Haibachs Christian Breunig trifft seit Jahren am Fließband.
Haibachs Christian Breunig trifft seit Jahren am Fließband. – Foto: Hans Will

Christian Breunig: Der Bomber vom Hohen Kreuz

169 Treffer in 217 Liga-Spielen: Alemannia Haibachs Top-Torjäger im Portrait

„Naja, während der Runde weiß ich’s schon immer ungefähr“, sagt Christian Breunig über seine Treffer-Statistik. „Buch führe ich aber nicht.“ Zum Glück tun das andere: Aktuell führt er die Torjägerliste der Landesliga Nordwest wieder mal mit 25 Treffern aus 22 Partien an. Es wird für ihn die sechste von acht Spielzeiten in Haibach, in der er mindestens 20-mal eingenetzt hat. „Am Ende zählt nur, dass ich dem Team helfe“, sagt er bescheiden, „aber Toreschießen ist das Schönste. Davon bekomme ich nie genug.“

An die meisten seiner Treffer kann er sich kaum erinnern: „Derby-Tore waren etwas Besonderes. Aber sonst denke ich eher über vergebenen Chancen nach. Auch wenn ich dreimal getroffen habe, ärgere ich mich, dass das Vierte nicht saß.“ Schon im Kindesalter war das bei ihm so: Als Bub einer fußball-verrückten Familie soll er einst im Kleinfeld über 100 Treffer für den TSV Heimbuchenthal erzielt haben. In einer Saison wohlgemerkt. „Meine Familie sagte immer: ‚Den Jungen gibt’s nur mit Ball am Fuß!‘ Und so war es auch.“ Bald schon war das Interesse am jungen Kicker aus dem Spessart geweckt.

Über Viktoria Aschaffenburg und Offenbach landete er als Jugendlicher sogar in einem Blickfeld-Kader von 1860 München, was für den bekennenden FC Bayern-Fan sicher kein Leichtes war. Der große Durchbruch gelang aber nie: „Wenn es drauf ankam, habe ich mich immer für die Heimat entschieden.“ Heimat. Sie spielt für den Torjäger eine große Rolle. Privat hat er sie in Rothenbuch im Herzen des Spessarts gefunden. Nicht weit von Heimbuchenthal, nicht weit von Haibach. „Und sportlich bin ich am Hohen Kreuz zuhause“, ergänzt Breunig. Daran ist auch kaum was zu ändern.

„Ich war auch Fan von Gomez, von den klassischen Strafraumstürmern“, und selbst ist Christian Breunig auch so einer.
„Ich war auch Fan von Gomez, von den klassischen Strafraumstürmern“, und selbst ist Christian Breunig auch so einer. – Foto: Hans Will

Dabei lief er nach seinen ersten beiden Herren-Jahren in Haibach für zwei Saisons sogar in der Regionalliga bei Bayern Alzenau (2011 bis Winter 2012) und Viktoria Aschaffenburg (Winter 2012 bis Sommer 2013) auf. „Da war ich noch zu jung“, urteilt er heute. Also: Nichts wie zurück nach Haibach. Für vier Saisons. Für 82 Bayernliga-Treffer. Und schon begann das Interesse von Neuem: „Es gab viele Offerten. Ulm bat mir sogar einen Profi-Vertrag an.“ Am Ende entschied er sich gegen das Risiko und einmal mehr für seine Region.

Zehn Minuten Fahrzeit sind es vom Stadion am Hohen Kreuz in Haibach zum Gelände von Viktoria Aschaffenburg. Und Breunig kam auch sportlich schnell an. 20 Torbeteiligungen in 30 Einsätzen steuerte er zur Bayernliga-Meisterschaft der Viktoria bei. „Es war ein super Jahr“, beteuert der Stürmer noch heute. Doch es blieb bei dem einen. „Wir wurden uns nicht einig, die Vorstellungen gingen auseinander. Bei mir stand der Hausbau an und da will ich nicht jeden zweiten Samstag in der Regionalliga durch Bayern tingeln.“

Also folgte 2018 die zweite Rückkehr zur Alemannia. „Haibach und ich – das passt einfach“, sagt der heute 29-Jährige. Und ehrlichgesagt sei er ein Gewohnheitstier. „Man muss sogar von Aberglauben sprechen“, schmunzelt Breunig. „Bei Auswärtsfahrten sitze ich im Bus immer auf dem gleichen Platz, in der Kabine ziehe ich mich in der gleichen Reihenfolge an und ich wärme mich immer gleich auf!“ Auch seine Nummer 24, die eigentlich keine weitere Bedeutung hat, würde er nie eintauschen.

„Meine Mitspieler lachen manchmal darüber“, berichtet Breunig. Mit ihm im Team hat man aber auch gut lachen, als Tabellenzweiter träumt die Alemannia von der Bayernliga-Rückkehr. „Ich weiß nicht, ob ich schon mal besser drauf war“, gibt der Offensivmann zu. Schließlich scheint die magische 30-Tore-Marke, die er noch nie knackte, näher denn je. Die meisten der Treffer erzielt er im Strafraum. Breunig steht da, wo er stehen muss. Ob Rechts- oder Linksschuss scheint oft egal. „Nur mit dem Kopf klappt es trotz meiner Größe nicht so“, sagt er, „aber es wurde besser.“

Haibach und Breunig - das passt einfach.
Haibach und Breunig - das passt einfach. – Foto: HMB Media / Julien Becker, Hans Will

Dem Stürmer fehlt der Fußball in Corona-Zeiten. Auch Skifahren und Tennis, seine weiteren Hobbys, sind kaum möglich. „Und Joggen gehe ich nicht gern, da fehlt der Spaß.“ Dazu kommt sein Beruf, der zwar auch mit Sport zu tun hat, aber komplett im Home-Office abläuft. Nach seinem Sport-Management-Studium und einem Praktikum beim DFB ist der Torjäger in Aschaffenburg als Consultant Digital Business and Sports angestellt. „Das gefällt mir wirklich, auch da geht es viel um Hand- und Fußball“, erklärt er.

Das alles weckt aber auch Sehnsucht. Denn Breunig ist mit 29 Jahren noch nicht am Ende: „Ich fühle mich noch super und fit. Trotz aller Angebote denke ich deswegen derzeit nicht dran, die Alemannia zu verlassen.“ Seine Alemannia, mit der er den Aufstieg vor Augen hat. Mit ihr würde der Torjäger, wenn es wirklich darauf ankommt, wahrscheinlich auch wieder samstags durch die Bayernlinga tingeln…

Aufrufe: 016.12.2020, 13:00 Uhr
Kilian AmrheinAutor

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