– Foto: Julia Ritter

Gelungene Thüringenliga-Premiere bleibt im Kopf

Robin Schmidt spricht im Vereinsinterview über besondere Mitspieler, den Torhütermangel und die KOL-Reseve des SV Blau-Weiß 91.

Der 22-jährige Keeper stand in dieser Saison einmal in der Verbandsliga und vier Mal in der Kreisoberliga-Reserve im Kasten der Kurstädter.

SV Blau-Weiß 91 Bad Frankenhausen: Grüß dich Robin, du bist seit dieser Saison in unserem Team und hast den Kampf auf der Torwartposition mit entfacht. Du konntest bereits bei drei Vereinen Fuß fassen. Hast 2016/17 bereits 21 Spiele in der Verbandsliga Süd für den ZWK Nebra absolviert und bist dann mit dem VfB Artern in der Landesklasse unterwegs gewesen. Seit diesem Jahr stehst du zwischen den blau-weißen Pfosten. Worin siehst du die Unterschiede zwischen den drei Vereinen?
Robin Schmidt:Nebra, Artern und Bad Frankenhausen unterscheiden sich vor allem in der Größe ihrer Stadt und den damit gegebenen Möglichkeiten und der Infrastruktur. Natürlich gibt es immer eine große Erwartungserhaltung, aber jeder Verein hat seinen ganz eigenen Weg und macht, soweit wie ich das beurteilen kann, auch über Jahre hinweg gute Arbeit.
Besonders herauszuheben ist dabei der Nachwuchsbereich, der immer gut geführt und gefördert wird.
Klar ein Unterschied ist offensichtlich: jede Männermannschaft spielt in einer anderen Liga, aber das kann man nicht so einfach vergleichen. Dadurch, dass die Liga in Thüringen und Sachsen-Anhalt unterschiedlich stark sind.”

BW 91: Als Keeper bist du in den letzten fünf Jahren auf über 100 Spiele gekommen. Welches war dein bestes Spiel?
Robin:Als Torhüter gibt es natürlich viele Spiele auf die man gerne zurückblickt…
Mit Nebra fällt mir der Aufstieg in die Verbandsliga und gleichzeitig der Pokalerfolg als A-Junioren ein (immer im Fight mit unserem Konkurrenten Großgrimma/Zorbau) und das Spiel im Männerbereich gegen Freyburg auf dem Kunstrasen, als es bis zur 90.Minute 1:1 stand und ich einen Elfer in der Nachspielzeit gegen einen guten Freund halten konnte. 😉
Man muss dazu sagen, dieses Unentschieden hätte uns vor dem Spiel keiner so wirklich zugetraut, weil Freyburg unangefochten Tabellenerster war.
Mit Artern war es wohl der Sieg beim Unstrut-Cup in Nebra (legendäres Hallenturnier), wo ich dann das erste Mal teilnehmen durfte. Nach zwei epischen Spielen in der Vorrunde sowie im Finale gegen Karli & Friends(ehemalige Landesligaauswahl) schoss uns Adeel zum Turniersieg. Auch, wenn böse Zungen behaupten ein Handspiel gesehen zu haben, war es für mich ein Höhepunkt in meiner Laufbahn.
Nicht ganz vergessen möchte ich die Spiele gegen Erfurt Nord 4:1 in der Landesklasse-Saison und gegen Lipprechterode das 4:2. Das sind Spiele über die bis heute immer noch gesprochen wird, wenn man sich trifft.

Ja und in Bad Frankenhausen ist es eindeutig das Vorbereitungsspiel gegen den FC Rot-Weiß Erfurt. Da habe ich sogar zu Null gespielt.
Und mein erstes Spiel in der Thüringenliga gegen Ohratal mit dem Heimsieg ist auch nicht zu vergessen.”

BW 91: Es ist schwer einen guten Keeper für seine Mannschaft zu gewinnen. Dass man dich verpflichtete, war somit ein wahrer Glücksgriff. Wieso ist die Torhüter-Position so rar besetzt?
Robin:
Ich glaube es braucht schon einen gewissen Charakter und auch Mut sich für die Torwartposition zu entscheiden, denn meistens will keiner hinten drin stehen und die “Drecksarbeit” machen.
Ich wurde damals von meinem ersten Jugendcoach gefragt und hab mich dafür entschieden, weil es die Position war, die noch nicht besetzt war. Seitdem bin ich da geblieben und alles nahm seinen Lauf.
Ansonsten gibt es leider oft zu wenig individuelles Torwarttraining, wo man sich am besten entwickeln und zeigen kann. Ich hatte das Glück bisher fast immer einen Trainer für mich persönlich zu haben – meistens meinen Vater.”

BW 91: Welches fußballerische Vorbild hat dich geprägt?
Robin:
Mein Vorbild war immer Timo Hildebrand. Ich habe seine Ausstrahlung und gleichzeitig sehr guten Torwartfähigkeiten immer bewundert. Er hält ja immer noch den Rekord mit 884 Minuten in der Bundesliga am längsten zu Null gespielt zu haben.”

BW 91: In Bad Frankenhausen musst du mit zwei anderen Keepern um den Platz in der Thüringenliga kämpfen. Wo liegen die Unterschiede zwischen den einzelnen Frankenhäuser Torhütern?
Robin:
Aktuell hat jeder von uns drei Torhütern seine ganz eigenen Stärken und auch Schwächen. Hier will ich aber nicht ins Detail gehen. Jeder, der uns gut kennt, weiß auch wo wir noch an uns arbeiten können oder den anderen was zeigen können.“

BW 91: Im fulminanten Spiel gegen den FSV Ohratal durftest du dein Startelf-Debüt feiern. Das Spiel begann anders als erwartet: die Gäste gingen schnell mit 2:0 in Führung. Wie hast du die ersten fünf Minuten im Tor erlebt?
Robin:
Das Spiel gegen Ohratal lief natürlich richtig schief zunächst… Da geht einem schon ziemlich viel durch den Kopf, aber dadurch, dass ich selbst eine ruhige Person bin, konnte ich wieder ins Spiel finden. Außerdem hat die Mannschaft noch gezeigt, dass wir den Rückstand drehen können, Gott sei Dank.“

BW 91: Letztlich drehte unsere Mannschaft die Partie und du bist in deinem ersten Spiel ohne Punktverlust geblieben. Was war ausschlaggebend dafür, dass die Mannschaft das Spiel noch drehen konnte?
Robin:
“Der Heimsieg war extrem wichtig zu dieser Zeit, weil sehr viel auf dem Spiel stand. Aber ich denke, dass die gute mannschaftliche Geschlossenheit, bedingt durch ein paar Umstellungen und Wechsel, den nötigen Schwung und am Ende auch Erfolg gebracht haben.“

BW 91: Du standest in dieser Saison auch im Tor unserer zweiten Mannschaft. In vier Spielen gab es drei Siege, du konntest deinen Kasten zwei Mal sauber halten. Wie schätzt du die Reserve unserer Verbandsligaelf ein?
Robin:
Die zweite Mannschaft hat schon ein gutes Niveau, um in der KOL oben mitzuspielen und die Favoriten zu ärgern.
Klar gibt es immer mal Schwankungen in den Leistungen durch neue Mitspieler, mit denen man sich erst einspielen muss, aber in Summe machen wir das schon sehr gut und sind noch lange nicht am Ende, denn da ist noch viel Potenzial nach oben.“

BW 91: Durch deine Spiele in beiden Teams konntest du bereits viele neue Mitspieler kennenlernen – wem würdest du für seine Spielweise ein ganz besonderes Kompliment machen und warum?
Robin: Spielerisch ragt Chipper mit seiner Erfahrung und Art vom Fußball spielen natürlich heraus. Das ist jedes Mal aufs Neue faszinierend, wie er mit dem Ball umgeht und seine Mitspieler in Szene setzt.
Ansonsten finde ich, dass Steven Halusa das Herzstück der Zweiten ist. Wenn er dort spielt, treibt er die Truppe an, geht mit Toren voran und hat immer eine passende Idee.
Das sind die Spieler, die auch mal ein Spiel alleine entscheiden können oder zumindest in eine Richtung lenken können.“

382 Aufrufe14.1.2021, 21:00 Uhr
FuPa ThüringenAutor

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