Eschelbachs Kapitän Nicolas Heinrich (l.), hier im Duell mit Adelshofen.
Eschelbachs Kapitän Nicolas Heinrich (l.), hier im Duell mit Adelshofen. – Foto: Siegfried Lörz

Eschelbachs Nicolas Heinrich mit der Aktion des Jahres

Fair Play +++ Heinrich verschießt bewusst Elfmeter +++ Kampf um den Klassenerhalt rückt in den Hintergrund

Es ist gerade drei Tage her, da geriet der Fußballkreis Sinsheim in ein sehr schlechtes Licht. Was war passiert? In Sinsheim musste ein Fußballspiel vorzeitig abgebrochen werden. Dass es auf den Fußballplätzen im Kreis Sinsheim auch anders zugehen kann, zeigte sich drei Tage später auf dem Sportplatz in Babstadt.

Für die meisten Außenstehenden war das Spiel am Donnerstag ein ganz normaler Kreisklasse A-Kick zwischen dem SV Babstadt und der SG 2000 Eschelbach. Bei genauerem Hinsehen ging es aber um sehr viel mehr bei diesem Nachholspiel. Da aus der Landesliga der TSV Steinsfurt und eventuell auch der TSV Kürnbach absteigen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Viertletzte in die Relegation muss. Diesen Platz nimmt aktuell Eschelbach ein. Gerade einmal einen Tabellenplatz und zwei Punkte besser waren die Babstadter vor diesem Spiel platziert. Es stand also ein sogenanntes Sechs-Punkte Spiel auf dem Plan.

In der Relegation wartet mit Dühren, Reichartshausen oder Hilsbach ein richtiger Hochkaräter. Somit möchte natürlich jede abstiegsgefährdete Mannschaft einen direkten Nichtabstiegsplatz erreichen.

Beim Spiel der beiden Vereine auf holprigem Geläuf ging es sehr körperbetont zur Sache und es wurde um jeden Quadratmeter Rasen gekämpft. Kein Spiel für Fußball-Ästheten, sondern eher für Freunde des Körpereinsatzes. Nach 15 Minuten gingen die Gastgeber durch Kai Böhmann mit 1:0 in Führung.

In der 36. Minute führte Nicolas Heinrich den Ball elegant am Fuss. Es kam zu einem Zweikampf, bei dem der Eschelbacher Goalgetter liegenblieb. Wenige Sekunden später - Heinrich lag noch immer - schoss Böhmann den Ball aus Gründen der Fairness ins Seitenaus. Der betroffene Spieler stand inzwischen wieder, so dass die SG 2000 das Spiel mit einem Einwurf fortführte. Dieser landete bei Heinrich, der den Ball sauber annahm, zwei Spieler austanzte, in den Strafraum eindrang und über ein ausgestrecktes Babstadter Bein fiel. Der Schiedsrichter zögerte keine Sekunde und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Babstadt protestierte lautstark, da es ja ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass der Ball bei einer solchen Aktion wieder zurückgespielt wird. Doch natürlich kann man sich hierauf nicht verlassen und selbst in der Champions League Gruppenphase gab es schon einen Spieler, der sich diese Situation zu eigen machte und die Kugel einfach ins Tor beförderte.

Da Nicolas Heinrich auf dem Boden lag, bekam er die bewusste Beförderung des Balls ins Aus nicht mit. Jener Nicolas Heinrich schnappte sich nun den Ball und legte ihn auf den ominösen Punkt. Er lief an, wie das jede Saison tausendfach von der Bundesliga bis in die Kreisklasse C der Fall ist. Doch anders als bei allen anderen war sein Ziel nicht das Runde im Eckigen unterzubringen. Der SG Torjäger setzte das Spielgerät bewusst neben das Gehäuse. Die Folge: Applaus aus allen Richtungen für diese unglaubliche Fair-Play Aktion.

Nach 90 Minuten blieb es bei dem einen goldenen Tor, so dass die SG 2000 mit leeren Händen nach Hause fahren musste. Der Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz wuchs weiter an. Auf dem Babstadter Sportgelände wurde noch bis in die Nacht immer dieselbe Frage gestellt: Hättest du das auch so gemacht? Doch egal wie auch die Antwort lautete; alle zogen den Hut vor Nicolas Heinrich.

Ein Sprichwort sagt: Wer gutes tut, dem wird gutes widerfahren. Sollten diese biblischen Worte eintreten, so wird die SG Eschelbach mit Spielführer Heinrich die Klasse halten und auch in der Saison 22/23 in der A-Klasse um Punkte spielen.

Aufrufe: 022.4.2022, 21:21 Uhr
Volker KillusAutor