2026-06-09T05:59:15.975Z

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SV Budberg: Eine Saison für die Geschichtsbücher

Viel hat beim Landesligisten SV Budberg nicht gefehlt bis zur perfekten Saison. Warum die Anhänger die Spielzeit 2025/26 nicht nur auf den verpassten Aufstieg reduzieren sollten und warum die Entwicklung der Mannschaft noch nicht abgeschlossen ist.

von Fabian Kleintges-Topoll · Heute, 22:00 Uhr · 0 Leser
Der SV Budvberg ist denkbar knapp am Aufstieg gescheitert.
Der SV Budvberg ist denkbar knapp am Aufstieg gescheitert. – Foto: Markus Becker

Einem herausragenden Jahr die Krone aufzusetzen, dieses Ziel war zum Greifen nah. Als am Sonntag die Nachricht vom späten Scherpenberger Siegtreffer über die Anlage an der Rheinkamper Straße eilte, herrschte beim SV Budberg zunächst vor allem Leere. 70 Punkte, exakt 100 erzielte Tore und die erfolgreichste Spielzeit der 80-jährigen Vereinsgeschichte – der historische Traum vom erstmaligen Oberliga-Aufstieg war auf dramatische Weise in wenigen Sekunden geplatzt.

Umso bemerkenswerter ist, wie weit die Reise den Dorfverein überhaupt geführt hat. Trainer Tim Wilke hatte immer wieder betont, dass der Weg alles andere als selbstverständlich sei. Vor Saisonbeginn hätte er einen gesicherten Mittelfeldplatz sofort unterschrieben. Stattdessen wurden intern weitere Rekorde gebrochen.

„Traurig, aber nicht verbittert.“ Mit diesen Worten beschrieb Wilke die Gefühlslage treffend. Der Coach hatte sich im Vorfeld im Fitnessstudio sowie mit alten Jubelvideos vom Landesliga-Aufstieg und den Kreispokal-Siegen auf den großen Showdown eingestimmt. Auch die Mannschaft wurde im Vorfeld emotional überrascht. Für alle 28 Spieler hatten Familienmitglieder, Freunde und Wegbegleiter wie Vereinsikone Wilhelm Barnowski persönliche Videobotschaften aufgenommen.

„Das sagt so viel über die Menschlichkeit beim SV Budberg aus“, schwärmte Wilke später. Nach dem tränenreichen Ende wich die Enttäuschung zunehmend der Zufriedenheit. Dabei hatte das Jubiläumsjahr ohnehin zahlreiche Höhepunkte zu bieten. 800 Zuschauer sorgten nach dem Niederrheinpokalspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen für die zweitgrößte Kulisse.

Unter den Gästen befanden sich die frühere Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, deren Schwiegersohn und Ex-MSV-Kapitän Kevin Wolze die Viktoria aus Goch trainiert, ebenso wie der einstige MSV-Präsident Andreas Rüttgers. Auch Ex-Innenverteidiger Dmytro Shevchenko schaute bei seinen alten Kollegen vorbei.

Noch einmal die Qualitäten gezeigt

Auf dem Platz zeigte die Mannschaft noch einmal all das, was sie schon lange auszeichnet: Offensivwucht, Mentalität und die Fähigkeit, Rückschläge wegzustecken. Die furiose Aufholjagd vom 0:2 zum 6:2 gegen Goch war nicht die erste ihrer Art. Torschützenkönig Moritz Paul schraubte sein Konto auf insgesamt 35 Treffer hoch und blickt auf die zweitbeste Spielzeit seiner Karriere zurück.

Natürlich fühlt sich ein zweiter Platz zunächst undankbar an, hatte sich so mancher bereits auf Gastspiele in der Krefelder Grotenburg oder im Wuppertaler Stadion am Zoo gefreut. Die Chance war vermutlich so groß wie nie zuvor. Ab Sommer dürfte die Konkurrenz noch größer werden. Mit dem VfB Homberg, 1. FC Kleve und SV Biemenhorst stoßen weitere ambitionierte Gegner aus der Oberliga hinzu.

Viel fehlte nicht zur perfekten Saison. Gleichzeitig wäre es falsch, diese Spielzeit ausschließlich auf den verpassten Aufstieg zu reduzieren oder gar von einem Scheitern zu sprechen. Der SV Budberg hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert, in der Spitzengruppe der Landesliga etabliert und verfügt weiterhin über eine eingespielte, junge Mannschaft, deren Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist. Das Fundament steht. Schmerzliche Momente wie am Wochenende könnten diese Truppe sogar noch weiter wachsen und reifen lassen.

Emotional wurde es auch bei den fünf Verabschiedungen. Besonders Devin Warnke erhielt bei seinem letzten Einsatz im Trikot der ersten Mannschaft großen Applaus. Bei Mike Terfloth, dessen Zukunft weiterhin offen ist, wirkte die Auswechslung fast wie ein Abschied. „So viele Emotionen müssen wir erst einmal sortieren“, sagte Wilke nach dem Spiel. „Was die Mannschaft geleistet hat, ist Wahnsinn. Das muss gewürdigt werden und das wird es auch. Die Jungs sollen nicht das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben.“

Genau darin liegt vielleicht die wichtigste Erkenntnis. Es wird noch eine Weile dauern, bis allen bewusst wird, was diese erste Mannschaft tatsächlich erreicht hat. Der Stolz überwiegt. Und der nächste Anlauf startet beim SV Budberg bereits mit Beginn der Sommervorbereitung auf die vierte Landesliga-Saison am 3. Juli.

INFO: Moritz Paul mit den meisten Einsätzen

Statistiken Moritz Paul kommt als einziger Budberger Landesliga-Spieler auf 33 Einsätze. 32. Mal standen Oliver Nowak und Alessandro Hochbaum auf dem Platz. Zweitbester Torschütze nach Paul war Felix Weyhofen mit 13 Treffern. Höchster Saisonsieg war der 7:0-Erfolg über gegen Rhenania Bottrop. Zweimal wurden mit 7:1 gewonnen – gegen den SC Werden-Heidhausen und GSV Moers.