Linie drückte. Innerhalb von nur 13 Minuten hatte Budberg die Begegnung komplett gedreht.

Der Blick von außen wanderte immer wieder auf die Liveticker des Parallelspiels. Als zwischenzeitlich die Nachricht vom 2:1 für Wesel die Runde machte, lag der Vorteil plötzlich bei den Budbergern. Wilke trieb seine Mannschaft unermüdlich von der Seitenlinie an, die sich nun in einen regelrechten Rausch spielte. Hahns Doppelpack zum 4:2 und 5:2 (74./79.) machte alles klar. Den Schlusspunkt setzte Ole Egging mit einem Hackentor zum 6:2 (84.).

Scherpenbergs spätes Tor zerstört den Traum

Doch die Dramatik war noch längst nicht vorbei. Nach dem Weseler Ausgleich zum 3:3 in der Schlussphase keimte in Budberg neue Hoffnung auf. „Man hat kaum noch wahrgenommen, wie gut wir gespielt haben“, sagte Wilke später. Doch dann kam die dritte Minute der Nachspielzeit.

Während die Budberger Fans nur noch auf den Abpfiff in Asberg warteten, fiel dort doch noch der entscheidende Treffer. Wenige Augenblicke später war der schmerzhafte Ausgang perfekt.

Nach Abpfiff herrschte für einen Moment nahezu völlige Stille. Die Spieler warteten im Mittelkreis auf die endgültige Bestätigung, Wilke stand danach minutenlang allein auf dem Rasen. Die Enttäuschung war dem Trainer deutlich anzusehen. Wenig später wurde er von seiner Tochter tröstend in den Arm genommen.

„Die Jungs sind natürlich enttäuscht und brauchen jetzt erst einmal ein paar Minuten“, sagte Wilke. „Aber wenn man das Spiel betrachtet, ist es eigentlich der falsche Zeitpunkt, um traurig zu sein. Bis auf die ersten zehn Minuten haben wir uns nichts vorzuwerfen. Die zweite Halbzeit war ein Spiegelbild von dem, was wir können und was uns auszeichnet.“

Auch der Trainer fand schnell zurück zum Stolz. Sowieso überwog schnell die Anerkennung für eine außergewöhnliche Saison. Die Zuschauer spendeten minutenlangen Applaus, die Mannschaft drehte eine Ehrenrunde und ließ sich feiern. Beim Saisonabschluss am Vereinsheim wurde später zwar nur über zwei statt drei Aufstiege angestoßen – die Zufriedenheit über das Erreichte war trotz des verlorenen Zweikampfs mit dem Rivalen letztlich überall spürbar.