2026-04-20T12:45:22.080Z

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Sturm auf die Drachenfestung: Wiederauferstandener 1. FC GAP fordert Murnau heraus

Derby in der Landesliga

von Andreas Mayr · Heute, 07:45 Uhr · 0 Leser
Greifen die Heimmacht an: Die Garmisch-Partenkirchner um (v.v.l.) David Salcher, Jonas Poniewaz und Jonas Schrimpf gehen selbstbewusst ins Derby gegen Murnaus (h.v.l.) Martin Wagner, Bastian Adelwart und Fabio Grund.
Greifen die Heimmacht an: Die Garmisch-Partenkirchner um (v.v.l.) David Salcher, Jonas Poniewaz und Jonas Schrimpf gehen selbstbewusst ins Derby gegen Murnaus (h.v.l.) Martin Wagner, Bastian Adelwart und Fabio Grund. – Foto: Lobinger/Montage

Beide Teams sind seit sechs Wochen ungeschlagen. Das Derby entscheidet über Aufstieg und Abstieg. Doch ein Trainer muss zuschauen.

Murnau – Jedes Derby ist eine einzelne Episode der gemeinsamen Sitcom. Die Handlung verwebt sich, die Geschichte wird geschrieben, und dieses Mal, wenn die Rivalen Murnau und Garmisch-Partenkirchen gegeneinander antreten, bewegt sich der Plot auf einen Höhepunkt zu. An diesem Mittwoch (19.30 Uhr) kollidieren zwei Meteoriten, deren Laufbahnen seit Wochen nur eine Richtung kennen: nach oben. Sechs Wochen lang haben die beiden Vereine kein Spiel mehr verloren in der Landesliga.

Vom TSV war das ja noch halbwegs zu erwarten, wo er doch prominent beteiligt ist am Aufstiegsrennen der Klasse. Aber dass der 1. FC, den mancher schon für tot erklärt hatte, den Gräbern wieder entsteigt, sah niemand kommen. Auch nicht Murnaus Trainer Martin Wagner, der viel Sympathie für den Gegner hegt. „Nach der ersten Niederlage im Frühjahr waren die schon weg für mich. Keiner hätte gedacht, dass sie das nochmals schaffen.“

Murnau empfängt Garmisch-Partenkirchen zum Derby – Aufstiegskampf gegen Abstiegskampf

Dieses Derby, ohnehin schon bis zum Anschlag aufgeladen mit Emotionen, erhält zusätzliche Brisanz, weil es sportlich so viel zu erreichen gibt. Zwei Welten prallen aufeinander, Aufstiegskampf gegen Abstiegskampf – und nur der Sieger reitet mit dem Banner der Hoffnung voraus in den letzten Monat der Saison. Trotzdem klammern beide Trainer den sportlichen Wert des Duells aus. Wagner sagt: „Im Derby zählt für mich keine Tabelle.“ Kollege Stefan Schwinghammer bestätigt: „In dem Spiel ist das alles wurscht.“ Was zählt schon die Geschichte? Bislang, also bei früheren Treffen in Bezirks- und Landesliga, gewann stets das Heimteam. Murnau ist zu Hause auch noch ungeschlagen. All die schönen Serien schrumpfen zusammen zu einer Fußnote der Vergangenheit. Es gibt in dieser Sitcom keinen Drehbuchautor. Die Story schreibt sich von allein.

Dieses Mal kommt Schwinghammer eine größere Rolle zu, als ihm lieb ist. Der Mann, der zum Sturm der Drachenfestung aufruft, wird den Feldzug nur aus der Distanz verfolgen. Er ist privat verhindert, hat den Termin vereinbart, lange bevor er wieder Trainer beim FC wurde. Da hatten sich beide Clubs schon auf jenen 22. April als Fußball-Festtag festgelegt. Eine erneute Verlegung war für Murnau nicht zu stemmen. Es hängt viel Logistik und Vorbereitung dran, wenn 1000 bis 2000 Gäste am Sportplatz aufschlagen. Schwinghammer schaut nun am Bildschirm zu und wird den einen oder anderen Tipp an Assistent Maximilian Heringer schicken. Aber der „weiß eh, was er zu tun hat“.

Derby wird zur Kopfsache – Murnau darf „keinen einzigen Punkt mehr lassen“

Montag, im letzten Training, haben sie gemeinsam die Vorbesprechung gehalten. Die Mannschaft erfuhr etwa, dass Christoph Lößl mit muskulären Problemen ausfällt. Und auch die Eckpfeiler der Taktik schlugen die Trainer ein. Schwinghammer sagt: „Ein Derby beginnt als Taktik- und wird zur Kopf-Sache.“ Nur wer im Oberstübchen klar bleibt, bei dem verfängt auch der Plan. Und weil in seiner Mannschaft doch der eine oder andere routiniertere Fußballer steht, sieht Schwinghammer dort den entscheidenden Vorteil.

„Ein Derby beginnt als Taktik- und wird zur Kopf-Sache.“

Stefan Schwinghammer

Wagner weiß um die Schwäche der Jugend. Er hat nun schon öfter erlebt, wie seine Burschen im Rausch der Gefühle untergingen und nicht mehr auftauchten. „Wir hatten ein Problem mit Nervosität, das ist nur menschlich, wenn du einen Altersschnitt von 20 Jahren hast.“ Auch heute kalkuliert er frühe Fehler ein, die der eigenen Anspannung entspringen. In großen Spielen – etwa gegen Rosenheim, Wasserburg, Hallbergmoos – halten sie dem Druck stand. Aber dieses Derby ist anders. „Darüber spricht man das ganze Jahr. Gegen Garmisch zu spielen, ist deutlich schwieriger.“ Diese Abende sind wie ein Käfigkampf. Wenn sich die Türe schließt, zählt nur noch, wer als Sieger wieder heraussteigt. Für Murnau ist auch klar: Sollte es doch noch einmal Richtung Bayernliga gehen, „dürfen wir keinen einzigen Punkt mehr lassen“, betont Wagner. Sie sind zum Siegen verdammt.

Gleichzeitig – und das ist freilich ein innerSter Konflikt – wollen sie unbedingt, dass der 1. FC die Klasse hält. Die gemeinsamen Duelle sind für alle Spieler der Kern ihres Tuns, für die Vereine ein finanzieller Erste-Hilfe-Koffer. „Jedem ist klar, wie wichtig es ist, dass es auch nächstes Jahr ein Derby gibt“, erklärt Wagner. Sollte eines der Teams oder gar beide die Liga verlassen, würde ein Stück Fußballkultur verloren gehen. Deshalb wünschen Wagner und Co. ihren Rivalen nur das Beste. Für die Zeit nach dem Derby versteht sich, wie der Coach scherzt: „Die Garmischer können ja nach unserem Spiel alles gewinnen.“